Vinschgau Herbst 2010 - Aus unserem Tagebuch

Vorwort
Wohin in diesem Herbst? Alle Überlegungen spitzen sich zu auf das Tannheimer Tal, diese Gegend, in der man ebenso gut Rad fahren wie auch wandern kann. Alle Reiseführer sind gewälzt, Touren herunter geladen, es fehlt eigentlich nur noch die Anmeldung in Grän beim Campingplatz. Doch dann kommt Katrin und prognostiziert einen Kälteeinbruch für die zweite Urlaubswoche. Die langfristige Wettervorhersage im Internet bestätigen sie. Minus fünf Grad in der Nacht, nur noch wenige Grad über Null am Tage! Wohin nun? Vielleicht nach Südtirol? Dort soll es zwar auch kühler werden, aber lange nicht in dem Maße wie am Nordrand der Alpen. Im Internet macht ein komfortabler Campingplatz in Naturns auf sich aufmerksam. Ich maile, keine Antwort. Schlosscamping in Lana schreibt ab, belegt. Der weiterer Platz in Lana hat noch Plätze frei, der liegt allerdings auf dem Berg, das bedeutet, am Abend immer noch einmal hoch. Ich probiere es noch einmal in Naturns, diesmal telefonisch. Und wirklich, mit Schieben und Rücken auf dem Plan bekommen wir noch einen Stellplatz. In der Bekanntschaft ernten wir nur ungläubige Blicke. Volle Campingplätze, in dieser Zeit? Aber hier ist Hauptsaison, offensichtlich das ganze Jahr hindurch. Also packen wir doch die Bergschuhe ein, legen die Wanderstöcke bereit und machen uns auf den Weg nach Süden.

Sonntag, 19. September 2010
Ein schöner sonniger Tag, kein Wind, wenig Verkehr auf der Autobahn. Mit einer Pause in der Nähe von Rothenburg erreichen wir gegen siebzehn Uhr Hopfen. Letztendlich steuern wir doch diesen Platz an, nachdem wir auch in Rieden nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt haben, vor allem, weil mich das wunderschöne Bad mit der tollen Aussicht lockt. Das nutzen wir auch gleich, sind fast allein im Wasser, ich kann richtig flott schwimmen. Bei einem kleinen anschließenden Spaziergang nach Hopfen hinein bleiben wir in einer Pizzeria hängen, essen dort einen Happen und holen uns mit zwei Bier die nötige Bettschwere.

Montag, 20. September 2010
Das Bad hat schon ab sieben Uhr geöffnet. Und um diese Uhrzeit bin ich auch schon wieder im Wasser. Dann Brötchen holen, ausgiebig frühstücken, abwaschen, den Wagen anhängen und schon sind wir wieder unterwegs. Nach dem Grenztunnel tanken wir, danach fahren wir auf der vom ADAC empfohlenen Route mautfrei bis hoch zum Reschenpass. Der Verkehr ist auszuhalten, bei dem dauernden Auf und Ab kommen wir mit unserem Gespann sowieso nicht schnell voran. "Unser" Parkplatz in Reschen ist abgesperrt, aber ein Dorf weiter können wir rechts ran fahren. In einem kleinen Laden gibt es Speck und Käse und nun sitzen wir am Haidensee in der Sonne auf einer Bank, genießen einen Pott Kaffee und eine Jause und beschließen dabei, nach dem Essen den See zu Fuß zu umrunden. Eine gute Stunde wird das dauern. Der Weg zieht sich meist am Ufer entlang, steigt nur an wenigen Stellen für einige Meter in den Wald und wird von Fußgängern und Radfahrern benutzt. Am Ausfluss des Sees verpassen wir den richtigen Weg und finden uns bald an der Straße wieder. Da wir der nicht folgen wollen, biegen wir nach links zum See hin ab, überqueren eine sumpfige Wiese und können uns, bevor es zu nass wird, auf den hier über Planken führenden Weg retten. Nun ist es noch eine Viertelstunde zurück zu unserem Wagen. Inzwischen ist die Zeit auch so weit fortgeschritten, dass wir nicht während der Mittagszeit am Campingplatz ankommen werden. Das folgende Stück Strecke ist Genussfahren durch das weite Vinschgau. Hin und wieder wird es etwas langsamer, denn die Apfelernte ist in vollem Gange und deshalb fahren viele Trecker mit hoch beladenen Anhängern auf den Straßen umher und bringen den Durchfahrtsverkehr ins Stocken. Wir sind kurz nach drei Uhr in Naturns und finden dank guter Ausschilderung die Einfahrt zum Platz sofort. Aber ist das wirklich der im Internet als ruhig und idyllisch gelegene Platz? Eingequetscht zwischen mehrstöckigen Wohnhäusern erstreckt sich ein langer Schlauch von Stellplätzen. Dicht an dicht stehen die Fahrzeuge, es gibt kaum Platz für das Vorzelt wenn das Auto auch noch dabei stehen soll. Selbst für Tisch und Stühle findet sich kaum eine Stellmöglichkeit. Gleich wieder umkehren und an anderer Stelle fragen? Elke geht erst einmal zur Rezeption. Nachdem ich mit meinem Gespann auf dem engen Wege zwei Mal rangieren musste, weil während meiner Wartezeit Fahrzeuge an mir vorbei wollten, kommt Elke ganz gegen meine Erwartung mit recht fröhlichem Gesichtsausdruck zurück und bedeutet mir, ich solle ihr folgen. Das Fahren wird zur Millimeterarbeit, begutachtet und unterstützt von den Campern, für die endlich mal wieder etwas los ist. Ganz vorsichtig schleiche ich hinter Elke her, vorbei an der Rezeption und wieder um eine scharfe Ecke auf einen Platzteil, der jenseits eines kleinen Baches liegt. Hier sollen wir uns auf Platz sechsundsechzig einrichten, auch noch eng, aber gegen die Plätze im anderen Teil des Areals fast schon ein Luxusstellplatz. Mit der Rangierhilfe geht das Einparken gut. Inzwischen ist auch das Ehepaar eingetroffen, das den Bungalow bewohnt, auf dessen Terrasse wir jetzt fast stehen. Deren Auto muss ja auch noch hin, für uns bedeutet es, dass wir unser Wintervorzelt aufbauen, da wir dieses nicht abspannen müssen. So bleibt also eine schmale Fahrgasse zwischen unserem Vorzelt und unserem Auto. So, nun sind wir durchgeschwitzt, denn wir haben Temperaturen von weit über zwanzig Grad und deshalb steigen wir ins Wasser des Hallenbades. Ich kann richtig schwimmen und es gibt einen Whirlpool, um die müden Glieder nach einer Bergtour wieder aufzumuntern. Inzwischen wissen wir von den Nachbarn, dass es hier immer so voll ist, dass der andere, größere Campingplatz am Ort auch ausgebucht ist und wir wohl kaum eine andere Unterkunftsmöglichkeit um diese Zeit in Südtirol hätten bekommen können. Also arrangieren wir uns mit den Unannehmlichkeiten des engen Platzes und bleiben hier. Am Abend erkunden wir das Städtchen. Es bietet alles, was wir brauchen, noch ein Trost.

