Sächsische Schweiz 2009
(Auszüge aus unserem Tagebuch)
Dienstag, 25.08.2009
Eigentlich wollten wir in diesem Jahr zum Wandern in die Alpen ins Tannheimer Tal fahren. Ein Blick in den Kalender zeigte jedoch, dass sowohl Bayern als auch Baden Württemberg noch Ferien hatte. Wir befürchteten deshalb, dass es dort überlaufen sein würde. Eine Alternative?
Schon einmal hatten wir einen Anlauf genommen, in die Sächsische Schweiz zu fahren, diesmal machen wir es wahr. Bei schönstem Sonnenschein und 30 Grad rollen wir gen Osten. Im Internet hatten wir einen ganz kleinen neuen Campingplatz in der Nähe von Bad Schandau ausgemacht. Den steuern wir an.
Von der Hochfläche um Königstein geht es hinab ins Elbtal, in Bad Schandau müssen wir wieder nach oben. In Mittelndorf finden wir die Oberstraße, eine ganz schmale Gasse, durch die unser Wohnwagen gerade hindurchpasst. Und dort, wo sie endet, wo durch einen große Linde hindurch die Felsen der Affensteine in der Sonne leuchten, dort bauen wir auf einer terrassierten Wiese unseren Wohnwagen auf. Der Blick reicht über weite Felder hinweg bis zu den Felsgebilden der Affensteine, geht man einige Schritte bis zum Eingang des Platzes, sieht man über das Elbtal hinweg. Königstein, Lilienstein, Ziele für die nächsten Tag mit dem Rad oder zu Fuß.
Die sanitären Anlagen sind tipptopp. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Stromsäulen, in die Geld eingeworfen werden muss. Ich habe deshalb den Kühlschrank erst einmal auf Gas umgestellt.
Mittwoch, 26. August 2009
Während der Nacht war es sehr warm. Der kurze Gewitterschauer hat keine Abkühlung gebracht. Und auch jetzt am Morgen, ich sitze wie gewohnt vor dem Wohnwagen und schreibe diese Zeilen, brauche ich keinen Pullover. Es ist diesig, aber wir werden wohl unsere erste Wanderung zum Carolafelsen angehen.
Schon der Weg ins Kirnitzschtal ist ein Genuss. In weiten Schleifen zieht er sich durch die Wiesen und Felder, gesäumt von Birn- und Apfelbäumen, die sich unter Last der reifen Früchte biegen. Der Wegrain ist völlig naturbelassen, es blühen Heilzist, Rainfarn, Glockenblumen und Nelken. Dort, wo der Weg in den Wald eintritt, steht ein großer Fleck Pfifferlinge, später finden wir noch mehr davon. Das Abendessen ist also gesichert. Einmal verlaufen wir uns, weil wir wahrscheinlich zu intensiv nach Pilzen Ausschau halten. In der Nähe des Parkplatzes Nasser Grund erreichen wir die Talstraße.
Hier herrscht reger Auto- und Straßenbahn!!!verkehr. Wir können die Straße nach hundert Metern aber schon wieder verlassen und auf den Wanderweg einbiegen. Gemächlich zieht der nach oben, in der Eulentilke wird es ein wenig steiler, in der Wilden Hölle wird der Weg zum Klettersteig. Und das gleich am ersten Tag. Elke schimpft mit mir, schafft die Eisenklammerstellen aber souverän, danach geht es bequem weiter bis auf den Carolafelsen.
Waren wir bis hierher fast allein im Wald, merkt man, dass das Plateau ein Aussichtspunkt erster Wahl ist.
Viele Menschen tummeln sich hier, aber der Fels ist groß genug, und jeder kann ein ruhiges Plätzchen finden. Neben uns lässt sich eine Familie mit drei Jungen nieder. Die junge Mutter macht sich viele Sorgen um die auf den Felsen herumtobenden Kinder. Dabei kann eigentlich nicht viel passieren. Der Fels ist griffig, die Tritte sind groß und wenn man abrutschen sollte, geht es nur direkt vorn an der Kante hundert Meter senkrecht nach unten. Wir essen unser Brot, dann geht es weiter, denn wir haben noch ein Stückchen vor uns. Es wird wieder einsamer, die nächste Aussicht haben wir für uns allein. Auf dem Zurückesteig muss man noch einmal mit den Händen zupacken, aber die Leitern sind bequem und sicher, führen hier allerdings nach unten, was Elke als wenig angenehm empfindet. Dafür entschädigt die Aussicht an der Breiten Kluft. Hoch über der Elbe stehen wir, vor und unter uns liegen die berühmten Kletter- und Ausflugsfelsen. Links unter uns liegt Schmilka, da beginnt schon fast die Böhmische Schweiz. Wir sind hier ganz dicht an der tschechischen Grenze.
