Frühjahr 2007 - Aus unserem Tagebuch
Teil 2: Breisach am Kaiserstuhl
Sonnabend, 14. April 2007
Irgendwie stimmt die Welt nicht mehr: Wir fahren in die Provence, um Sonne zu tanken und wo erhalten wir sie? In Breisach, mit 26 Grad bei unserer Ankunft hier.
Der Tag fing schon sommerlich an beim Frühstück im T-Shirt und in kurzer Hose, setzte sich während unser Fahrt auf der N 83 fort und gipfelte im Oberrheintal.
Wir bauen schnell unseren Wohnwagen auf, heben das Tandem vom Autodach und sind auch schon unterwegs. In der Stadt erhalten wir zufällig (weil der Besitzer des Fahrradverleihs noch einmal vorfährt) eine Radwanderkarte. Nun sind wir für die nächsten Tage gut gerüstet, der Kaiserstuhl wartet darauf, erkundet zu werden. Einen Vorgeschmack bekommen wir, als wir über Ihringen nach Merdingen radeln. Alle Bäume stehen in voller Blüte, die Kirschen noch und der Apfel schon. Dazwischen die Ziersträucher wie Flieder, Magnolien und Ranunkeln. Das ist schon etwas für Auge und Seele. Aber wir dürfen uns von der Pracht nicht zu sehr ablenken lassen. Außer uns sind nämlich noch mindestens tausend Radfahrer unterwegs, da kann es schnell zu Kollissionen kommen.
Sonntag, 15. April 2007
Angeregt durch die neue Radkarte fahren wir zum Tuniberg, erklimmen die Höhe (ich benötige zum ersten Mal in diesem Urlaub den ersten Gang) und halten uns oben rechts. Wir erreichen die Ehrentrudis-Kapelle am Südende der Erhebung und können von dort weit ins Land sehen. Wir erkennen auch den Verlauf unserer Route über Kirchhofen nach Staufen. In Kirchhofen dauert es ein Weilchen, bis wir die richtige Strecke gefunden haben, auf der Suche kommen wir zur Kirche. Sie ist geöffnet und wir finden eine überaus schöne Barockausschmückung vor. Allerdings stehen Kirchenschiff und Chor nicht in einer Flucht, das wirkt ein wenig seltsam. Auf der Weiterfahrt machen wir einen Abstecher zum Rothof. Hier oben kann man schön im Garten sitzen. Wir bestellen uns einen Flammkuchen und eine Schorle und beschließen, abweichend von der Planung nicht nach Staufen und durch die Ebene zu fahren, sondern in einem großen Bogen nach Nordwesten zum Tuniberg zurückzukehren. Die erste Hürde bildet gleich der Bellenberg. Die Sonne genau im Rücken, quälen wir uns den steilen Weg empor. Auf der anderen Seite geht es genauso steil nach Pfaffenweiler hinunter. Ein Paar, das wir nach nach dem Weiterweg fragen, kann ihn uns genau beschreiben. Über den Batzenberg, man kann ihn von hier gut erkennen. Aber der Radwanderführer hat ein Einsehen mit uns. Wir werden um den Berg herum geleitet. Auf schöner Strecke geht es nach Schallstatt und Tiengen. In Opfingen geht es ein letztes Mal nach oben über den Tuniberg nach Merdingen: Allerdings ist die Weiterfahrt in der anschließenden Ebene auch nicht gerade ein Pappenstiel, denn ein frischer Nordwestwind bläst uns entgegen, da heißt es noch einmal kräftig treten. Die morgige Tour werden wir so legen, dass wir mit dem Abendwind im Rücken nach Hochstetten fahren können.
Montag, 16 April 2007
Ostwind - das bedeutet, dass wir nach Freiburg fahren. Am Rande des Kaiserstuhls entlang umfahren wir den Tuniberg im Norden, orientieren uns an der Dreisam, die wir allerdings für einen Abstecher zum Mundenhof zwischenzeitlich verlassen und landen so fast im Zentrum der Stadt. Wir kennen Freiburg nur im Herbst, im Sommer, nein, wir haben kalendarisch erst frühes Frühjahr, hat die Stadt einen noch größeren Reiz. Alle Straßenlokale sind besetzt, um die Brunnen herum lagern die Menschen, unter den blühenden Kastanien suchen die ersten Schutz vor der Sonne. Die Kinder spielen in den Bächles, die Eisdielen haben Hochkonjunktur. Wir reihen uns in das Treiben ein, ergattern einen freien Platz an einem Brunnen und schauen den Passanten zu. Zwischendurch hole ich einen Kaffee, der erste ist mit sauerer Milch versetzt, der zweite schmeckt, nach einer Stunde fahren wir weiter. Nahezu parallel zu unserer Anfahrtstrecke kehren wir zurück - gegen den Wind. Der hat nämlich im Lauf des Tages auf Nordwest gedreht und macht uns nun zu schaffen. Aber wir wählen unsere Route so, dass wir auf weiten Strecken Windschatten haben und zum Schluss haben wir auf den letzten Kilometern von Ihringen ab sogar ein wenig Rückenwind. Das war heute eine reine Flachetappe, die höchste Erhebung war die Autobahnbrücke. Und auch so etwas macht Spaß. Die Straße fliegt nur so unter den Räder dahin, zehn Kilometer sind da gar nichts. Für morgen sind wieder 27 Grad abgesagt, wir werden nach Colmar fahren.
