Herbst 2011 - Aus unserem Tagebuch


Teil 1 - Gitzenweiler Hof

Der Campingpark Gitzenweiler Hof bei Lindau am Bodensee bietet eine Seniorenwoche an. Stellplatz für 2 Personen einschließlich Strom und aller sonstiger Annehmlichkeiten, die ein solcher Platz zu bieten hat, für 128 Euro, das wollen wir einmal probieren und melden uns deshalb an.

Sonntag, 11.09.2011
Nach einem ausgedehnten Frühstück fahren wir nach Süden. Bis auf einen kurzen Stau kommen wir auch gut durch und rollen gegen 17 Uhr auf den Campingplatz. Hier allerdings zweifeln wir ein wenig an uns selbst, dass wir dieses Abenteuer gewagt haben. Wir finden einen Platz vor, auf dem die Wohnwagen und vor allem die Wohnmobile dicht an dicht stehen, der wegen seiner Größe in mehrere Abteilungen eingeteilt ist und auf dem wir uns dicht am Waldrand auf eine vom Regen aufgeweichte Ecke quetschen sollen, die zu allem Überfluss auch noch zur Hälfte von einem Transporter zugestellt ist, dessen Fahrer sich nicht auftreiben lässt.
Elke läuft los, um einen anderen Stellplatz ausfindig zu machen. Ich sitze ein wenig auf heißen Kohlen, denn im Süden beginnt es zu grollen und der Himmel verfinstert sich. Wir entscheiden uns schließlich für eine gekieste Stelle nahe am Golfplatz, rangieren den Wohnwagen an einen trockenen Ort und bauen schnell das Vorzelt auf. Wir haben Glück, denn als der letzte Zeltnagel provisorisch sitzt, beginnt es zu schütten. Wir lassen den Begrüßungsschluck und das Essen im Restaurant sausen, setzen uns in den Wohnwagen und sind froh, wenigstens für heute ein trockenes Plätzchen gefunden zu haben. Die dicken Tropfen von den hohen Fichten stören zwar ein wenig beim Einschlafen, aber wir sind beide müde genug um doch wegzunicken.

Montag, 12.09.2011
Es ist grau und duster und ich hätte schon Lust, wieder abzureisen. Wir gehen in Gedanken sonnige Herbstplätze durch, auf denen wir morgens im Sonnenschein frühstücken und abends in der Wärme zu Abend essen können. Aber die Feuchtigkeit verzieht sich und der Plan, nach Lindau zu laufen, wird aufgegeben. Wir heben das Tandem vom Autodach, packen vorsichtshalber die Regensachen ein und machen uns auf zwei Rädern auf den Weg. Schon im ersten Dorf zeigt uns ein sehr schwatzhafter Mann eine Alternativstrecke nach Bösenreutin, die wir dann auch einschlagen. Der Tipp war gut und wir erreichen das Dorf auf Radwegen fast ohne Straßenbenutzung. Hierher wollen wir, um in einem Campingzubehörgeschäft noch einige Zeltnägel zu beschaffen, denn der Boden auf unserem Stellplatz ist so hart, dass sich die normalen Häringe verbiegen. Mit zehn stabilen Nägeln im Gepäck rollen wir hinunter nach Lindau. Während ich versuche, den Uferweg zu erreichen, erspäht Elke das Hinweisschild auf die Dahlienschau. Wir folgen den Wegweisern, kurbeln die soeben verlorene Höhe wieder hinauf und stehen am Ortsrand plötzlich vor einem Meer von den verschiedensten Dahlien.
Ein benachbartes Blumengeschäft hat hier über 300 Sorten von den einfachen offenen Blüten bis zu riesigen, 30 cm im Durchmesser messenden Pompomblüten angepflanzt. Wir durchlaufen die Ausstellung, erfreuen uns an den Farben und Formen, essen zwischendurch einen Fallapfel oder eine Fallbirne, fotografieren und haben Mühe, uns wieder loszureißen. Schnell sind wir wieder unten in der Stadt, überqueren die Brücke und sind nun in Lindau im Bodensee. Elke besorgt einige Informationen.
Wir setzen uns neben den Mangturm und studieren die Broschüren. Beim Weitergehen macht sich der Magen bemerkbar. Wir lassen uns vor eine Pizzeria nieder und verdrücken jeder eine große Pizza. So gestärkt machen wir uns auf den vorgeschlagenen Rundweg. Wir besuchen Römer- und Gerberschanze, schauen in die evangelische und katholische Kirche, vor allem aber laufen wir mit vor Erstaunen offenem Mund durch die Straßen und Gässchen der Stadt. Ein Haus ist schöner als das andere. Die Hinterhöfe wirken malerisch, es gibt ganz viele sehenswerte Kleinigkeiten. Das macht Lindau in unseren Augen zu einer der schönsten Städte, die wir bisher kennen gelernt haben.
Wir haben natürlich auch den besten Tag erwischt, den man sich vorstellen kann. Der Himmel strahlt inzwischen herbstlich klar, der Bodensee liegt ruhig wie ein Spiegel da und die Sonne zeigt noch einmal, zu was sie im Sommer eigentlich fähig ist. Gut gelaunt nehmen wir den Bodenseeradweg unter die Räder. Wir fahren inmitten Dutzender von Radfahrerpulks immer entlang des Sees. Der Weg ist schon schön angelegt. Nur ab und zu biegt er vom Ufer ab. Dann befindet sich dort ein Strandbad oder einige Villen mit direktem Seezugang versperren die Weiterfahrt. Was mag ein solches Grundstück wohl kosten? Wir durchfahren Nonnendorf und erreichen Kressbronn. Hier müssen wir den See verlassen, um durchs Land zum Gitzenweiler Hof zurückzukehren. Aber ohne Karte? Also noch schnell in die Tourist Info und eine Radkarte erstanden. Ohne die hätten wir den Rückweg nie gefunden. Auf und ab wie in der Sächsischen Schweiz radeln wir durch Obstplantagen unserem Ziel entgegen. Auch direkt vor den Campingplatz hat der liebe Gott noch einen kräftigen Anstieg gepackt. Aber nach 42 schönen Kilometern mit vielen neuen Eindrücken, mit Bäuchen voller Äpfel und Birnen und mit lahmen Beinen rollen wir auf unseren Stellplatz, der jetzt in der Abendsonne liegt. Wir setzen uns in die warme Herbstsonne und ruhen uns aus, ehe wir nach dem Duschen eine Runde über den Platz laufen und dabei immer mehr davon überzeugt sind, mit unserem Stellplatz die richtige Wahl getroffen zu haben. Wir stehen trocken und ruhig, während andere im Matsch versinken oder direkt im Schalleinfluss der Eisenbahn und der Straße liegen.