Dienstag, 21. September 2010
Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel, als ich um acht Uhr zum Schwimmen gehe. Leider bekommen wir auf unserem Platz nicht viel davon mit, denn die hohen Bäume versperren den Sonnenstrahlen den Weg. Aber es ist auch so warm genug, um draußen zu frühstücken. Ich habe frische Brötchen geholt, auch gleich einige Vinschgauer mit dazu für unser Jausenbrot. Wir werden heute das Tal mit dem Tandem erkunden, erst der Etsch aufwärts folgen und später auf halber Höhe nach Naturns zurückkehren. Bevor wir uns auf den Weg machen, versorgen wir uns im Touristenbüro mit Informationsmaterial und Landkarten. Jetzt sind wir gerüstet für eine längere Tour. Der Radweg entlang der Etsch ist in keiner Karte verzeichnet, so neu ist der. Spielend leicht gewinnen wir an Höhe, es ist eine schönes Dahinrollen, auch wenn das Schaben im hinteren Lager (?) stört wie eh und je. Kurz vor Goldrain verlassen wir den Fluss und rollen nun durch die endlosen Apfelplantagen auf die Hänge zu. Jetzt müssen wir schon etwas stärker treten, dadurch entwickeln wir aber auch mehr Appetit und als ein Radfahrerpärchen im Begriff ist, die sonnigste Bank, die es weit und breit gibt, zu verlassen, da nehmen wir sie gleich in Beschlag. Speck- und Käsebrötchen schmecken uns, der Nachtisch wächst uns hier in Form von prächtigen Golden Delicious förmlich in den Mund. Statt einer gemütlichen Verdauungsstrecke folgt sofort nach dem Start ein Schiebestück steil durch den Wald. Aber schon nach wenigen Metern ist die Anstrengung vorüber. Auf einem schmalen Waalweg geht es weiter. Elke will lieber laufen, ich radele schon mal vorweg. Bei der Gaststätte "Bierkeller" verlassen wir den ebenen Weg. Der folgende Abschnitt ist zu steil zum Fahren. Erst beim nächsten Querweg können wir wieder in den Sattel steigen. Die eben gewonnene Höhe verlieren wir bei der anschließenden rasanten Abfahrt wieder. Bei der Latscher Eishalle beginnt der nächste Waalweg, hier mit dem schöne Namen "Rehpromenade". Er endet vor einem Zaun und hier gibt es nur eine Möglichkeit: Nach oben. Das Schieben wird interessant wegen der vielen Pilze, die am Wegesrand wachsen: Butterpilze, Champignons, Birkenpilze und viele andere sollten eigentlich mitgenommen werden, aber die Satteltasche ist schon gefüllt mit Äpfeln und Walnüssen. Die Pilze müssen warten. An einem Wegweiser, der den Ort Tarsch sowohl nach oben als auch nach unten anzeigte, wird es ein wenig schwierig, da ich auch der Karte keine rechte Information entnehmen kann. Aber ein Wasserbassin gibt dann doch den entscheidenden Hinweis: Noch weiter hoch. Ein Bach muss auf einer schmalen Brücke überquert werden, danach senkt sich der Weg steil ins Tal. Nach dreihundert Metern werden wir unsicher. Es sollte doch wieder ein Waalweg sein, und der führt nun wahrhaftig nicht direkt nach unten. Also zurück und neu orientieren. Und tatsächlich, nach der Brücke geht es wieder durch den Wald steil bergauf. Elke will schon streiken und erklärt mich für verrückt, aber ich erreiche den ebenen Weg nach einer kurzen, aber heftigen Schiebepassage. Wieder folgt ein romantischer Grabenweg. In Tarsch hat die Fahrt durch die Berge ein Ende. Zügig geht es nach unten, nur einmal wird die Fahrt unterbrochen. Ein Walnussbaum lockt und ein paar Nüsse finden schon noch Platz in der Tasche. Den Rest der Strecke legen wir in der Ebene zurück, allerdings nicht auf dem Etschtalweg sondern durch die Plantagen, denn das ist deutlich abwechslungsreicher. Für den ersten Tag reicht das, es sind dreiundvierzig Kilometer zusammen gekommen. Duschen, Schwimmen, Einkaufen, Kochen, Essen. Der Abend geht schnell vorbei, es bleibt gerade noch Zeit, den morgigen Tag zu planen. Es wird eine gemütliche Wanderung werden.

Mittwoch, 22. September 2010
Unser Frühstück zieht sich zu lange hin, so dass wir erst den Bus um 10.28 Uhr erreichen. Mit uns wollen noch weitere hundert Personen ins Schnalstal fahren. Wir haben Glück, sind die ersten, die den Bus besteigen und müssen deshalb nicht am Schluss der Einsteigeprozedur draußen vor der Tür warten. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt durch Tunnels und über immer noch schmale Straßen, (Die alte Trasse können wir an manchen Stellen sehen, die ist ja halsbrecherisch) dann haben wir Katharinaberg erreicht. Hier verlässt mit uns die Hälfte der Fahrgäste den Bus, der Rest lässt sich weiter oben im Schnalstal absetzen. Wir steigen hoch zur kleinen Kirche mit einem ganz niedlichen Friedhof. Von hier können wir gut die lange Wandererprozession beobachten, die sich den Gegenhang hinauf schlängelt. Es haben also auch noch andere den Vorsatz, ein Teilstück des Meraner Höhenwegs zu laufen. Aber die sind schon mal weg. Nun machen auch wir uns auf den Weg. Unterbrochen von mehreren Fotopausen erreichen wir über grüne Wiesen den Waldrand. In dauerndem Auf und Ab schlängelt sich unser Weg nun, im Prinzip der Höhenlinie 1300 m folgend, am Hang des unteren Schnalstals entlang. Immer mal wieder müssen wir stehen bleiben, denn auch die Gegenrichtung ist stark begangen. Das sind die Wanderer, die in Naturns die Seilbahn benutzt haben und von Katharinaberg mit dem Bus zurück fahren oder auf dem Waalweg weiter bis Schloss Juval laufen. An der Abzweigung zum Dickhof halten wir uns links. Jetzt sind wir nahezu allein in einer imposanten Bergwelt. Fast wie aus dem Flugzeug heraus gesehen liegen das Schnals- und Etschtal unter uns. Wir sind ja inzwischen auch auf 1500 m Höhe angelangt. Der Dickhof ist urig. Es gibt nur wenige Sitzplätze vor dem alten Haus, aber als wir kommen, wird noch ein wenig zusammengerückt. Ich hole aus der Küche eine Apfelsaftschorle und ein Glas Milch. "Soll ich gleich hier bezahlen?" "Das kannst du machen wie du willst, Dietrich." "Du wirst es schon wissen, Ralf." Ach, die Welt ist wirklich klein. Gs. sind auch hier oben. Ich gehe nach draußen, verrate aber nichts, um Elkes erstauntes Gesicht zu beobachten, wenn die beiden zu uns stoßen. Die Überraschung gelingt. Eine Viertelstunde tauschen wir uns aus, vereinbaren locker ein Treffen in den nächsten Tagen, dann steigen die beiden weiter auf und wir hinab. Auch der weitere Wegesverlauf ist beeindruckend. Es gibt einen dauernden Wechsel zwischen Wiesen- und Waldpassagen, immer das weite Etschtal unter uns. Häufig halten wir an, setzen uns und schauen. Hier, abseits des Einzugsgebiets der Seilbahn, herrscht nur noch wenig Betrieb. Auf mehreren Kilometern sind wir ganz allein in der lieblichen Natur. Das gilt besonders für den Abstieg nach dem Gruberhof. Von nun an gibt es keine ebene Strecke mehr, auf der sich die Beine erholen können. In engen Serpentinen zieht sich der enge Wege durch lichten Wald steil bergab. Die Vegetation ist fast mediterran, kein Wunder bei der Sonneneinstrahlung auf diesen Hang: dreihundertfünfzehn Tage im Jahr. Elke bewundert die kleinen Steingartengewächse, die man bei uns für viel Geld in der Gärtnerei kaufen kann, ich sammele die ersten Esskastanien. Eine Stunde steigen wir hinunter, dann haben wir die ersten Häuser von Naturns erreicht. Wir schauen uns die Fresken an der Kirche an, später stellt Elke im Reiseführer fest, dass wir gar nicht an der richtigen Kirche waren. In Naturns ist die Hauptstraße gesperrt wegen des autofreien Tages. Wir haben unseren Teil zu dieser Aktion beigetragen, sind halbwegs umweltfreundlich mit unserem Sieben-Tage-Ticket mit dem ÖPNV gefahren, fast sieben Stunden gelaufen und werden auch jetzt das Auto nicht mehr bewegen. Nur noch duschen, schwimmen, die Beine im Whirlpool massieren lassen und einen großen Speckpfannkuchen verdrücken, so sieht unser Abendprogramm aus.