Dienstag, 17. April 2007
Wieder solch ein sonniger Tag, wieder eine Flachetappe, dieses Mal aber in die andere Richtung nach Colmar. Die Strecke ist längst nicht so gut ausgeschildert, deshalb müssen wir auch häufig nach Karte fahren. Aber wir finden unseren Weg in die Innenstadt. Es ist gerade Mittagszeit, deshalb sind die Straßencafés und Restaurants auch alle voll besetzt. Nach einem längeren Bummel durch die Innenstadt - Colmar ist immer wieder schön, allerdings fehlt jetzt noch der üppige Blumenschmuck - setzen wir uns an den Brunnen vor das Rathaus und verzehren unser Brot. Wir wollen über Marckolsheim zurückfahren, deshalb suchen wir die Ausfallstraße dorthin. Die Route nach dem Stadtrand ist recht abwechslungsreich, angenehmer zu fahren als die Anfahrt, die fast nur auf öffentlichen Straßen entlangführte. Allerdings überwiegen auch hier riesige Felder, die gerade für den Maisanbau vorbereitet werden. Vorbei an einem Mahnmal gegen den Krieg kommen wir nach Marckolsheim. Hier kaufen wir ein französisches Brot, ein paar Plunderstücke und zwei Flaschen Wasser und fahren damit zum Memorial der Maginot-Linie. Auf martialischem Gelände halten wir Essenspause, wir freuen uns bei solchen Gelegenheiten immer wieder, in welch ruhiger Zeit wir leben. Fünf Kilometer sind es noch bis zur Grenze am Rhein, dort zeigt uns ein Schild, dass wir bis Breisach noch siebzehn Kilometer vor uns haben. Der Weg folgt bis auf ganz wenige Abweichungen dem Fluss, das bedeutet, wir können voll in die Pedale treten und einen Schnitt von 25 km/h fahren. Einzig die vielen Mücken in der Luft stören. Auf den Altwassern links von uns schwimmen die Schwäne, rechts auf dem Rhein tuckern die Lastkähne. Wir genießen den ausklingenden Sommertag und kehren nach 87 heißen und staubigen Kilometern zu unserem Platz zurück. Heute schmeckt das kalte Weizenbier besonders gut und die Dusche tut wohl.
Mittwoch, 18. April 2007
Holla, ist das kalt geworden über Nacht. Gestern noch dreißig Grad, heute nur noch zehn. Wir kommen uns vor wie in Australien. Dazu weht ein kräftiger Wind aus Norden, heute ist kein Tag zum Rad fahren. In der Sonne allerdings ist es im Windschatten gut auszuhalten. So lesen wir, rätseln, bereiten Essen vor und fahren am Abend nur zu einem kurzen Einkauf nach Breisach.