Dienstag, 13.09.2011
Dafür bekommen wir den Lärm vom Golfplatz ab. Gestern mähte jemand ununterbrochen, dann kam der Düngewagen und abschließend der Unkrautvernichter. Heute morgen fährt seit 7.30 Uhr der Laubpuster über den Platz. Mal sehen, was morgen los ist. Ökologisch, wie manche Golfer behaupten, ist das jedenfalls nicht. Kurz bevor wir zu unser heutigen Runde starten, kommt auch noch ein Traktor und fegt!!! den Rasen.
Wir fahren heute direkt gegenüber des C-Platzes auf die Höhe. Dies ist Allgäu pur: Weite Wiesen, braune Kühe, alte Obstbäume in Hülle und Fülle. Mitten hindurch schlängelt sich unser Sträßchen, dem wir nach Norden folgen. Wir orientieren uns an den Wegweisern für einen Nordic Walking Parcours, weichen aber dort, wo der Weg in den feuchten dunklen Wald eintaucht, in die sonnige Weite aus. Wir essen Zwetschen, Äpfel und Birnen, kosten von den ersten Walnüssen und trudeln so wenig zielgerichtet durch die anmutige Gegend. Wir erreichen den Deger- und später den Schleinsee, unseren Umkehrpunkt für heute. Auf guter Straße mit wenig Autoverkehr rollen wir hinab nach Kressbronn. Wir kaufen uns eine Brotzeit im Supermarkt, die wir anschließend im Strandbad verzehren. Wir suchen uns dazu ein Halbschattenplätzchen, denn in der direkten Sonne ist es zu heiß. Wir schauen den kleinen Kindern und deren Müttern beim Erforschen der Fontänen im begehbaren Springbrunnen zu und genießen wie sie den Spätsommertag. In Wasserburg fahren wir einige Male hin und her, bevor wir die Halbinsel mit der Schlossanlage und der Kirche finden. Aber das Suchen hat sich gelohnt, denn wir können hier unseren Kaffee direkt an der Mole des Sportboothafens trinken. Allerdings müssen wir uns auch hier wieder losreißen, denn auf uns warten noch einige Kilometer Anstieg zurück zum C-Platz. Die Orientierung gestaltet sich etwas schwierig, aber spätestens ab Oberreitnau kennen wir den Weg. Fünf Minuten später rollen wir auf den Platz, kaufen Getränke und setzen uns wieder in die Abendsonne vor den Wohnwagen. Ich schwimme allerdings vorher noch einige Runden, danach wärmt die Sonne noch viel besser.
Das war ein Tag für die Seele. Auch die Steigungen kommen uns schon flacher vor, wir können langsam an längere Touren denken.

Mittwoch, 14.09.2011
Heute herrscht Ruhe auf dem Golfplatz, das liegt wohl am strömenden Regen, der seit 6.30 Uhr Uhr vom Himmel fällt. Im Vorzelt hat sich ein See gebildet. Trotz des wenig einladenden Wetters kaufe ich Brötchen, fülle mehr Kies in die Pfützen vor dem Wohnwagen, hole auch den großen Regenschirm aus dem Auto. Mit unserer Radtour nach Bregenz wird es wohl heute nichts, auch wenn die Wolken am Nachmittag auflockern sollen. Bleiben wir also im gemütlich warmen und trockenen Wohnwagen und schauen den Treckern zu, die doch schon wieder auf dem Golfplatz herumfahren. Aber viel Lärm hören wir heute von denen nicht, so trommelt der Regen aufs Dach. Erst als im Rundfunk ein 'Schöner Nachmittag' gewünscht wird, klart es etwas auf. Wir ziehen uns feste Schuhe an, setzen uns den Rucksack auf und machen uns auf den Weg nach Rehlings. Wir wissen, dass es dort einen kleinen Laden gibt, in dem wir vielleicht Käse für das heutige Abendessen kaufen können. Auf dem Weg dorthin sammeln wir zwei Tüten voll Walnüsse, von denen wir allerdings später die Hälfte wieder wegwerfen, weil sie taub oder schimmelig sind. Der Laden hat am Mittwoch Nachmittag geschlossen, wir laufen die Viertelstunde weiter nach Weißensberg. Auf Elkes Frage rät uns ein Passant allerdings ab, dorthin zu gehen, weil es auch in diesem Ort kein Geschäft mehr gibt. Also kehren wir um, laden die Walnüsse ab und satteln das Tandem, denn inzwischen ist es wieder warm geworden und der Regen hat sich verzogen. Wir rollen auf der kürzesten Strecke hinab nach Lindau. Im Einkaufszentrum decken wir uns mit dem Nötigsten und auch mit unnötigen Dingen ein. Obwohl ich eine andere Strecke zurückfahren will, finde ich sie nicht und deshalb strampeln wir wieder neben der Hauptverkehrsstraße auf den Berg hinauf.