Donnerstag, 23. September 2010
Heute sind wir schon früh auf den Beinen, wollen wir doch den Bus um 9.30 Uhr erreichen. Wir steigen am Bahnhof ein, und das ist gut so, denn als der Bus startet, sind alle Sitzplätze belegt. Am Rathaus werden weitere Passagiere hinein gequetscht, bis nichts mehr geht, dann geht es in rascher Fahrt ins Schnalstal. In Katharinaberg verlassen wir den Bus, steigen wieder zum Merlaner Höhenweg empor, diesmal als erste vor dem großen Treck. An dem ersten Gehöft wenden wir uns nach Norden. Wir folgen dem Wegweiser Vernatschhof. Immer auf der kleinen Straße entlang geht es bis zu diesem schon ganz weit oben und weit außerhalb liegenden alten Gehöft. Toll, wenn man in einem Haus wohnen kann, nach dem eine Weinsorte benannt ist. Dabei wachsen hier überhaupt keine Reben, dafür ist es zu kalt. Das ist ein reiner Milchhof, noch nicht mal Ferienzimmer oder eine Bewirtschaftung gibt es. Ein alter Herr ist erstaunt, hier Wanderer anzutreffen, macht uns aber Mut, denn dies sei der schönste Weg hoch zu den Almen, und in zwei Stunden wären wir oben. Durch ganz lichten Lärchenwald steigen wir, nachdem die Straße bei einem Parkplatz endet, Meter um Meter empor, jeder in seinem Tempo. Der Schweiß fließt in Strömen. Wir laufen hier zwar überwiegend im Schatten, doch die Anstrengung öffnet jede Pore. Wir erreichen nach einer Stunde ein kleines offenes Plateau. Hier rasten wir, trocknen die nassen Hemden. Von nun an führt der Weg in ein kleines Tälchen über steinige Almen hinweg. Wir haben fast die Waldgrenze erreicht. Über uns ragt die Kirchbachspitze noch weitere tausend Meter in den Himmel empor. Gestern habe ich vermieden, von einer grandiosen Bergszenerie zu sprechen, heute wähle ich diesen Ausdruck, denn eine Steigerung ist kaum noch möglich. Weite offene Flächen wechseln ab mit kleinen Lärchengruppen. Immer plätschert irgendwo ein Bach. Die Silberdisteln leuchten in der Sonne. Kein Zivilisationsgeräusch dringt an unser Ohr, nur das Geläut der Kuhglocken und die Schreie der Dohlen sind zu hören. Während des gesamten Aufstiegs ist uns kein Mensch begegnet, jetzt treffen wir eine einsame Schweizerin. Wir laufen eine Stunde lang auf dieser Höhe durch den Bergkessel, dann haben wir unser heutiges Ziel, die Obere Moaralm, erreicht. Eine Berghütte wie aus dem Bilderbuch, verwinkelt, noch ein Anbau, lichtgeschwärzte Balken, steinbeschwerte Dächer. Auch hier kein Völkerauflauf, ein Wanderer packt gerade seine Sachen und zieht weiter. Die Almhütte ist nicht bewirtschaftet, wir begnügen uns mit unserem Wasser und den Broten. Ob hier nur an Wochenenden bedient wird? Später erfahren wir, dass hier ein älterer Herr die Stellung gehalten hat bis er gestorben ist. Seitdem verfällt die Hütte nach und nach. Schade drum. Inzwischen sind doch noch einige Paare eingetroffen. Von vier Seiten kann man diesen Punkt erreichen, deshalb der "Andrang". Einer der Wanderer kennt sogar Clausthal-Zellerfeld, er war schon mit dem Bike dort. Seine Frau und er sind auf einer längeren Rucksackwanderung. Sie kommen gerade von der Lodnerhütte mitten in der Texelgruppe und wollen noch einige Tage unterwegs sein. Sie folgen uns auch bald, als wir uns nach einer einstündigen Pause auf den Abstieg machen. Vorbei an der Dickalm geht es nun steil hinab zum Dickhof. Das tut weh, denn jetzt spüren wir den Muskelkater, den wir uns gestern auf dem Weg Nr. 6 geholt haben, besonders. Am Dickhof gibt es wieder Milch und Apfelsaft, diesmal ohne Gisa und Ralf, dafür mit einem älteren Bauern, der vor uns von oben gekommen ist, wo er beim Heu machen geholfen hat und jetzt wieder nach unten muss. Den Weg 6 kennt er gut, das war die "Reichsstraße" zu den Höfen hier oben, bevor die Fahrwege gebaut wurden. Jeden Sonntag zur Messe hinunter nach Naturns und anschließend wieder hinauf und unter der Woche für Besorgungen auch noch manches Mal. Für ihn ist das Laufen Alltag, das merken wir, als wir weiter absteigen und er uns im selben Tempo folgt. Elke muss ein kräftiges Tempo vorlegen, will sie ihn abschütteln. Doch das gelingt erst nach einer längeren Strecke. Nun sind wir wieder allein. Vom großen Verkehr von gestern ist heute nichts zu spüren, dafür ist es schon zu spät. Die meisten Wanderer sind wohl schon wieder im Tal oder sitzen in den Gaststätten, die man hier ja alle mit dem Auto erreichen kann. Erst in der Nähe der Seilbahnstation treffen wir wieder einige Leute. Es sind noch eineinhalb Stunden bis nach Naturns, aber Elke will heute nicht laufen. Also kaufe ich zwei Talfahrten für 11.60 Euro, wir quetschen uns in eine stickige Kabine und schaukeln, ja wirklich, wegen des einsetzenden starken Windes schaukeln wir ins Tal hinab. Elke hat diese Fahrt nicht gefallen, sie will nicht noch einmal mit der Gondel fahren. Von der Talstation müssen wir noch einen Kilometer durch den Ort laufen. Bei einem Bäcker kaufen wir zwei Stücken Kuchen. Am Campingplatz setzen wir uns auf den letzten Sonnenplatz und genießen den. Der lange Wandertag hat wieder Spuren hinterlassen. Die brennenden Beine lassen sich auch im Whirlpool nicht beruhigen, morgen müssen wir es sachter angehen lassen, vielleicht mal wieder auf dem Rad.