Wir haben uns entschieden, nicht über die Lehne abzusteigen, sondern dem Kammweg noch ein wenig zu folgen. Direkt über die Köpfe der Felsen geht es, mal auf in den Stein gehauenen Stufen, mal über eiserne Steighilfen.
Und dann entdeckt Elke den Abstieg. Augenblicklich will sie umkehren und den gesamten Weg zurücklaufen.
Doch ich kann sie beruhigen, gehe vornweg, sie folgt jammernd, atmet dadurch aber wenigstens und nach einigen steilen Leitern ist diese Situation entschärft. Gemütlich geht es durch den Nassen Grund zur Straße. Hier treffen wir wieder auf das Pärchen, von dem wir uns oben an der Lehne getrennt haben. Die müssen eigentlich nach Schmilka, haben sich verlaufen und haben nun noch einmal den gesamten Weg über den Carolafelsen vor sich. Die Frau macht nicht gerade einen zufriedenen Eindruck. Ihr wäre es wohl lieb gewesen, wir hätten hier unser Auto stehen gehabt und sie eben mal um die Ecke gefahren. Aber wir haben selber noch ein Stückchen Wegs vor uns. Auf dem Flößersteig (als "schwierig" ausgezeichnet), geht es am Fluss entlang. Wir können unseren Pfifferlingvorrat erweitern, eher wir den Fluss überschreiten und im Alten Forsthaus einen wohlverdienten Kaffee zu uns nehmen. Es beginnt ganz leicht zu regnen als wir wieder aufbrechen, die dichten Bäume bieten allerdings guten Schutz und wir benötigen keinen Schirm. Das ist Pilzwetter, 25 Grad und Feuchtigkeit. In zwanzig Minuten haben wir Mittelndorf erreicht. Unser Abendessen nehmen wir unter dem Vordach zu uns, denn es hat sich eingeregnet.
Nebelschwaden ziehen aus dem Tal empor und hüllen uns von Zeit zu Zeit ein. Es herrscht eine ganz außergewöhnliche Stimmung.
14 Kilometer haben wir heute hinter uns gebracht. Für morgen suche ich eine schöne Radtour aus.
Donnerstag, 27. August 2009
Solch einen ruhigen Campingplatz haben wir noch nirgendwo erlebt. Hier zwitschern die Vögel, blöken die Schafe, hier rauschen die Blättern in den Bäumen, am Abend macht sich der Uhu bemerkbar. Die einzigen Zivilisationsgeräusche sind das Tuckern der Trecker, wenn sie hinter uns das Feld bearbeiten, ein, zwei Flugzeuge, die uns in großer Höhe überfliegen und die an- und abfahrenden Gäste auf dem Platz.
Nachdem sich der Morgennebel verflüchtigt hat, starten wir zu unserer Tour nach Hohnstein.
Gleich hinter Mittelndorf senkt sich ein Feldweg ins Selbnitztal hinab, anfangs moderat, später steil und rutschig. Aber schnell ist der Talgrund erreicht, nun folgt der Weg dem Flüsschen talabwärts.
Mehrmals müssen wir das Gewässer auf schmalen Brücken queren.
Bei Kohlmühle verlassen wir das Tal und nehmen den Aufstieg nach Goßdorf unter die Räder, besser unter die Füße, denn fahren können wir nicht weit: 18 % Steigung, das schaffen wir auch mit der neuen Übersetzung nicht. Aber uns macht das Schieben nichts, wir pflücken Äpfel und Zwetschen und freuen uns auf eine geruhsame Fahrt über die Höhe, wenn wir die erst einmal erreicht haben. Mit geruhsam ist nichts, denn gleich nach dem Dorf geht es wieder steil bergab ins nächste Tal und natürlich drüben wieder hoch. So wiederholt es sich das noch mehrer Male. Wir sind eben in der Schweiz. Dann haben wir Hohnstein erreicht. Die Fahrt zum Brand, dem Balkon der Sächsischen Schweiz, geht nun wirklich auf einer ebenen Rippe entlang. Von der Terrasse der Brand-Baude haben wir bei Kaffee und Buttermilch einen 240 Grad Blick über das Elbtal. Schön ist das hier. Auch unser nächster Rastplatz ist vom Feinsten. Nicht so spektakulär, aber schattig (wir fühlen schon wieder die 30 Grad) und ruhiger als die menschenbevölkerte Terrasse.