Donnerstag,15.09.2011
Heute soll schönes Wetter werden. Das sieht aber im Moment nicht so aus. Wir setzen uns zum Frühstücken noch nicht einmal vor den Wohnwagen, so frisch ist es. Aber langsam wird es doch klarer, so dass wir uns mit dem Tandem auf den Weg machen können. Wir erreichen den Bodensee-Radweg in Wasserburg, hinter Kressbronn haben wir Neuland unter den Rädern.
Vor Langenargen führt eine Kabelbrücke über den Fluss, die älteste in Deutschland überhaupt. Ein Miterbauer hat später auf den Erfahrungen aufbauend die Golden Gate Bridge in San Francisco entwickelt. Wir biegen hier vom See ab und folgen der Argen aufwärts. Der Fluss wird renaturiert. Die Stauwehre hat man schon zugunsten grober Steinschüttungen, über die das Wasser des Flusses nur so rauscht, abgebaut. Jetzt können die Fische aus dem Bodensee auch wieder den Oberlauf des Flusses erreichen, um dort zu laichen. Der gesamte Uferbereich ist zum Naturschutzgebiet erklärt worden, nur an einer Stelle können wir das Wasser erreichen. Immer wieder lachen uns auf der Weiterfahrt die rotbackigen Äpfel an. Wir können nicht widerstehen und verleiben uns einige ein. Kurz vor Laimnau weichen wir von der geplanten Route ab und fahren einen Abstecher zum Campingplatz Badhütten. Der ist wirklich eine Pracht: Absolut ruhig, ein schönes Freibad, große, helle Stellplätze mit Wasser, saubere Sanitäranlagen, Dauercamper und Feriengäste getrennt, dazu eine ganz nette junge Dame, die uns auch noch den Wetterbericht für das Tannheimer Tal raussucht. Ich freunde mich mit dem Gedanken an, doch noch einmal in diese Gegend zu fahren. Dazu trägt auch unsere Weiterfahrt bei.
Schon am anderen Argenufer, das wir über einen schwankenden Steg erreichen, ist die nächste Pause angesagt. Vor einem Bauernhof sind malerisch Hunderte von Kürbissen in allen Farben und Formen dekoriert. Hier kann man Äpfel kaufen und auch frischen Saft oder Most trinken. Wir entscheiden uns für ein großes Glas Most für jeden von uns, setzen uns auf die Hausbank in die Sonne und lassen es uns gut gehen. Leicht beschwipst vom leckeren Getränk fahren wir weiter, müssen jedoch schon wieder an einem Nussbaum halten, um die dort liegenden Walnüsse aufzusammeln. Auch in Unterlangnau ist Pause angesagt. Bei einem netten Landschlachter decken wir uns mit Wurst aus der Region ein.
Kurz danach folgt eine Fotografierpause vor einem Dorf. Alle Apfelbäume haben dort ihre Früchte abgeworfen. Von Weitem sieht es so aus, als ob auf der Wiese unter den Bäumen Himmelschlüsselchen oder Narzissen blühen. Der letzte Halt wird bedingt durch ein Imkerehepaar, das uns einlädt, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Umschwirrt von Bienen lassen wir uns die gerade anfallenden Arbeiten erklären. Die Bienen haben ihre Waben gefüllt mit Honig vom Indischen Springkraut, für die Umwelt eine Plage, für die Bienen und Imker ein Gewinn. Dieser Honig verbleibt in den Waben für den Winter.
Nun aber ist zügiges Fahren angesagt. Durch eine liebliche Landschaft geht es bergauf und bergab. Alle zwei bis drei Kilometer durchfahren wir ein Dörfchen. Die Vorgärten stehen in voller Blüte, die Balkonblumen steuern dazu bei, dass alles so anheimelnd wirkt. Wir stellen fest, dass wir auf der richtigen Route sind, denn hier sind wir vor einigen Tagen schon in entgegengesetzter Richtung gefahren. Zwei kleine Steigungen noch, ein letztes malerisches Tal, noch einmal eine sonnenüberflutete Weide, dann sind wir zurück am Campingplatz.

Freitag, 16.09.2011
Heute fahren wir nach Bregenz, aber nicht auf direktem Weg, sondern über Sigmarzell und dann das Leiblachtal hinunter. Hier in Österreich ist der Radweg perfekt ausgeschildert. Wir brauchen nicht einmal anzuhalten, obwohl die liebliche Gegend mit den hineingesprenkelten Höfen dazu oft anregt. Wir erreichen in Lochau den Bodensee. Direkt am Seebad setzen wir uns auf eine Bank und genießen den sonnigen Tag. Auf der anschließenden Bodensee-Promenade herrscht wie immer reger Fahrradverkehr. Dazu gibt es hier viele Badende, Sonnenanbeter, Schmusende und das alles auf dem engen Weg zwischen Bahn und See. Es folgt ein schöner Park mit exotischen Pflanzen, dann öffnet sich das Gelände und alle Wege führen auf die kolossale Seebühne hin. Der Eintritt ist frei!!!
Dieses Theater stellt vieles in den Schatten. Im See ist eine überdimensionale Bühne aufgebaut mit einem Riesenkopf, auf den viele Treppen hinauf führen. Wir erfahren, dass die Oper 'Pierre Chenier' in der Zeit der französischen Revolution spielt, im nächsten Jahr erneut aufgeführt wird, 7000 Zuschauer das Spektakel verfolgen können, die teuersten Plätze 120 Euro kosten, die Tontechnik dafür sorgt, dass alle Akteure genau geortet werden können, das Messer 15 m hoch ist und noch viel mehr. Ein Ziel für das nächste Jahr?
Mit einigen Mühen gelingt es uns, die andere Seite der Bahn zu erreichen und damit die Fußgängerzone von Bregenz. Die ist aber auswechselbar mit Hannover oder anderen unpersönlichen Innenstädten. Immerhin können wir in einem Intersportgeschäft für jeden von uns neue Wanderschuhe erstehen. Sie passen gerade noch in die Packtaschen und so machen wir uns auf den Rückweg. Vorbei an Badenden... erreichen wir Lindau. Noch einmal schieben wir durch die schmucke Innenstadt, fahren dann weiter nach Wasserburg, um kurz vor Erreichen der Stadt rechts abzubiegen. Wir kommen nach Bodolz, diesen Ort kennen wir schon, später nach Schönau. Hier fahren wir weiter hinauf in die Berge, allerdings endet der Weg mitten in Obstplantagen. Wenigstens schmecken die Äpfel. Wir rollen zurück, um letztlich doch über Oberreitnau auf der Straße zurück zu fahren. .