Freitag, 24. September 2010
Es hängen einzelne Wolkenfetzen am Sonnenberg, die Gipfel sind alle verhüllt. Aber die Sonne verschafft sich die Oberhand und das soll bis zum Nachmittag so bleiben. Wir starten nach einem ausgiebigen Frühstück, heute müssen wir ja keinen Bus erreichen, mit dem Tandem etschaufwärts. Elke gefällt es in der Sonne so gut, dass sie am liebsten dem Fluss weiter folgen würde, ich allerdings habe mehr vor. Wir verlassen das Tal und strampeln kräftig auf der Tombergstraße bergan. Meter um Meter kommen wir höher, die Aussicht wird immer eindrucksvoller. Beim Radeber Hof haben wir neunhundert Meter erreicht. Wir können hier gut ins Schnalstal hinein blicken und die Touren der Vortage verfolgen. Kurz nach diesem Hof verlassen wir die Asphaltstraße. Ein Stückchen noch geht es nach oben, dann senkt sich der Weg ins nächste Tal. Ganz vorsichtig, damit auch Elke es genießen kann, fahren wir nach unten. In Tabland haben wir wieder die Apfelplantagen erreicht. Wir pausieren, probieren von den verschiedenen Obstsorten und lassen das Tandem dann weiter nach Tschirland rollen. Wir kommen direkt am Waldcamping an, eine gute Gelegenheit, Ralf und Gisa einen Besuch abzustatten. Die sind nicht da, also fahren wir kreuz und quer über den Platz und entscheiden, dass er das Ziel eines weiteren Urlaubs hier im Vinschgau sein kann. Unsere Tour ist noch nicht beendet. Obwohl es kühler geworden ist, nehmen wir uns noch die Ruine Dornsburg vor und steuern danach unseren östlichsten Punkt Plaus an. Ich fotografiere zwei Apfelpflücker und bekomme dafür einen Apfel so groß wie ein Kohlkopf geschenkt. Jetzt wird es Zeit zurückzukehren, Elke hat schon ganz klamme Hände. Am Wohnwagen liegt ein Zettel. Gs. waren da und fragen an, ob sie am Abend zu uns kommen können. Wir setzen uns erneut aufs Tandem, schnell sind wir an deren Platz, aber wieder ist niemand da. Also hinterlassen auch wir eine Nachricht: Gern! Wir kaufen ein. Ich bereite unser Abendessen vor und wir klönen eine ganze Weile mit den Nachbarn, die heute nach Katharinaberg gefahren und den Meraner Höhenweg gelaufen sind. Gegen halb acht kommen Gisa und Ralf und wir verplaudern den Abend, nur unterbrochen durch die Ankunft eines Wohnmobils, dessen entnervter Fahrer sich genau vor unser Vorzelt stellt, um endlich schlafen zu können. Er will morgen ganz früh wieder weg fahren. Als unsere Gäste gegen elf Uhr aufbrechen, beginnt es zu tröpfeln.

Sonnabend, 25. September 2010
Die ganze Nacht über hat es schon geschüttet und auch jetzt um acht Uhr ist keine Ende abzusehen. Das Vorzelt ist ein einziger See, ich werde gleich mal schauen, ob irgendwelche Schuhe noch trocken sind. Heute fallen wohl alle Aktivitäten ins Wasser. Verhüllt im Poncho suche ich hinter den Bungalows nach Brettern und Balken, die ich ins Vorzelt legen kann. Elke hatte gestern dort eine Gerümpelecke entdeckt. Und wirklich, ich kann zwei dicke Balken herauszerren, die als Unterlage für eine alte Tür dienen, die ich dort auch finde. Durch den Ausgang lege ich zwei, drei längere Bretter, jetzt können wir eine trockene Stelle erreichen, von wo aus wir weiter von Insel zu Insel hüpfen können. Die ganze Arbeit spielt sich barfuß ab, bei zehn Grad "warmem" Wasser, das immer über die Knöchel reicht. Frühstücken tun wir heute im Wohnwagen. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen, Hier auf dem Platz herum zu sitzen bringt nichts. Wir gehen auf den Naturnser Wochenmarkt. Aber wie schon auf den Märkten in der Toskana: Wir sind ein wenig enttäuscht. Ein Gemüsestand, ein Käsestand, der Rest Kleider-, Gürtel-, Schuhstände, die aber in dreifacher Ausfertigung. Unser Besuch beschränkt sich daher auf eine halbe Stunde, dann kehren wir nach einem Besuch beim Metzger zum Platz zurück. Wir brauchen eigentlich nur noch festes Schuhwerk anzuziehen, dann können wir weiter laufen, den Sonnenberger Panoramaweg entlang. Vorbei an St. Prokulus mit den eigentümlichen Fresken aus vorkarolingischer Zeit, die wir uns lange anschauen, geht es überwiegend eben immer am Fuße des Sonnenbergs entlang nach Osten. Bald schon tragen wir den Anorak in der Hand, so warm ist es geworden. Die Sonne hat gewonnen, sie verdrängt nach und nach alle Wolken. Dadurch werden die Bergspitzen frei und nun die nächste Überraschung: Schnee bis auf zweitausend Meter Höhe hinunter. Das sieht natürlich toll aus, unten im Tal das saftige Grün und oben der gleißende weiße Schnee. Oberhalb von Plaus steigt der Weg höher an, es ist jetzt ein stetiges Auf und Ab. Am nächsten Wegweiser müssen wir uns entscheiden: Runter ins Tal zum Bahnhof oder weiter nach Partschins und von dort mit einem Bus zurück. Wir entscheiden uns für den längeren Weg. Vom Gasthof Winkler allerdings führt noch einmal ein Weg zum Bahnhof. Dreißig Minuten Gehzeit sind angegeben, das reicht. Wir laufen also doch durch Rabland hinunter zur Etsch. Genau neben dem Fluss fährt der Zug entlang. Wir können uns sogar noch ein wenig mit einem Mädchen über das Südtiroler Schulsystem unterhalten, dann erst kommt der Zug und fünf Minuten später steigen wir in Naturns wieder aus. Auf dem Platz dann die Überraschung, der See ist fast weg. Ich kann die Planken aus dem Vorzelt stellen, damit alles gut abtrocknet. Aber ich behalte sie in Reichweite, denn es wird bestimmt noch einmal regnen. So ist aus einem anfangs verkorksten Morgen ganz spontan noch ein erlebnisreicher Tag geworden. Und der Einkauf in der Metzgerei? Ich koche eine ganz leckere Gemüsesuppe und darin schwimmen zwei große Leberknödel und ein Speckknödel, lecker.