Nach dem Essen rollen wir nach Hohnstein hinein, besichtigen die innen recht verkommene Kirche, statten dem Schloss einen kurzen Besuch ab und starten dann die Etappe nach Sebnitz. Wieder gibt es keine Hochfläche, es folgt ein Tal dem anderen. Immer sind das hundert Meter, die wir verlieren und hundert, die wir auf der anderen Seite wieder hinauf müssen. Und das bei der Hitze. Endlich erreichen wir Sebnitz. Hier müssen einmal recht wohlhabende Bürger gelebt haben, um den Marktplatz herum erheben sich vier- und fünfstöckige Stadtvillen. Heute ist Sebnitz das Zentrum der Seidenblumenherstellung und ein wenig Industrie gibt es auch noch. Die Peter und Paul Kirche ist ein voll ausgemaltes Schmuckstück.
Der Pennymarkt liegt günstig an unserer Strecke, dort holen wir Brot, dann machen wir uns auf den Rückweg. Vor dem Erreichen des Campingplatzes liegt aber noch ein, nun wirklich letzter, Berg. Wir müssen noch einmal auf 380 Meter hoch, das ist der höchste Punkt unserer heutigen Runde, ehe wir locker nach Mittelndorf rollen können.
Das waren nur 44 km, gespürt allerdings mindestens das Doppelte und wenn wir im vergangenen Jahr in der Toskana gestöhnt haben, hier ist es fast ebenbürtig. Aber Berge und Täler gehören nun einmal zum Radfahren, der Verkehr stört uns allerdings doch. Kaum einmal gibt es Wirtschaftswege oder separate Radwege hier in der Gegend, da bleibt noch viel zu tun.
Freitag, 28. August 2009
Obere Affensteinpromenade, das hört sich nach einem gemütlichen Spazierweg an. Nicht jedoch hier in der Sächsischen Schweiz. Hier meint das einen kräftigen Aufstieg über die Eisenklammern in der Wilden Hölle, ein zweistündiges Laufen auf einem Bergpfad immer hart am Abgrund, ein Kraxeln zwischen haushohen Felsen, ein Herumtasten um eine Felsnase auf einem fußbreiten Sims, ein Abstieg über Hunderte von Treppenstufen.
Es meint aber auch mehrere Stunden in einer grandiosen Szenerie, berauschende Ausblicke, absolute Ruhe, so gut wie keine Menschen in diesem Bereich der Berge. Wir werden wohl Schwierigkeiten haben, diese Wanderung noch zu übertreffen.
Wir laufen wieder auf dem Pfifferlingweg ins Kirnitzschtal hinab. Als wir unten ankommen, haben wir bereits zwei große Tüten voll schönster Pilze am Wegesrand gesammelt. Die muss ich nun zwar die gesamte Zeit mit mir herumschleppen, aber am Abend werden sie uns in Form einer köstlichen Suppe vortrefflich munden. Wir steigen durch die Wilde Hölle am Gegenhang empor. Auf die Zwillingsstiege verzichten wir heute, ich will Elke nicht gleich wieder am Anfang in Angst und Schrecken versetzen. Vor dem Carolafelsen halten wir uns links und nun beginnt dieser wunderschöne Abschnitt des heutigen Weges.
Der Pfad schlängelt sich immer dicht an den rechts senkrecht nach oben ragenden Felsen entlang, aber auch links bleibt nicht viel Platz, und dort geht es entsprechend steil und tief nach unten. Immerhin ist die Trasse so breit, dass Elke keine Schwindelgefühle befallen.