Sonnabend, 17.09.2011
Ich kaufe eine Stunde Internetzugang für zwei Euro, um Emails abzurufen und den Wetterbericht für das Tannheimer Tal abzufragen. Nach einem regnerischen Sonntag soll es ab Montag wieder besser werden. Ich rufe in Grän an. Wir können jederzeit kommen. Hier ist es heute schon am Vormittag sehr sonnig und warm. Wir können deshalb schon bald unser Vorzelt einpacken. Auch das Tandem laden wir auf, da Elke heute nicht mehr aufs Rad steigen will, da es sowieso bald regnen wird. Ich weiß zwar nicht, warum es aus blauem Himmel regnen soll, aber der Wetterbericht hat etwas von Regen gesagt und der muss ja Recht haben. Also laufen wir unseren neuen Schuhe ein. In Waltersberg sammeln wir viele Walnüsse, die wir gleich knacken, auf der Höhe drängt Elke zur Rückkehr, denn es zeigen sich einige Wölkchen am sonst blauen Himmel. Das wird das Unwetter und nass werden will sie nicht. In spätsommerlicher Hitze kehren wir zurück zum Platz, schwitzen weiter in der Sonne beim Dösen vorm Wohnwagen, gehen gemeinsam zum Schwimmen, essen ein Stück Kuchen zum Kaffee, immer noch in der Sonne. Auch beim erneuten Einkaufen herrscht noch Sommer, erst sehr viel später verdustert sich der Himmel und urplötzlich beginnt es zu schütten. Wir flüchten in den Wohnwagen und sehen schon unser Abschlussessen im Gasthaus in den Fluten versinken. Aber so plötzlich wie der Regen aufgezogen ist so verschwindet er auch wieder. Wir nehmen zwar den Schirm mit, den brauchen wir aber auch nach dem netten Aufenthalt im Gasthaus nicht mehr. Auch jetzt um 22 Uhr ist es ruhig auf dem Wohnwagendach, mal sehen, wie es weiter geht.

Teil 2 - Tannheimer Tal

Sonntag, 18.09.2011
Erst früh am Morgen beginnt es zu regnen, aber so ausdauernd, dass, als wir aus dem Fenster sehen, in eine Wasserwüste blicken. Nur mein gesammelter Kieskaufen vor der Tür ragt wie eine Insel aus der Wasserfläche. Aber das soll uns jetzt nicht kratzen. Wir frühstücken, packen, hängen den Wohnwagen an und verlassen diesen nicht sehr einladenden Campingplatz. Elke hatte schon am Abend vorher bezahlt, so können wir gleich durch die Schranke fahren. Aber die öffnet sich nicht automatisch. Also muss Elke beim Regen raus und den Code eingeben. Dabei wird sie fast von herabfallenden Walnüssen erschlagen. Nun aber endlich sind wir frei und können das Tannheimer Tal ansteuern. Mit dem Klettern in die Berge sinkt die Temperatur, letztlich bleibt das Thermometer bei 9 Grad stehen. Über Wertach und Oberjoch erreichen wir Grän, fast eine Stunde zu früh, denn bis 14 Uhr ist Mittagspause. Wir laufen unterm Schirm über den Platz, halten schon mal Ausschau nach einem schönen und trockenen Stellplatz, trinken im Wohnwagen einen Kaffee und dann ist es Zeit für die Anmeldung. Der von uns präferierte Platz ist frei. Wir fahren schnell hin, richten den Wohnwagen aus, ich baue das Vorzelt auf, dann gibt es schon wieder Kaffee. Das ist doch eine andere Welt hier: Alles ist weit und hell, die Plätze sind trocken, die Einrichtungen erste Sahne. Uns kommt es so vor, als ob auch die Nachbarn freundlicher sind. Jetzt ist aber Anbaden angesagt. Das Hallenbad im ersten Stock des Sanitärgebäudes ähnelt dem in Hopfen: Warmes Wasser, große Fenster, toller Blick auf die Berge, wenn sie denn nicht hinter den Nebelwänden verborgen wären. Ich habe das Schwimmbecken für mich allein. Das Bad öffnet um 7.30 Uhr, da werde ich mich wohl oft aufhalten. Es regnet immer noch, so verbringen wir den Abend im Wohnwagen, hören uns die Wahlergebnisse aus Berlin an und stöbern in den Prospekten.

Montag, 19.09.2011
Über die heutigen Aktivitäten ist schnell berichtet. Kaum hat das Bad geöffnet, gehe ich eine Stunde lang schwimmen. Nach dem Frühstück wandern wir in die Stadt zur Käserei und zum Supermarkt. Voll beladen kehren wir zurück. Eine Schwimmbrille kaufe ich im Sportgeschäft auch noch, um die Augen ein wenig zu schonen. Nach einem schnellen Kaffee legt sich Elke ins Schwimmbad, ich ziehe noch einmal die Wanderschuhe an und laufe erneut nach Grän, um Geld und die vergessenen Lebensmittel zu holen. Ich entdecke einen Wanderweg nach Haldensee und so komme ich nach einer halben Stunde Wanderung durch nasse Wiesen zum Supermarkt. Auch den Rückweg wähle ich nicht direkt. Ich hole weit nach Westen aus und in einem Zickzack-Kurs erreiche ich den Campingplatz. Trotz des Regens ist dies ein schöner Marsch.
Immer wieder hebt sich der Nebel und gibt den Blick auf die tief herunter verschneiten Hänge frei. Am Morgen hat es uns sogar auf den Schirm geschneit, gegen Abend guckte schon mal die Sonne durch die Wolken.