Donnerstag, 19. April 2007
Ich jogge nach Breisach um Brötchen zu holen. Darüber wird es neun Uhr, bevor wir endlich frühstücken können. Elke will sich etwas schonen, deshalb sitzen wir lange in der wärmenden Sonne, ehe wir am Nachmittag zu einer kleinen Runde in den Kaiserstuhl aufbrechen. Über Achkarren und Bickensohl erreichen wir die Höhe. Elke meint, sie sei hier noch nie entlang gekommen, dabei sind wir diese Strecke bei unserem Herbsturlaub so oft gefahren. Oberhalb von Jechtingen rasten wir an der kleinen Kapelle. Wir fahren erst weiter, als ein Bauer mit seinem Traktor anfängt, den Wein und damit auch uns einzunebeln. Später fragen wir eine Bäuerin, warum sie die Zweige an den Weinstöcken abschneidet, die doch so schön treiben. Es sind nur Ersatztriebe, die jetzt weg müssen, damit der Saft in die waagerechten Triebe geht. Sie beklagt sich, dass es schon so warm ist, Regen wäre ihr lieber. Das alles erzählt sie uns in waschechtem Badensisch, das bedeutet, wir verstehen kaum die Hälfte und können zum Teil nur aus dem Zusammenhang erraten, was sie meint. In Sasbach folgen wir der Straße nach Frankreich, biegen vorher zum Rhein ab, schlagen einige Haken und erreichen doch Burkheim. Mitten im Ort lädt das Café Städtle zu einer Pause ein. Es sitzt sich schön hier unter den blühenden Kastanien in der Sonne, weitab von jedem Trubel. Vorbei am Kräuterhof - Elke nimmt einige Nasen voll Duft mit - erreichen wir den schnurgeraden Feldweg nach Breisach. In wenigen Minuten sind wir dort, kaufen ein und sitzen dann wieder zum A-bendessen in kurzen Hosen vor dem Wohnwagen.
Freitag, 20. April 2007
Heute war es ein Ausflug so richtig zum Genießen. Wir fahren über Ihrigen hinauf zum Liliental eine Strecke, die wir noch nicht kennen. Ganz gemütlich geht es nach oben, Elke kommt sich vor wie im Selketal. Der Lilienhof ist eine uralte Ansiedlung, heute beherbergt er eine Ausflugsgaststätte und die Forstverwaltung. Angegliedert ist eine forstwirtschaftliche Versuchsanstalt mit einem großem Arboretum mit vielen ausgefallenen Bäumen. Dieses Gelände durchfahren und -schieben wir und gelangen so immer höher bis zur Adlerhorsthütte. Hier beschließen wir, uns den Besuch des Neunlindenturms zu schenken und lieber zum Vogelsangpass zu fahren. Das bedeutet aber auch, dass wir viele Höhenmeter verlieren, später auf der Abfahrt nach Altvogtsburg werden es noch mehr. Elke erinnert sich inzwischen, doch schon einmal hier gewesen zu sein, besonders als wir im Dorf rechts abbiegen und in ein kleines Tal hinein fahren. Immer höher geht es, links und rechts erheben sich die Berge mit dem Kaiserstühler Trockenrasen. Da dauert es auch nicht lange, bis wir die ersten Knabenkräuter entdecken, dazu kleine Zistrosen, Nelken, Salbei. Ingo wird sich ärgern, wenn er im Mai hier her kommt. Dann wird alles verblüht sein. Es gibt so viel zu sehen, dass ich das Rad die gesamte Zeit schiebe. Am Sattel finden wir eine schöne Sitzgelegenheit in der Sonne. Wir verzehren unseren Speck und genießen das Panorama. Hier ist ein wichtiger Knotenpunkt verschiedener Wanderstrecken, deshalb sind wir kaum länger als einige Minuten alleine. Aus allen Richtungen kommen die Wanderer, grüßen und verschwinden wieder. Für unseren weiteren Weg haben wir uns die Fahrt über den nächsten Sattel nach Schelingen ausgeguckt. Anfangs wollen wir auch noch weiter zur Katharinenkapelle, aber nun macht sich Elkes Knie bemerkbar, so dass wir den Rückweg auf dem ausgeschilderten Weg unter die Räder nehmen. Über Bickensohl und Achkarren kehren wir voll mit neuen Bildern zurück.
Der französische Wein ist ausgetrunken, heute gibt es zum Abendessen einen Müller-Thurgau aus Oberrotweil.
Sonnabend, 21. April 2007
Heute fahren und schieben wir eine Besichtigungsrunde durch Breisach. Anlass ist eien Oldtimershow, die sich, als wir sie endlich gefunden haben, als eine ganz profane Autoverkaufsauststellung Breisacher Unternehmen entpuppt. Aber wenigstens der Abstecher zum Münster war schön und der Besuch in der Kirche interessant.
Am Nachmittag fahre ich meine erste Solotour in diesem Urlaub. Über Ihrigen erklimme ich den Gierstein. Dabei sehe ich die ersten Kaiserstuhlanemonen. In stetigem Auf und Ab geht es von 479 m Höhe hinüber zum Neunlindenturm, wobei die letzten dreihundert Meter für mich zur Schiebestrecke werden. Ich bin klitschnass, als ich am Turm ankomme. Leider ist auch heute der Blick nicht so hervorragend, aber ich kann gut das Liliental erkennen, in dem wir gestern waren, genauso wie den Badberg mit den angrenzenden weiten Wiesen. Die Abfahrt über den steilen Weg zum Sattel hinunter schenke ich mir, lieber fahre ich dorthin eine kleinen Umweg über den Herrenweg. Die Kirchturmuhr in Altvogtsburg zeigt schon 17 Uhr, Zeit, mich auf den Rückweg zu machen. Also wird auch heute nichts mit dem Besuch der Katharinenkapelle. Ich kann mir aber Zeit lassen, folge so manchem Wanderwegweiser und komme an Stellen, die man auf ausgeschilderten Radwegstrecken nicht erreicht. In einer großen Schleife oberhalb Achkarrens kehre ich auf meinem Zufahrtweg nach Ihrigen und von dort zum C-Platz zurück.