Vor der Neuen Wenzelswand genießen wir ganz entspannt eine herrliche Aussicht über das Vorland und in die Felsenszenerie hinein. Es gibt noch einen kleinen Abstecher zum Friedstein und zur Idagrotte. Zurück an der Weggabelung geht es über viele, viele Stufen hinab auf die Untere Affensteinpromenade, das ist ein breiter Forstweg, der auch als Radroute ausgeschildert ist. Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu den Kletterfelsen des Bloßstocks, kurz danach stehen wir im Tal am Beuthenfall. Leider gibt es hier keine Gastwirtschaft mehr, dabei könnte das in dieser Lage eine Goldgrube sein, denn wir befinden uns an einem der zentralen Verteiler von Wanderwegen in diesem Gebiet. Na gut, nehmen wir also den letzten Abschnitt des heutigen Weges unter die Stiefel. Steil geht es auf dem Scharwändeweg hoch nach Mittelndorf. Noch einmal geraten wir ins Schwitzen, kein Wunder bei Temperaturen um die 30 Grad. Da kommen ein erfrischendes Getränk am Wohnwagen und ein aufmunternder Kaffe gerade recht.
Der Campingplatz hat sich wieder etwas gefüllt, es stehen jetzt weitere zwei Wohnwagen und mehrere Zelte hier.
Sonnabend, 29. August 2009
Es ist kühler geworden nach einer warmen Nacht, im Westen ziehen dunkle Wolken auf. Wir aber lassen uns nicht schrecken. Heute ist Tandemtag, wir werden die Sächsische Schweiz auf zwei Rädern erkunden. Ganz schnell sind wir auf der Straße in Bad Schandau, das ist ein niedlicher Ort, der nach dem Hochwasser von 2002 wieder gut hergerichtet worden ist. Wir bummeln eine Runde durch die Stadt, das dauert nicht lange, denn alles hier ist überschaubar. In der Kirche entdecken wir, dass es am Mittwoch ein Konzert geben wird, mal sehen, ob wir hingehen. Jetzt aber ist erst einmal das Kirnitzschtal angesagt. Hinter einem tschechischen Pärchen rollen wir ganz gemütlich talaufwärts. Wir kommen am Campingplatz Ostrauer Mühle vorbei, der liegt gut für alle Arten von Unternehmungen, nur so ruhig wie oben auf der Höhe bei uns ist es natürlich nicht. Wir weichen der Straßenbahn aus, normalerweise fahren wir direkt zwischen den Schienen und am Beuthenfall biegen wir von der Straße in den Waldweg ab. Es geht gleich steil bergan, wir müssen zum ersten Mal schieben.
Danach aber zieht sich der Zeughausweg mit leichter Steigung durch eine imposante Felsenszenerie. Einmal noch müssen wir absteigen, sonst ist es einfach nur Genussradeln, abseits vom Verkehr immer zwischen den Felsen hindurch. Am Zeughaus lassen wir uns im Kaffeegarten nieder. Nach unserem Kaffee verlassen wir das Zeughaus und fahren weiter ins Tal hinein. Wir haben uns entschieden, weil es so gut rollt und auch nicht anstrengt, bis Hinterhermsdorf weiterzufahren. Das bedeutet nun aber doch, ab und zu mal zu schieben, denn wir müssen nun auf über 400 m hoch. Aber auch das geht zügig und schon haben wir das schönste Dorf Deutschlands erreicht. Wir orientieren uns an dem Schild "Schleuse". Das tun aber auch noch andere. Hunderte Motorradfahrer wählen den selben Weg. Wir fahren in einer Benzinwolke bis zum Ende der Straße. Hier geht es Gott sei Dank nur noch für Radler und Wanderer weiter. Einen Moment überlegen wir, ob wir den Rückweg über Tschechien nehmen sollen, da ich aber keine genaue Karte von der Gegend habe, verzichten wir für heute darauf und lassen das Tandem wieder hinunter ins Kirnitzschtal rollen.
Aufgeschichtete Bäume mitten in der Sonne laden zum Pausieren ein. Danach geht es zwar kühl, Elke hat ganz kalte Hände, aber beeindruckend ins Tal hinab. Auch neben dem Bach rollt es gut.