Dienstag, 20.09.2011
In der Nacht regnet es. Als es leiser wird, denke ich schon, es sei Schnee, aber ein Blick aus Fenster zeigt, dass es keine Veränderung zu gestern gegeben hat. Zum Schwimmen muss ich mit dem Schirm gehen und auch als wir nach dem Frühstück zu einem Spaziergang entlang des Talheimer Höhenweges aufbrechen, nehmen wir lieber die Schirme mit. Das ist aber unnütz, denn von Stund an bessert sich das Wetter. Oberhalb von Tannheim sind wir sogar so mutig, den Höhenweg zu verlassen und den Weg nach Lohmoos einzuschlagen. Wir können uns zwar ausrechnen, dass uns weiter oben Schnee erwartet, und das wird uns auch von zwei entgegen kommenden Wanderern bestätigt. Aber als wir auf der Höhe ankommen, sind nur noch einige Reste der weißen Pracht am Wegesrand zu sehen. Unser Weg ist schon völlig trocken. Außerdem sehen wir von der Passhöhe aus Nordwesten den blauen Himmel auf uns zukommen, das macht richtig Freude nach den beiden Regentagen. Von der Haldenberger Alpe an geht es bergab und als uns zwei Wanderer bestätigen, das der Gasthof Zugspitzblick geöffnet hat, werden unsere Schritte schneller.
In der gemütlichen Gaststube gibt es Pfirsich- und Quittentorte. Der Kuchen stärkt uns so, dass wir beschließen, wieder bergauf und dann nach Schattwald zu laufen. Es gibt zwar ein kurzes, recht rutschiges und von Kühen zertretenes Wegstück, dann aber haben wir wieder feste Forststraße unter den Füßen. In Schattwald steigen wir in den Bus, der mit der Gästekarte für uns frei ist und fahren zurück nach Grän. Inzwischen scheint auch die Sonne von einem zunehmend blauen Himmel und taucht die Berge in ein mildes Herbstlicht. Alle auf dem Platz sind fröhlich, stehen beieinander, schwatzen und freuen sich auf die bevorstehenden Sonnentage. Am Aggenstein sehen wir Spuren im Schnee, die bis zum Gipfel führen, vielleicht ist das morgen unser Ziel.

Mittwoch, 21.09.2011
Ein richtig runder Hochgebirgstag war das heute.
In der Nacht ist das Thermometer auf fast 0 Grad gefallen, dafür gibt es keine Wolke mehr am blauen Himmel. Wir packen Faserpelz und Anorak ein, ich schmuggele auch noch Mütze und Handschuhe mit in den Rucksack. Erst in der letzten Sekunde entschließt sich Elke, doch keine Leggings unter ihre Wanderhose zu ziehen. Und sie hat gut daran getan, denn schon auf den ersten Metern unter ungebremster Sonne fangen wir an zu schwitzen. In Lemberg wandern die langen Kleidungsstücke in den Rucksack und werden heute nur noch für die Pausen wieder hervorgeholt.
Wir sind nicht die einzigen Wanderer, die sich mit der Temperatur verschätzt haben. Drei junge Berliner haben dasselbe Problem wie wir und schleppen nun prall gefüllte Rucksäcke durch die Berge. Mit den Leuten steigen wir eine ganze Weile zusammen auf, kurz vor der Bad Kissinger Hütte hängen wir sie aber ab. Allerdings stoßen sie auf der Aussichtsterrasse wieder zu uns, bevor sie weiter hoch zum Aggenstein wandern. Wir wählen den Weiterweg über die Sebenalpe zum Füssener Jöchle. Hier auf der nicht so der Sonne ausgesetzten Bergseite liegt auf den Weiden neben dem Weg noch viel Schnee, der aber zügig wegtaut.
Die Pfade sind erstaunlich gut zu begehen, nur an einigen Stellen haben sich Pfützen gebildet, die übersprungen werden müssen. Kurz vor dem Joch öffnet sich eine eine grandiose Bergszenerie, die Felsen vor uns sehen deutlich höher aus, als sie eigentlich sind. Mit Blick auf diese Riesen setzen wir uns auf einen großen Stein und verzehren unsere Brotzeit. Wenig später erreichen wir die Bergstation der Gondelbahn. Angesichts der langen Strecke, die wir hinter uns haben, lösen wir Karten für Tal- und Bergfahrt (für morgen) und sind zehn Minuten später unten im Tal. Nur noch wenige Schritte sind es von hier zum Campingplatz. Unseren Kaffee trinken wir vor dem Wohnwagen in der frühen Abendsonne. Ich hole das MTB vom Autodach, fahre zum Supermarkt und kaufe einige Lebensmittel, damit wir morgen eine ordentliche Brotzeit mitnehmen können. Schwimmen, erholen, mit den Nachbarn klönen, so geht dieser schöne Tag zu Ende.

Donnerstag, 22.09.2011
Noch ein solcher Tag, vielleicht noch eindrucksvoller als der gestrige.
Wir fahren mit unserem gestern schon gelösten Ticket hoch zum Füssener Jöchle. Wir brauchen dort nicht lange, um uns zu orientieren. Unser Ziel ist die Füssener Hütte. Schon nach wenigen Metern sind wir allein und auch den gesamten Tag lang laufen wir weite Strecken, ohne einem anderen Menschen zu begegnen. Es geht hinauf zum Reintaler Jöchle, danach folgt ein recht steiler, ausgewaschener, rutschiger Weg bis hinunter zur Füssener Hütte. Wir bleiben oft stehen, denn hier ist die Szenerie noch grandioser als gestern. Das Tal wird flankiert von senkrecht abstürzenden Felswänden, die sich himmelhoch auftürmen. Keine Straße, kein Lift, kein Anzeichen menschlichen Tuns, nur unser schmaler Pfad.
Hier in der gewaltigen Bergkulissekommen wir uns recht klein vor. Wir erreichen die Füssener Hütte. Die Wanderer können sich auch für die Willy-Merkel-Hütte oder die Otto-Mayr-Hütte entscheiden, die gleich nebenan liegen. Aber heute ist außer uns beiden nur noch ein Mountainbiker hier oben. Den Wirt stört die Ruhe nicht. Da kann er selbst ein wenig in den Bergen herumlaufen und am Wochenende hat er das Haus sowieso schon wieder voll. Wir essen bei ihm einen ganz leckeren Apfelstrudel und machen uns dann auf den Rückweg.
Fast 500 Höhenmeter liegen vor uns, allerdings macht uns heute der Anstieg weniger zu schaffen als gestern. Es ist nicht so heiß, weil der Himmel leicht bewölkt ist, außerdem verläuft der Weg zum Teil im Schatten der Roten Flüh. So erreichen wir gut gelaunt das Hallerjoch. Hier könnten wir noch auf den Schartschrofen steigen, wir verzichten allerdings darauf. Heute wollen wir zu Fuß bis nach unten gehen. Auf diesem Weg merken wir, dass die gestrige Entscheidung, mit der Bahn zu fahren, gut war. Es ist rutschig und steil. Wir wundern uns, dass hier noch Mountainbiker fahren können, deren Spuren wir entdecken. An einer wunderschönen Stelle pausieren wir. Dauernd kommen Dohlen vom gegenüber liegenden Berghang angeflogen, um sich einen Happen zu schnappen.