Sonntag, 22. April 2007
Elke möcht gern die Anemonen sehen. Die zeige ich ihr und sie entdeckt an diesem Hang auch gleich noch die letzten Küchenschellen. Die Wiese muss vor einigen Tagen blau gewesen sein, denn überall sehen wir die Samenstände. Entgegengesetzt zu meiner Tour von gestern fahren wir zu der schönen Aussichtsstelle oberhalb Achkarrens. Dort sitzen wir lange in der Sonne und beschauen das Dorf aus der Adlerperspektive. Später in Oberbergen finden wir schon wieder einen neuen Weg. Er führt ins Hessental, steigt gemächlich an und endet auf einem malerischen Aussteigerbauernhof, auf dem Pfauen herumstolzieren, wo es selbst gepressten Apfelsaft zu trinken gibt und wo wir uns die Wasserflasche mit frischem Quellwasser füllen können. Von hier an wird es immer steiler, an Fahren ist schon lange nicht mehr zu denken. Vorbei an extensiv bearbeiteten Streuobstwiesen erreichen wir den Kamm. Wir sind schon gewarnt worden. Hier müssen wir das Tandem über den Zaun heben. Aber die Wanderergruppe, die hinter uns kommt, greift mit an und schnell ist gemeinsam das Rad über zwei Barrieren hinweg gehoben. Das war nett von den Leuten, die sich dabei sicher die Hände beschmutzt haben. Wir halten rechts auf den Katharinenberg zu, finden nach kurzer Fahrt eine traumhafte Stelle am Waldrand und legen hier unsere Mittagspause ein. Wir essen, trinken und strecken uns dann lang im Gras aus. Kurz vor der Weiterfahrt bemerken wir, dass wir mitten in einer Orchideenwiese liegen. Wo hat man das schon? An der Katharinenkapelle tobt das pralle Wandererleben. Es ist auch kein Wunder, denn der nächste Parkplatz ist nur zwei Kilometer entfernt. Diesem Rummel enrfliehen wir schnell wieder. Der einzige für uns mit dem Tandem fahrbare Weg führt nach Endingen. Das ist zwar nicht unbedingt unsere Richtung, dennoch wählen wir ihn. Im Ort angekommen halten wir uns rechts und über Riegel fahren wir auf dem Radweg am Ostrand des Kaiserstuhls zurück. Manchmal kommen wir nur recht langsam vorwärts. Das liegt nicht an den Steigungen, auch nicht am Gegenwind, beides gibt es nicht, sondern an den Unmengen von Radfahrern, Kinderkarrenschiebern, Skatern und Spaziergängern, die unterwegs sind. Ist ja auch kein Wunder bei diesem Sommerwetter im April.
Übrigens: Rhododendren haben wir auch schon blühen sehen.
Montag, 23. April 2007
Heute ist unser letzter Tag in Breisach, deshalb fahren wir eine lockere Abschlussrunde. Rheinaufwärts erreichen wir Hartheim, über Staufen geht es ins Münstertal. Dort schauen wir uns den Campingplatz an, der wieder ein Stückchen größer geworden ist. Immer am Bach entlang rollen wir anschließend nach Bad Krozingen zum Eisessen und über Biengen zurück nach Hofstetten. Es war wieder ein ganz warmer Tag, wir sitzen bis zum Dunkelwerden in kurzen Sachen vor dem Wohnwagen. Alles ist gepackt, die Räder sind aufgeladen, morgen geht es der Kälte entgegen.
Dienstag, 24. April 2007
Von wegen Kälte! Den gesamten Tag über zeigt das Thermometer weit über 20 Grad an und selbst um 18 Uhr, als wir auf unseren Hof rollen, sind es noch 17 Grad, eine angenehme Temperatur, um den Wohnwagen auszupacken. Es grünt und blüht auch hier im Oberharz, wir haben wohl genau den richtigen Termin für unsere Rückkehr gewählt.