Sonntag, 26. September 2010
Bei den geringen Wolkenlücken scheint es besser zu sein, sich am Sonnenberg zu tummeln. Es könnte sein, dass wir dort ein paar Sonnenstrahlen erhaschen. Die Tour war ja schon gestern Abend klar. Mit der Texelbahn auf den Giggelberg, von dort auf dem Meraner Höhenweg zum Unterstell und von dort auf dem 10er Weg nach unten. Wir lassen uns Zeit mit dem Frühstück, fährt doch der Bus nach Partschins erst um 10.37 Uhr. Als wir nach dem Abräumen merken, dass wir den früheren Bus auch noch erreichen können, geht dann doch alles sehr schnell. Rein in die Schuhe, den Rucksack gepackt, im Eilschritt zum Rathaus. Wir fahren bis zur Stadtmitte von Partschins. Hier beginnt unsere Wanderung schon, haben wir doch eineinhalb Kilometer bis zur Talstation zu laufen. Es sind so viele Wanderlustige in der Station versammelt, dass die Kabine voll wird und wir sofort starten. Ganz sachte schwebt sie nach oben, das liegt wohl daran, dass kein Stützpfeiler überwunden werden muss. Ein älterer Herr gibt uns noch Wandertipps für die nächsten zwei Wochen, dann haben wir den Giggelberg erreicht und können loslaufen. Der Anorak verschwindet gleich im Rucksack, denn wieder hat die Sonne gewonnen und strahlt von einem Fotografierhimmel: Ganz klar, blau, mit einzelnen weißen Wölkchen, die sich an den Bergspitzen festhängen. Gemütlich geht es während der ersten Stunde dahin, die anfänglich größere Gruppe zieht sich weit auseinander, so dass wir bald wieder ganz allein in dieser schönen Umgebung laufen. Hier im Osten des Vinschgaus blicken wir sogar auf die Dolomiten. Wir erkennen den Schlern mit der Santnerspitze und die Rosengartenspitze. Bei der ersten Pause versuchen wir, auf dem Nörderberg die nächste geplante Tour ausmachen zu können. Dann geht es plötzlich richtig zur Sache. Ein Schild warnt vor erhöhter Steinschlaggefahr. Wir haben die Tausend-Stufen-Schlucht erreicht. In einer Mischung aus Slowakischem Paradies und Blue Mountains geht es über viele Stufen und Steighilfen hinunter und hinauf, durch Wasserfälle und über Bergrippen. Der Weg ist vorbildlich gesichert, nie hat Elke ein Gefühl des Unwohlseins. An Otto Normalverbraucher stellt dieser Abschnitt des Weges schon einige Anforderungen,. Wir können die Anstrengung in manchem Gesicht der uns entgegen Kommenden lesen. Nach der Schlucht rasten wir, essen unser Brot und trinken das Wasser. Heute ist es nicht so heiß, damit hält sich das Schwitzen auch in Grenzen und unser Flüssigkeitshaushalt muss nicht dauernd aufgefüllt werden. Wir nehmen anschließend die einhundert Höhenmeter zum Innerforch noch mit. Elke will hier allerdings keine Kaffeepause einlegen. So geht es weiter und bald können wir auch die Bergstation der Unterstell Seilbahn sehen. Hier nun endlich gibt es Kaffee und Apfelstrudel, Fritattensuppe und Kakao. Der anschließende Abstieg nach Naturns hinab entpuppt sich als aussichtsreich und nicht allzu anstrengend. Wir durchlaufen hier das Sonnenberg Biotop, eine Steppenlandschaft, in der Smaragdeidechse und Gottesanbeterin heimisch sind. Entgegen dem Weg Nr. 6, den wir am ersten Tag abgestiegen sind, führt dieser hier nicht direkt und steil, sondern in weiten Schwüngen hinunter. Das hat neben einer gewissen Schonung der Knie und der Beinmuskeln den Vorteil, dass wir nicht nur konzentriert auf den Weg starren müssen. Uns bleiben auf den ebeneren Abschnitten Möglichkeiten genug, ein letztes Mal für heute die wunderbare Aussicht zu genießen. Früh genug, um auf dem Campingplatz die noch wärmenden Sonnenstrahlen auszunutzen, sind wir unten. Wir haben gut daran getan, heute auf der Sonnenseite des Tals gelaufen zu sein, denn nach und nach werden die Wolken dichter und später am Abend beginnt es zu tröpfeln. Elke möchte, dass ich die Planken ins Vorzelt lege, damit sie morgen trockenen Fußes den Waschraum erreichen kann. Aber ich sträube mich, will ich doch das Unglück nicht herauf beschwören.

Montag, 27. September 2010
Richtig getan, denn außer der wenigen Tropfen am Abend war die Nacht trocken. Aber die Wolken sind dicht, zwar hoch oben, aber es wird heute kaum eine Chance für die Sonne geben. Deshalb wandern wir heute auch nicht, sondern fahren nach Meran. Diese Idee haben auch noch andere Urlauber, denn der Zug ist hoffnungsvoll überfüllt. Nur mit viel Drängen können sich die letzten Passagiere in den Zug quetschen. Wie die Ölsardinen in der Dose stehen wir, das Gute daran ist, dass niemand umkippen kann. Unverständlich, dass einige ihre Rucksäcke nicht absetzen und damit den kleineren Leuten im Gesicht herumfahren. Am Bahnhof in Meran endet der Zug. Schön ist es, mal wieder frische Luft atmen zu können. Meran ist wie jede Stadt bei Regen. Wir laufen unter dem Schirm von einem Sportladen zum anderen, um für Elke eine Hose zu finden. Irgendwann will sie nicht mehr. Die Pfarrkirche und die nebenan liegende Kapelle sind schön anzusehen, aber nach einer halben Stunde ist auch das erledigt. Die Cafes an der Passeier verlocken nicht zum Einkehren, auch wenn überall große Schirme aufgespannt sind. Eine Bratwurst und ein hervorragendes Eis heben unsere Stimmung ein wenig, aber noch länger müssen wir hier nicht verweilen. Wir laufen zurück zum Bahnhof und erreichen den Bushaltestelle so rechtzeitig, dass wir mit dem Bus um 14.50 Uhr fahren können. Der aber kommt nicht. Erst mit zehn Minuten Verspätung wird ein Ersatzbus bereit gestellt. Im Nu ist er voll. In der Innenstadt wollen noch weitere hundert Personen dazu steigen, und nun spielen sich kabarettreife Szenen ab. Hat sich der Abstecher nach Meran also doch gelohnt. Am Wohnwagen liegt ein Zettel mit einer Einladung von Gisa und Ralf für heute Abend. Nach dem Essen laufen wir durch den Regen zum Waldcamping. Wir sitzen gemütlich bei einer Flasche Wein auf dem Bett und quatschen. Deren Plan einer Mehrtageswanderung zu den Spronser Seen scheint wohl ins Wasser oder in den Schnee zu fallen. Aber sie sind wie wir guter Dinge und wollen das Beste daraus machen. Zurück am Wohnwagen begutachten wir den Wasserstand im Vorzelt. Ich hatte schon am Nachmittag die Planken hinein gelegt. Der See hat sich kaum vergrößert. Mal sehen, welche Überraschung der nächste Morgen für uns bereit hält, denn es regnet inzwischen ohne Pause.