Freitag, 23.09.2011
Heute wollen wir die Beine ein wenig anders beanspruchen. Wir heben das Tandem vom Autodach und machen es startklar. Wir haben zwar draußen in der Sonne gefrühstückt, bei der Fahrt nach Tannheim merken wir allerdings, dass es schon Herbst ist. Aber zum Vilsalpsee geht es ein wenig bergauf, da werden wir warm. Inzwischen hat auch die Sonne an Kraft zugelegt, so dass wir auch während des Rest des Tages nicht mehr ins Frösteln kommen. Am See treten sich die Menschen fast tot. Immer neue Minizüge, Busse, Pferdekutschen spucken Menschen aus, die sich auf den Weg zur Vilstalalpe machen. Selbst auf dem breiten Fahrweg müssen wir Slalom fahren.
Wir versuchen, das Foto von vor einigen Jahren nachzustellen, danach radeln wir zur Gaststätte. Dort rasten wir allerdings nicht, es ist uns zu viel Rummel. Also zurück. Nach einem Eis am Stiel vom Kiosk lassen wir das Tandem zurück nach Tannheim rollen. Auf dem Tannheimer Radweg geht es anschließend fast eben nach Haldensee. Kurz vor Erreichen des Ortes lädt aber eine Bank zu einer sonnigen Pause ein. Es fällt schwer, diesen Ort wieder zu verlassen. Nach Haldensee folgt ein etwas hügeliges Stück am Südufer des Sees entlang. Die Krinnenspitze taucht diesen Abschnitt des Weges zu dieser Jahreszeit in dunklen Schatten. Auf der Sonnenseite jedoch führt die Bundesstraße mit dem entsprechenden Verkehr entlang. Wir fahren fast bis nach Rauth. Hier fließt das Wasser schon Richtung Lech. Ins Tal hinab wollen wir allerdings nicht, deshalb wenden wir hier, unterqueren die Straße und fahren durch weite Wiesen nach Nesselwängle. Endlich finden wir wieder einen Radweg. Der aber führt erst einmal steil nach oben. Wir müssen schieben. Nachdem wir die Höhe erreicht haben, zieht er sich jedoch ohne nennenswerte Steigung nach Haller hin. Wir erreichen den Fahrweg zum Adlerhorst. Während Elke eine Abkürzung durch den Wald nach oben steigt, fahre ich auf der Forststraße. Wir erreichen den Gasthof fast zur selben Zeit. Der Name sagt alles. Auf einem schmalen Felsband klammert sich das Haus fest. Der Balkon hängt schon über dem Abgrund.
Der Haldensee liegt unter uns wie aus dem Flugzeug gesehen. Wir stärken uns mit Kaffee und Apfelschorle, ehe wir den letzten Abschnitt unserer heutigen Runde angehen. Wir müssen noch ein Stückchen nach oben, dann allerdings rollt das Rad nur noch bergab. Um nicht noch einmal eine Steigung bewältigen zu müssen, wähle ich sogar die Skipiste zur Abfahrt.

Sonnabend, 24.09.2011
Von Nesselwängle aus erreicht man ein völlig anderes Wandergebiet. Wir probieren es aus, fahren mit dem Auto ins Dorf, parken den Wagen auf einem Lehrerparkplatz und gehen den Weg zur Schneetalalpe an. Der Weg ist besonders im oberen Teil gerade erst neu hergerichtet worden, so fällt der Aufstieg überhaupt nicht schwer. Am Hang des Hahnenkamms liegt die Alm, wie die meisten anderen voll in der Sonne.
Es ist warm heute, so dass viele Wanderer den Schatten suchen. Es muss einen Lift in der Nähe geben, denn so viele Alte und Dicke sieht man sonst nicht auf den Hütten. Später stellen wir fest, dass von Reutte aus eine Gondelbahn auf den Hahnenkamm führt und von dort ist es nur eine halbe Stunde gemütlichen Wegs. Diesen Weg steigen wir jetzt hinauf. Drei Mountainbiker begegnen uns. So also kommt man mit dem Rad hierher. Am Tiefjoch können wir ins Lechtal blicken und sehen Reutte unter uns. Wir müssen noch weiter hinauf und später wieder hinab, um das Hochjoch zu erreichen. In leichtem Auf und Ab zieht sich der Weg nun über weite Wiesenflächen. Leider hört man den Verkehr aus dem Tannheimer Tal hier oben stark. Deshalb kommt auch selten das Gefühl von Bergeinsamkeit auf. Aber auch die vielen Wanderer, die hier unterwegs sind, stehen dem entgegen. Trotzdem gibt es auch eindrucksvolle Szenerien, wie die am Wasserfall.
Oder ich denke an den netten Pausenplatz mit Blick auf die Felsriesen. An der Tannheimer Hütte laufen wir vorbei, auch am Gimpelhaus machen wir keine Pause mehr. Es folgt ein harter, steiler, felsiger Abstieg, der erst weit unten wieder moderater wird. Die letzten Meter legen wir auf dem Panoramaweg zurück. Unser Auto steht noch am Ort, niemand hat einen Bußgeldzettel dran gehängt.