Nur zwei Mal halten wir an, denn Hinweistafeln an einer Schleuse und einem Holzrechen machen uns neugierig. Die Kirnitzsch wurde früher zum Flößen benutzt, diese Bauwerke sind Nachbauten. So geht es über Kilometer durch fast menschenleeren Wald, später treffen wir wieder auf Wanderer, die zum Zeughaus aufsteigen. Die gesamte Sächsische Schweiz ist von einem dichten Wegenetz durchzogen, hier lässt sich gut laufen und mit dem Rad fahren. Wir erreichen die Autostraße, aber wie schon bei der Auffahrt stören auch jetzt die Autos nicht, denn sie fahren bedächtig und nehmen Rücksicht auf uns. Am Lichtenhainer Wasserfall essen wir ein Eis. Ich kaufe eine genauere Karte der Gegend, dann geht es auf das letzte Stück unserer heutigen Rundfahrt, hoch nach Lichtenhain. Abgesehen vom Anfangsstück ist auch dieser Aufstieg moderat und macht uns Mut, an einem der nächsten Tag noch einmal hierher zu fahren. Oben angekommen macht Elke den Vorschlag, doch auf dem Panoramaweg nach Mittelndorf zu fahren. Ich habe diesen Vorschlag gar nicht gewagt, um so mehr freue ich mich auf ein wenig Fahrspaß zwischen Wurzeln und Brennnesseln. Nach 46 Kilometern stehen wir wieder auf dem Platz.
Sonntag, 30. August 2009
Wieder ein schöner Wandertag in den Affensteinen. Wir haben dieses Gebiet ausgesucht, weil wir vermuten, dass sich am Sonntag in den anderen Bereichen der Wandererverkehr staut. Wieder steigen wir zügig auf dem Pfifferlingweg in den Nassen Grund hinab, diesmal ohne Pilze zu sammeln. An der Brücke beim Parkplatz treffen wir das Pärchen, dass sich so für unser Tandem interessiert hatte und schon einmal auf dem Campingplatz war. Sie wollen zum Winterstein, so haben wir ein Stück gemeinsamen Wegs durch die Eulentilke vor uns. Oben gehen wir nach links, die anderen durch die Wilde Hölle weiter nach oben. Wir gelangen zum Fuße des Bloßsteins, heute hängen hier viele Kletterer in den Felsen.
Der jüngste von ihnen ist knapp drei Jahre alt. Wir gehen weiter bis zum Beginn der Zwillingsstiege, doch ein Blick genügt und Elke entscheidet: Nein! Ich steige für ein Foto wenigstens die ersten fünf Meter über die Eisenklammern an der senkrechten Wand empor. Das ist wirklich nichts für sie.
Auch die Häntzschelstiege beginnt spektakulär, später treffen wir noch einmal auf die beiden Klettersteige.
Wir wandern geruhsam weiter gen Osten und gewinnen unsere Höhe über die Treppenstufen beim Frienstein. Oben halten wir uns nicht lange auf, unsere Vermutung mit dem Ansturm war richtig, sondern biegen gleich in den Affensteinweg ein, diesmal aber in die entgegengesetzte Richtung. Obwohl auch hier einige Wanderer anzutreffen sind, ist es doch erheblich ruhiger als auf den Hauptstrecken.
Wir genießen wieder die schönen Aussichten, werfen Blicke in die Abgründe, staunen über die Rastplätze der Kletterer.
Wir werfen einen Blick in den weiteren Aufstieg der Häntzschelstiege und sehen unter uns zwei Leute durch die Zwillingssstiege emporsteigen. Elke ist froh, sich nicht auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. Unser Pausenplatz ist so gewählt, dass wir in der Sonne sitzen. Das ist heute auch nötig, denn verglichen mit den Vortagen ist es kühl, aber gerade recht zum Wandern. Am oberen Ende der Wilden Hölle halten wir uns geradeaus und betreten nun Neuland.
Der Weg folgt weiter der Höhenlinie bis zum Dom, erst hier steigen wir über viele Treppenstufen auf dem Jordanweg in den Nassen Grund hinunter. Auf unseren Kaffee im Forsthaus verzichten wir heute, wir steigen unseren Weg von heute morgen wieder zurück. Kurz vor dem Campingplatz treffen wir auf eine einzelne Frau, es ist die Ingolstädterin, allein. Sie hat ihren Mann irgendwo verloren, vermutet ihn vor sich und hetzt schon seit einer Stunde hinter ihm her. Aber nun ist ja auch sie bald am Ziel, da wird sie ihn schon wiedertreffen.
Der C-Platz hat sich geleert, alle Zelte sind weg. Aber innerhalb einer halben Stunde kommen drei weitere Partien an, ein Wohnmobil, ein Wohnwagen und ein Zelt. Nun ist es nicht mehr ganz so einsam.
Montag, 31. August 2009
Einen Tag lang durch Dresden zu bummeln, das ist anstrengender als ein Wandertag in den Affensteinen.