Dienstag, 28. September 2010
Das ist nicht zu glauben: Die Sonne scheint! Und noch besser, während der Sonnenberg bis auf die Höhe der Höfe in Wolken gehüllt ist, zeigt sich im Süden über dem Nörderberg strahlend blauer Himmel. Wir werden also heute zu unserer Tour auf die Naturnser Alm kommen. Mit der Gondel lassen wir uns nach Aschbach hinauf tragen. Der Weg ist gut ausgeschildert, wir müssen uns nur entscheiden, ob wir erst zur Alm und dann zum Vigiljoch laufen wollen. Wir entscheiden uns für die Alm, bleibt uns dadurch doch die Möglichkeit offen, über den Almenweg abzusteigen. Im schattigen Wald zieht sich der Weg in Kehren nach oben. Die Lichtspiele sind schön anzusehen. Auf 1700 m Höhe dann die ersten Schneekrumen. Es soll aber noch besser kommen. Je höher wir steigen, desto dichter wird die Schneedecke. Es knirscht unter den Stiefeln, die Wasserpfützen sind dick gefroren. Das macht uns nichts aus, unangenehm ist nur, dass die Sonne den Schnee auf den Bäumen schmelzen lässt und wir nun schon seit einer Stunde in immer heftigerem "Regen" laufen. Dicke Tropfen klatschen herunter, Eisbrocken fallen uns in den Nacken. Wir sind deshalb froh, als wir die Almfläche erreichen, auf der keine Bäume mehr stehen. An der Almhütte wärmen wir uns mit Kaffee und Schokolade. Ich frage die Wirtin nach dem sonnigsten Weg. Sie ist ganz erstaunt: Müssen wir denn nicht zur Bahn zurück? Als ich ihr sage, dass wir bis ins Tal absteigen werden, empfiehlt sie uns den oberen Weg zum Vigiljoch. Der Rat ist gut. Wir gehen eine Stunde lang durch eine verzauberte Welt. Der Boden ist zwar mit Schnee bedeckt, die Bäume sind jedoch schon abgetaut. Wir folgen im Prinzip einem Grat, haben immer wieder schöne Blicke ins südliche Etschtal und zu den Dolomiten. Auf einer sonnigen Bank rasten wir und verzehren unsere Jause. Unter uns Bozen, dahinter der Schlern , rechts von uns der Hochwart, und das alles in Wärme und Ruhe - super. Der Weiterweg senkt sich leicht zum Joch mit dem kleinen Kirchlein und einigen Liftanlagen. Wir entscheiden uns, dem Kammweg bis zur Schwarzen Lacke zu folgen. Wir spazieren weiter in der Sonne bis zu einem verschilften Bergsee. Hier erst machen wir uns auf den Abstieg nach Aschbach. Mäßig steil geht es hinab. Immer wieder kreuzen wir die schmale Bergstraße, oft sehen wir Mountainbiker hierauf bergauf und bergab fahren. Das Vigiljoch scheint ein beliebtes Ziel bei den Bikern zu sein. In Aschbach gibt es zwei Möglichkeiten. Nach links führt der Weg in einer Stunde und fünfzig Minuten nach Plaus, nach Rabland geht es rechts entlang und die Strecke ist zwanzig Minuten kürzer. Elke entscheidet sich für den kurzen Weg. Der wird zusehends steiler, führt uns aber an kräftigen Walnussbäumen mit großen Früchten vorbei. Weiter unten im Tal sammeln wir Esskastanien und noch tiefer treffen wir auf die Apfelplantagen. Das lässt die 1500 Höhenmeter Abstieg vergessen. In Rabland müssen wir zwanzig Minuten auf den Zug warten, Gelegenheit, noch einen Kaffee und einen Kakao zu trinken. Am Campingplatz laufen uns Gisa und Ralf in die Arme. Sie kommen von der Moaralm, hatten auch Schnee aber auch Sonnenschein und beschließen nach unserem Schwärmen, morgen unsere Tour nachzulaufen. Wir haben neue Nachbarn bekommen, ein älteres Ehepaar aus Braunschweig. Heute bleibt die Küche kalt, na, nicht ganz. Es sind noch zwei Wiener übrig, und eine Pfanne voll Kastanien brate ich auch noch. Über zwanzig Kilometer waren das heute, wir werden immer besser.

Mittwoch, 29. September 2010
Strahlender Sonnenschein begrüßt mich, als ich die Tür öffne. Auf zum Hans Frieden Felsenweg. Mit dem Bus fahren wir nach Algund, laufen durch das Dorf zum Sessellift, lassen uns von dem nach Vellau hinauf bringen, steigen um in die Standseilbahn und befinden uns, als wir diese verlassen, auf 1500 m Höhe. So schnell geht das mit den Aufstiegshilfen, allerdings eben nicht nur für uns. Hunderte anderer Wanderer und Spaziergänger haben das selbe Ziel. Über den Meraner Höhenweg wollen sie zum Hochganghaus laufen, um dort höchstwahrscheinlich mit der Seilbahn ins Tal hinab zu fahren. Einige besuchen allerdings nur die etwa hundert Meter höher gelegene Leiteralm, lassen sich dort auf den Stuhl fallen, stecken sich eine Zigarette an, bestellen sich zwei Bier und kehren dann mit Standseilbahn und Sessellift wieder zurück. Wir reihen uns in die Schlange derjenigen ein, die den Hans-Frieden-Weg begehen wollen. Dauernd stockt es, wir überholen, lassen entgegen Kommende passieren. Richtigen Spaß macht das nicht, wenn auch der Blick heute phänomenal ist. Die gesamte Rosengartengruppe breitet sich vor uns aus, nach Süden geht der Blick weit ins Etschtal bis Bozen. Über allem blauer Himmel mit einigen Fotografierwolken. Am Hochganghaus essen wir ein Eis, und machen uns dann gleich auf den Rückweg, diesmal über den etwas tiefer verlaufenden Vellauer Felsenweg. Hier ist es ruhiger, hierhin verschlägt es nur die Hartgesottenen. Dabei hilft wohl auch, dass am Beginn des Weges ein Schild warnt: Nur für Schwindelfreie. Elke hat es nicht gesehen, läuft zügig den schmalen Weg entlang, hangelt sich kühn um die Felsnasen. Erst als ich sie frage, ob auch sie das Schild gesehen hat, wird sie unsicher und geht vorsichtig. Aber da liegen die ausgesetzteren Partien des Weges schon hinter uns. Wir laufen jetzt im Wald bis zu einer Abzweigung. Rechts geht es zur Leiteralm, das ist unser Abschnitt. Steil geht es hinauf, haben wir denn bis hier so viel Höhe verloren? Oberhalb eines Bauernhofs rasten wir auf einem Felsen. Erst als der Bauer mit seiner Kettensäge kommt und das Tal mit Lärm erfüllt, beenden wir die Pause. Der Weg steigt noch weiter an, jetzt durch ganz malerisch erleuchteten alten Hochwald. Als unterhalb der Leiteralm der Weg endet, beschließen wir, gar nicht mehr bis zum Restaurant hoch zu gehen, sondern gleich den ersten Abschnitt mit der Bahn hinab zu fahren. Ab der Mittelstation folgen wir dem Saxner Weg, der uns nach Partschins bringen soll. Durch die Trockenzone des Sonnenbergs geht es ganz gemächlich auf schönem Weg hinunter, das ist eine richtige Wohltat für die Knie. Beim Saxnerhof kehren wir ein. Auf der sonnigen Terrasse gibt es Suppe und Kuchen, dazu liefert die Wirtin bühnenreife Auftritte ab. Sie schimpft auf die Gäste, die alle durcheinander bestellen, die keine Zeit mitbringen, die ihr Geschirr nicht abräumen wollen. Wir glauben, dass sie es gar nicht so ernst meint, aber sie hat ein gutes Publikum und steigert sich immer mehr. Wir allerdings müssen weiter, wollen wir noch den Bus um 17 Uhr erreichen. Beinahe wären wir in den nach Meran eingestiegen, merken es allerdings im letzten Moment. Unser Bus lässt lange auf sich warten. Mit großer Verspätung kommen wir so nach Naturns, allerdings immer noch früh genug, dass wir einkaufen können. Es ist fast sechs Uhr und das Thermometer zeigt zweiundzwanzig Grad an. Heute waren Anorak und dickes Unterhemd überflüssiges Gewicht im Rucksack.