Sonntag, 25.09.2011
Um 10 Uhr sitzen wir im Bus nach Nesselwängle, steigen dort in den Sessellift und fahren hoch zur Krinnenalpe. Noch beim Warten auf den Bus kommen wir mit einem Paar aus der Schweiz ins Gespräch, das auch dorthin will.
Auch sie wollen die Krinnenspitze besteigen, allerdings auf einem Weg durch die Nordflanke. Der Weg soll steil sein, aber nicht gefährlich. Da auch nirgendwo etwas anderes steht, lässt sich Elke überreden, dort mit hoch zu steigen. Der Pfad lässt sich wirklich gut gehen und als uns eine Großfamilie mit einem ganz kleinen Zwerg an der Hand entgegen kommt, weicht auch der letzte Zweifel. Wir erreichen nach einer guten Stunde schweißtreibenden Aufstiegs den Ostgipfel des Berges.
Als wir um die Ecke treten, können wir den Hauptgipfel mit dem Kreuz sehen - und die Menschenschlange, die ansteht für das obligatorische Gipfelfoto. Wir verzichten darauf, gönnen uns einen Blick ins Lechtal, um anschließend einen etwas ruhigeres Gebiet aufzusuchen, wo wir uns zu unserer Jause niederlassen können. Schön ist es hier im Windschatten.
Wir sehen zwei Paraglidern zu, die gerade starten und lange in dem Tal in die Höhe steigen und wir bestaunen die Flugkünste eines Modellflugzeuges. Am Neunerköpfle starten unentwegt Paraglider, mehrere Dutzend von ihnen sind gleichzeitig in der Luft. Und wir können uns wieder nicht sattsehen an der Bergwelt, die sich uns darbietet. Der Himmel ist zwar leicht bezogen, aber die Fernsicht ist trotzdem prächtig. Außerdem können wir von hier den Wegverlauf der 3-Seen-Tour einsehen, vielleicht etwas für morgen.
Der Abstieg ist sehr moderat. Erst geht es über weite Almflächen zur Gräner Ödenalpe, anschließend über einen recht matschigen Pfad zur Nesselwängler Edenalpe. Hier wird der Weg breiter, der uns zurück zum Lift führt. Wir kommen so zeitig unten an, dass wir sogar einen Bus früher nehmen können. Nach einer Fahrt durch das gesamte östliche Tannheimer Tal können wir direkt am C-Platz aussteigen. Aus der morgigen Tour zur Landsberger Hütte wird nichts, denn Elkes Bergschuh hat sich aufgelöst. Da werden wir wohl einen Radtag einlegen. Übermorgen müssen wir sowieso starten.

Montag, 26.09.2011
Weil die Nachbarn mit dem MTB zur Krinnenalpe fahren wollen, lässt sich Elke breitschlagen, auch mit in die Berge zu kommen. Wir wählen allerdings den Forstweg hoch zur Edenbachalpe. Der Weg führt weiter zur Strinden- und Gappenfeldalpe. Es geht vom Haldensee gleich steil bergan, so dass wir bald absteigen und schieben. Ich ziehe mir sogar die mitgenommenen Turnschuhe an, um besser laufen zu können. Erst als der Weg aus dem Wald heraustritt wird es flacher. Hier können wir wieder fahren, allerdings nur unter Aufbietung aller Kräfte. An der Edenbachalpe bin ich durchgeschwitzt. Elke will nicht mehr weiter als sie auf dem Schild liest, dass es zur Strindenalpe noch eine Stunde Fußweg ist. So setzen wir uns erst einmal auf eine Bank in die Sonne und lassen uns trocknen. Die Vernunft siegt und wir kehren um. Ganz langsam lassen wir das Tandem ins Tal rollen. Das kostet zwar viel Kraft in den Händen und einige Millimeter Bremsbelag, aber es ist sicher. Weil wir nun schon mal auf dem Tandem sitzen, folgen wir dem Tannheimer Radweg nach Westen. Über Berg, Zöblen und vorbei an Schattwald erreichen wir den den kleinen Floschen Moorweiher. Ach, ist das schön hier. Wir sitzen direkt am Wasser, vor uns flitzen die Libellen entlang, die Kuhglocken läuten und die Sonne wärmt. Keine Mücke, keine Fliege, keine Bremse, die den Frieden stört. Der Herbst ist schon eine schöne Jahreszeit, vor allem, wenn es so warm und sonnig ist wie heute. Auf der Rückfahrt wollen wir eigentlich noch zum Höfersee hochfahren, dass lassen wir aber und setzen uns lieber auf der Sonnenseite des Tals vor ein Café zu Kaffee und Eis. Von hier sind es nur noch wenige Minuten zum Supermarkt nach Grän. Auf der Fahrt durch das Dorf hat Elke die Idee, doch einmal nach nach Bergschuhen zu sehen. Es dauert keine Viertelstunde und sie hat dank guter Beratung einen hervorragenden Lowaschuh. Der müsste eigentlich eingeweiht werden, aber wir müssen ja morgen fahren wegen des Arzttermins. Oder lässt sich da etwas drehen? Schnell im Internet die Telefonnummer rausgesucht, das Sekretariat ist auch noch besetzt und schon ist der Termin nach hinten verschoben. Auf unserem Platz können wir auch noch bis Donnerstag stehen bleiben. Für uns bedeutet das zwei weitere Bergtage.