Donnerstag, 30 September 2010
Mann, bin ich kaputt. Hätte ich doch die Karte genauer angeschaut, oder mal bei den MTB-Vorschlägen nachgelesen, dann wäre der Tag wohl etwas anders verlaufen. Es ist kühl, drei Grad nur. Elke willigt in eine Tandemtour ein. Schon am Vorabend habe ich eine Strecke ausgeguckt. Wir fahren die Etsch aufwärts bis Goldrain, überqueren dort den Fluss und sind jetzt auf der Sonnenbergseite. Oberhalb des Ortes liegt ein niedliches Schloss, heute beherbergt es eine Bildungsstätte. Dort fahren wir hin, liegt es doch auf halber Strecke zu unserem eigentlichen Ziel, dem noch höher gelegenen Schloss Annaberg. Das Sträßchen führt jetzt durch Apfelplantagen, Elke entdeckt sogar einen Pfirsichbaum mit reifen Früchten daran. Einen Teil der Strecke schieben wir, es ist zu steil und der Straßenbelag hat inzwischen von Asphalt zu grobem Schotter gewechselt. Immer wieder gibt es schöne Blicke auf das über uns liegende Schloss. Ein MTB-Paar kommt uns entgegen, wir sind also auf dem richtigen Weg. Das Schloss entpuppt sich als Ruine. Allerdings gibt es einen Bauzaun, und einige Maschinen stehen herum. Vielleicht will man etwas daraus machen. Das Anwesen gäbe ein gutes Nobelhotel ab. Die Lage hoch über Etsch- und Martelltal ist etwas ganz Ungewöhnliches. Nach meiner Vorstellung sollten wir hier fast den höchsten Punkt unserer Fahrt erreicht haben. Nur später, unter der Seilbahn wird noch eine kleine Steigung zu überwinden sein. Und wirklich, nach einer scharfen Kurve oberhalb des Schlosses können wir wieder fahren. Aber was ist das? Kaum haben wir die freie Fläche verlassen und tauchen wieder in den lichten Kiefernwald ein, kippt die Straße erneut steil nach oben. Die Steine werden immer größer und liegen immer loser, das Schieben ist anstrengend. Elke erkundet den Weg, während ich das Tandem nach oben wuchte. Alle zehn Meter muss ich stehen bleiben und schnaufen. Das GPS-Gerät zeigt mir, dass wir immer noch richtig sind, allerdings stimmt irgend etwas mit den Höhenangaben nicht. 1350 m zeigt das Gerät an. So hoch sollten wir heute nie kommen. Elke kommt frustriert zurück. Es geht weiter hoch. Meine Karte allerdings kündigt das Ende des Weges, der nach dem Zusammentreffen mit einem anderen Fahrweg breiter geworden ist, an. Sie glaubt nicht daran, will zurück. Das Ganze wieder runter schieben? An Fahren ist überhaupt nicht zu denken! Nein, ich bestehe drauf, weiter zu gehen. Erst allerdings müssen wir etwas essen, der Körper meldet sich schon. Die Pause lässt Elke allerdings nicht in Ruhe verstreichen. Sie geht weiter hoch, will sehen, ob meine Annahme stimmt. Und sie kommt zufrieden zurück. Zweihundert Meter weiter mündet unser Weg in eine Asphaltstraße, die nach unten führt. Oben an der Ecke pausiert ein Paar mit MTBs. Sie waren sehr erstaunt, als ihnen berichtet wurde, dass wir gleich mit einem Tandem kommen werden. Frisch gestärkt und von der Aussicht beflügelt, dass die Quälerei nun bald ein Ende haben wird, treten wir die letzten Meter hoch. Die beiden dort oben staunen wirklich nicht schlecht. So etwas haben sie noch nie gesehen, sie konnten sich auch nicht vorstellen, dass man unsere Strecke mit einem Tandem bewältigen kann. Beide sind selbst schon in fortgeschrittenem Alter, wir zollen uns gegenseitig Respekt. Ein Höhenvergleich zeigt, dass meine Angabe richtig ist: 1440 m!!! Ein weiteres Gutes hat unser Treffen. Der Mann lokalisiert unser Schaben beim Treten eindeutig als von hinten kommend. Also werde ich das hintere Lager wechseln müssen. Wir verabschieden uns. Die beiden haben nun den steinigen Weg vor sich, wir können gemütlich auf glatter Straße rollen. Ganz langsam, immer wieder in Intervallen bremsend, verlieren wir Meter für Meter an Höhe. Die Straße windet sich in vielen Kehren am steilen Hang entlang. Es herrscht allerdings kaum Autoverkehr, so dass ich meist an der Bergseite fahren kann, um Elke die furchterregenden Blicke in die Tief zu ersparen. Irgendwann sind wir in Kastelbell. Gut dass wir oben warme Kleidung angezogen haben, wir wären sonst zu Eisklötzen erstarrt. Die Sonne ist ganz verschwunden, ein kalter Wind hat eingesetzt. Selbst auf der nun flotten Fahrt zurück nach Naturns werden wir nicht mehr richtig warm. Erst Kaffee und Kuchen am Platz sorgen dafür, dass die Lebensgeister zurück kehren. Ralf und Gisa kommen vorbei, um sich für einige Tage zu verabschieden. Sie haben ihren Plan mit den Spronser Seen aufgegeben, wollen nun den ihnen noch fehlenden Teil des Meraner Höhenwegs laufen. Wir sitzen ein Weilchen bei heißen Getränken vorm Wohnwagen und staunen, dass wir uns durch Zufall auf der Almhütte getroffen haben. Wir hätten ja auch gut zwei Wochen lang aneinander vorbei laufen können. Beim anschließenden Schwimmen werden die Beine wieder locker und rückblickend sieht unser Tag ganz gut aus. Im MTB- Führer wird die Tour mit Kondition 4 und Fahrtechnik 3 angegeben, es fehlt eigentlich noch der Punkt Schiebetechnik. Der hätte eine 6 verdient.

Freitag, 1. Oktober 2010
Eigentlich ist Regen angesagt, der Himmel scheint sich aber nicht um dem Wetterbericht zu kümmern. Es ist zwar bewölkt, aber die Sonne lässt sich ab und zu blicken. Wir lassen es trotzdem langsam angehen, denn wir wollen heute nur eine gemütliche Runde laufen, am besten eine, die direkt wieder in Naturns endet. Damit fällt das Schnalstal aus. Rabland ist als Startort interessant, denn von dort führen je nach Lust und Laune mehrere Wege hierher zurück. Der Bus bringt uns in die Ortsmitte, Wir müssen nur noch die Straße überqueren, dann können wir in den Bus zum Wasserfall umsteigen. Als der mit mehreren Minuten Verspätung kommt, passen nur noch sechs Personen hinein. Das Paar, das als erstes an der Haltestelle stand und allen den Vortritt ließ, weil es meinte, für die kurze Strecke stehen zu können, muss draußen bleiben. Im Bus müssen alle Leute sitzen. Auch oben in Partschins nimmt der Fahrer niemand mehr mit. Ein Wartender verhandelt, aber es gibt keine Lösung. Bei der Weiterfahrt wissen wir auch, wozu die Vorschrift gut ist. Der Bus wieselt um die engen Kurven, weicht Schlaglöchern aus, beschleunigt und bremst scharf. Es geht aber auch hoch hier! Als der Wasserfall in Sicht kommt, steigen wir aus. Eine Station zu früh, wie wir kurz darauf merken. Aber schöner als von hier kann der Blick auf das aus der Felswand stürzende Wasser kaum sein. Erst jetzt merke ich, dass ich den Fotoapparat vergessen habe. Das ist ein Grund, noch einmal hierher zu kommen. Wir überqueren eine Brücke und folgen dem Weg nach Westen. Anfangs Fahrstraße, verengt er sich bald und läuft als schmaler Pfad an einem steilen Hang entlang. Elke hat das Gefühl, dass dies hier ausgesetzter ist als der Vellauer Felsenweg. Doch es gibt auch viel zu sehen. Unscheinbare Gewächse mit niedlichen kleinen Blüten klammern sich an die Felsen. Dauernd huschen Eidechsen über den Weg. Weiter unten wachsen Brombeeren an dichten, hohen Hecken und das Beste ist, es gibt hier keine Menschen. Bis zum Gruberhof sind wir allein in der schönen Natur. Auch dort sitzen nur noch drei weitere Wanderer. Die Wirtin hat den leeren Parkplatz der Texelbahn im Blick und erwartet nicht viele Gäste am heutigen Tag. Die Touristen haben sich wegen der Wettervorhersage lieber auf den Weg nach Meran zum Markt gemacht, gut für uns. Elke isst ein Rindsgulasch mit Klößen, hat allerdings Mühe, ihr Essen gegen fünf leckermäulige Katzen zu verteidigen, die an dem Mahl teilhaben möchten. An meinem Riesenstück Pflaumenkuchen sind sie dagegen nicht interessiert. Gestärkt machen wir uns auf den Weiterweg. Durch Kuhweiden mit viel Mist auf dem Weg geht es jetzt steiler bergab. Immer wieder halten wir an: Brombeeren, Kastanien, Nüsse. So läuft die Zeit und als wir endlich in Naturns ankommen, können wir gerade noch einen kurzen Rundgang durchs Naturparkhaus machen, ehe das schließt. Wir treffen auf eine interessante Ausstellung. Es gibt viele Mitmachstationen, wir erfahren Neues und können Bekanntes vertiefen. Der Besuch hier rundet den Tag ab. Für den Abend habe ich noch einmal eine Suppe mit Knödeln vorbereitet. Wir können sogar wieder einmal draußen essen.

Sonnabend, 2 Oktober 2010
Hochnebel, Wolken an den Bergspitzen, Wenig blauer Himmel. Wir fahren nach Rabland, mit der Gondel hoch nach Aschbach und wandern den Weg Nr. 16 hinunter ins Tal. Anfangs ein langer Ziehweg durch den Wald, vermittelt der Weg später ganz unterschiedliche Eindrücke. Mal geht es schmal an Felsen entlang, dann eng durch einen Märchenwald. Auf den Moosflächen am Rande wachsen Pilze in Mengen, später auch Pfifferlinge, die wir natürlich nicht stehen lassen. In den Schluchten geht es steil bergab, wir müssen malerische Wasserläufe überqueren. Dann treten wir hinaus auf eine Alm mit den Häusern im Blumenschmuck und Nussbäumen, die viele Früchte abgeworfen haben. So geht es Stunde um Stunde ohne große Anstrengung auf Naturns zu. Inzwischen scheint die Sonne immer häufiger und der Anorak verschwindet im Rucksack. Unten im Tal geht die Temperatur gegen zwanzig Grad. Wir sind heute früh aufgebrochen, entsprechend zeitig sind wir auch wieder zurück auf dem Platz. Während Elke Kaffee kocht, baue ich das Vorzelt ab. Alles ist schön trocken. Als alles verstaut ist, keimt in mir ein Gedanke. Wenn Elke allein zum Einkaufen geht, bin ich in zweieinhalb Stunden mit dem Rad beim Unterstell und wieder zurück. Sie beißt in den für sie sauren Apfel und ich ziehe mich schnell um. Die Hülle vom Sattel und ich sitze auf dem Rad. Meter um Meter geht es hoch. Schon beim Schloss habe ich den kleinsten Gang eingelegt. Dort wo es freier ist, bläst ein leichter Wind, dafür brennt hier aber auch die Sonne unbarmherzig auf den Rücken. Ein Paar überholt mich, anfangs sind sie schneller als ich, treten später aber auch langsamer, so dass ich sie nie ganz aus dem Blick verliere. Bei 1000 m Höhe setze ich den Helm ab und trinke. Die Straße biegt jetzt nach Westen ab, die Sonne scheint mir entgegen, verschwindet wegen der späten Tageszeit allerdings immer häufiger hinter den Bergrücken. Dann wird es von der Temperatur her angenehmer. Die Straße wird ein wenig flacher, bis hier waren es ununterbrochen 10% Steigung und mehr. Zwischenzeitlich verliere ich sogar an Höhe. Das muss nach der nächsten Kurve wieder aufgeholt werden. Ich unterquere die Seilbahn, die gerade die letzte Gondel nach unten schickt, etwas oberhalb des Pfeilers. Es geht noch einmal richtig zur Sache, dann bin ich oben. Tausend Höhenmeter in eineinhalb Stunden, ganz gut. Trockene Sachen übergezogen, die Jacke dicht gezogen und hinab geht es. Gemächlich wegen der schönen Aussichten und der vielen Kurven erreiche ich den Platz. Eine halbe Stunde vor der gesetzten Zeit bin ich da, sehr zu Elkes Zufriedenheit. Wir essen wieder draußen, später am Abend spazieren wir zu Gs., um bei denen unsere Buskarten zu hinterlegen. War das ein aktiver Tag!

Sonntag, 3. Oktober 2010
Ellwangen ist sicher mal einen längeren Urlaub wert. Der Campingplatz liegt am Jagstufer, von hier sind wir in zehn Minuten in der verschlafenen Altstadt, die außer einem Pontifikalamt, zu dem wir herzlich eingeladen werden, nichts zu bieten hat. Nach längerem Suchen finden wir eine Kneipe, in der es auch deutsches Essen gibt. Gut gestärkt laufen wir durch die ausgedehnten Uferwiesen zum Platz zurück. Außer uns stehen noch vier Campingwagen auf dem gepflegten Terrain, man merkt, dass sich die Saison dem Ende zu neigt. Die Fahrt hierher verlief völlig problemlos. Auf dem Reschenpass herrschte dicker Nebel, kaum waren wir auf der Nordseite, setzte Föhn ein, der Himmel wurde immer blauer und bei strahlendem Sonnenschein durchfuhren wir ein Allgäu, das sich zwei Wochen nach unserem ersten Besuch jetzt herbstlich farbig darbot. Wir werden nur eine Nacht in Ellwangen bleiben, denn auch für den Harz wird schönes Herbstwetter voraus gesagt. Da kehren wir lieber zurück, machen den Wohnwagen winterfest und richten den Garten.

Montag, 4. Oktober 2010
Wie die Hin-, so die Rückfahrt. Völlig entspannt kommen wir gut voran. Der LKW-Verkehr hält sich in Grenzen, es gibt keinen Stau, und so erreichen wir den Harz, der sich herbstlich bunt darbietet, schon am Nachmittag. Bei siebzehn Grad kommen wir richtig ins Schwitzen, als wir den Wohnwagen ausräumen. Die Nachbarn staunen, dass wir schon wieder da sind. Es hat gereicht. Wir haben viele neue Eindrücke gesammelt, waren sehr aktiv, haben wieder einmal festgestellt, dass die Alpen uns viel zu bieten haben.