Dienstag, 27.09.2011
Wir beeilen uns sehr mit dem Frühstück, denn wir wollen den Bus um 9.09 Uhr nach Tannheim erwischen. Dort steigen wir um und fahren weiter zum Vilsalpsee.
Am Seeufer entlang geht es bis zur Abzweigung zur Landsberger Hütte. Der Weg führt steil nach oben, liegt aber so früh am Tage noch im Schatten. Deshalb, oder weil wir schon so gut eingelaufen sind, fällt uns der Aufstieg überhaupt nicht schwer. Wir erreichen den Traualpsee, einen von den Stromversorgern zum Stausee erweiterten Karsee mit blaugrünem Wasser. Hier können wir auch schon die Hütte auf einem Felsband oberhalb des Sees liegen sehen. Erst einmal geht es eben bis zu den Felsen, danach folgt leichte Kletterei und dann haben wir unser erstes Ziel für heute erreicht. 1 ½ Stunden haben wir nur gebraucht.
Für Elke gibt es zur Belohnung eine Flädlesuppe, für mich einen Kaffee. Wir schauen eine Weile den Klettersteiggehern in der gegenüber liegenden Wand zu, dann raffen wir uns aber auf und machen uns auf den Weiterweg.
Der führt erst einmal noch ein Stück bergauf bis kurz unter die Schochenspitze. Erst dort senkt er sich langsam zur Gappenfeldscharte hin. Wobei senken im Hochgebirge ein dehnbarer Begriff ist. Immer mal wieder geht es über Felsrippen viele Meter hoch, dann wieder folgen steile Abstiege über nasse Steine.
Vorbei an der Sulzspitze kommen wir zur Strindenscharte. Hier setzen wir uns auf einen kleinen Felsblock mitten im Murmeltiergebiet und halten unsere Vesper. Den ganzen Tag sind wir in absolutem Hochgebirge gelaufen. Die Wände um uns herum sind beeindruckend, die weiten Almen darunter verstärken nur noch den Eindruck der schroffen Felsen. Hier hört man nur das Pfeifen der Murmeltieren, das Gekrächze der Dohlen und ab und zu mal die Stimme eines Wanderers. Es gibt keinen Autolärm und auch kein Kreischen von Motorsägen. Selbst die Hubschrauber halten sich heute fern. Später sehen wir unter uns die Fahrstraße zur Strindenalpe, die wir gestern fahren wollten. Junge, das wäre aber eine Tour geworden!
Wir verlassen den Forstweg, um die letzte Stunde wieder auf schmalem Bergpfad bis zum Neunerköpfle zurückzulegen. Hier oben tummeln sich die Paraglider, die heute allerdings keinen guten Startwind haben. Einer von ihnen spürt das am eigenen Leib, als er nach Überfliegen der Wegkante abrupt von einer Böe nach unten gedrückt wird. Aber es ist nichts passiert, der nächste Start klappt besser. Überhaupt war es heute den ganzen Tag über recht windig und auch die Sonne hat sich meist hinter den Wolken versteckt, so dass wir beim Rasten immer wieder die Jacke überziehen mussten. Erst nachdem wir unten in Tannheim aus der Gondelbahn steigen, erwischt uns die Hitze wieder voll.

Mittwoch, 28.09.2011
Ein solch schöner Urlaub bedarf eines würdigen Abschlusses. Wir fahren mit dem Bus nach Schattwald, werden direkt am Lift ausgeladen und fahren mit dem Sessellift nach oben, um uns heute den langen Aufstieg zu ersparen. Gleich an der Bergstation geht es richtig los. In mehreren Kehren steigen wir auf zum Wannenjoch. Elke hat immer die Befürchtung, dass es von dort oben auf dem Grat zum Iseler für sie nicht begehbar ist, denn sie hat gelesen, dass auf dieser Strecke Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich ist. Wir haben uns noch einen Rückzugsweg eingebaut, falls sich die Vorhersage erfüllen sollte. Aber es geht alles gut. Der Grat ist zwar luftig, aber an keiner Stelle so ausgesetzt, dass Elke Angst bekommen könnte. Eine Stunde lang geht es so zwischen Himmel und Erde dahin. Und dann, nach einem letzten Anstieg, haben wir den Gipfel des Iseler erreicht.
Hier herrscht fast so großer Andrang wie an der Krinnenspitze, deshalb machen wir uns auch gleich wieder an den Abstieg. Die Aussicht ist sowieso von allen Stellen gleich. Wir haben ein ganz anderes Panorama vor uns als an den vergangenen Tagen. Sahen wir vor einer Stunde noch lang in das Tannheimer Tal hinein bis zum Haldensee, später bis zum Grünten und zum Wertacher Hörnle, liegt jetzt vor uns das Oberstdorfer Gebiet bis hin zum Kleinwalsertal. Wir können gut den Hohen Ifen und das Walmerdinger Horn ausmachen, Berge, auf denen wir auch schon gestanden haben. Später sehe ich durch das Fernglas sogar die Kabinen der Nebelhornbahn. Da wir uns entschließen, nicht nach Oberjoch hinunter zu fahren, sondern Schattwald anzusteuern, verlegen wir das Essen auf den Rückweg. Wir finden zwei schöne Steine oberhalb des Weges. Hier auf dieser Seite ist so wenig Begängnis, dass wir auch direkt auf dem Weg hätten sitzen können. Es ist windstill, die Sonne zeigt noch einmal, was sie kann, die Aussicht ist herrlich und Essen und Trinken schmecken.
Wir entschließen uns, nicht hoch zur Bergstation der Seilbahn zu laufen, sondern nach Schattwald abzusteigen. Anfangs führt der Pfad noch über eine Alm, da heißt es, auch mal große Stufen zu überwinden. Später erreichen wir einen Forstweg und nun geht es weniger steil bergab. In Schattwald warten wir 5 Minuten auf den Bus, noch nicht einmal Zeit für einen Kaffee haben wir. Den holen wir am C-Platz nach. Alle Sachen sind eingeräumt, die Fahrräder sind verzurrt, morgen fahren wir endgültig zurück.

Donnerstag, 29.09.2011
Der Tag beginnt wie jeder andere: Schwimmen, um 8.30 Uhr in der Sonne frühstücken, doch dann wird alles doch anders. Schnell sind die restlichen Sachen verstaut, der Wohnwagen angehängt, der Platz bezahlt und dann sind wir auch schon unterwegs nach Hause. In Wertach kaufen wir einige Dinge ein, in Herzberg noch einmal. Gegen 19.00 Uhr rollen wir den Wohnwagen auf den Garagenplatz, wohl das erste Mal im Dunkeln überhaupt.