Um 9.41 Uhr startet unser Zug in Bad Schandau. Wir haben unser Auto am Straßenrand beim Bahnhof abgestellt, ein Familientageskarte für 14,50 Euro gelöst und lassen uns nun ganz ohne Stress bis in die Innenstadt Dresdens fahren. Es geht auf weiten Strecken direkt an der Elbe entlang, Rathen, Bastei, Wehlen. Die Häuser sind alle schmuck hergerichtet. Der Zug fährt so gemütlich, dass wir ganz den Bildern hingeben können. Nach einer dreiviertel Stunde steigen wir am Hauptbahnhof aus. Von hier sind es noch zehn Minuten durch die Prager Straße, dann stehen wir davor: Die Frauenkirche. Wir lassen gar keine Zeit verstreichen und gehen gleich hinein. Das war eine kluge Entscheidung, denn einige Zeit später ist der Andrang vor dem Eingang so groß, dass die Türen versperrt werden und sich lange Warteschlangen bilden. Mit Kirche hat dies für mich wenig zu tun. Schon der ganze Bau wirkt mehr wie ein riesiges Theater und das ist es auch. Menschenmassen drängen sich durch das Gestühl, es wird fotografiert bis zum Gehtnichtmehr. Selbst in der Unterkirche, das soll ein Ort der Stille sein, geht es hoch her. Dennoch, eindrucksvoll ist das Ganze schon. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, solch ein sakrales Bauwerk kurz nach der Entstehung zu sehen. Normalerweise sind die Kirchen 1000 Jahre alt und haben Patina angesetzt. Hier leuchtet es und glänzt und funkelt, man hat aber auch nicht mit Gold gespart. Auf den Turmaufstieg verzichten wir. Stattdessen bummeln wir zum Zwinger, setzen uns dort in die Sonne und genießen die Atmosphäre. Später schlendern wir vorbei an der Semperoper in die Hofkirche und weiter auf die Brühlschen Terrassen.
Gerade legt ein Dampfer an. Diese alten Schiffe passen hervorragend in die Umgebung.
Gibt es noch eine Stadt in Deutschland, die so gefüllt ist mit Baujuwelen?
Auf dem Weiterweg überfällt uns der Hunger. Ein Kaffee und eine Eierschecke genügen nicht ihn zu stillen, wir essen bei einem Chinesen noch gebratene Nudeln. Elke will bestimmt auch ein wenig einkaufen oder nur schauen, aber die Vielfalt der Geschäfte verstört die entwöhnte Zellerfelderin nur. Es wird langsam Zeit, an den Rückweg zu denken, wir wollen ja auch noch bei Globetrotter vorbei. Nach einer kurzen Irrfahrt mit der Straßenbahn gehen wir lieber zu Fuß, das ist sicherer. Aber selbst dabei passiert uns ein Missgeschick und wir laufen einen großen Umweg. Wenigstens erhalten wir im Geschäft das Gewünschte, eine Spritzdecke und neue Tevaschuhe. Wir besteigen den Zug gleich an der gegenüber liegenden Haltestelle. Die Rückfahrt verläuft wieder ganz gemütlich. In Bad Schandau kaufen wir ein wenig ein, dann geht es wieder hoch auf den Berg. Wir haben Nachbarn bekommen, überhaupt ist der Platz fast voll, so schnell ändert sich das Bild. Wir genießen die Kühle des Abends nach einem warmen Tag. Ein wunderschöner Sonnenuntergang mit einem prächtigen Farbenspiel schließt den Tag ab.
Dienstag, 01. September 2009
Kann es wirklich sein, dass in der Sächsischen Schweiz ein Wander- oder Fahrradweg schöner ist als der andere? Wir jedenfalls haben den Eindruck.
Bevor wir losfahren wechsele ich am Hinterrad die Bremsbeläge. Das hätte ich lieber nicht tun sollen, denn auf der gesamten Tour schleift die Bremse. Trotz mehrerer Stopps und Versuche, das Problem in den Griff zu bekommen, gelingt es mir nicht zufriedenstellend. Da muss ich wohl mit richtigem Werkzeug ran. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen an diesem Tag, denn sonst läuft alles glatt im wahrsten Sinne des Wortes. Schnell sind wir am Lichtenhainer Wasserfall und nun folgen wir der Kirnitzsch auf dem uns schon streckenweise bekannten Weg.
Nach der Marienquelle wird es neu. Eine schmale Brücke, und dann betreten wir die Tschechische Republik. Auf deutscher Seite steht noch nicht einmal ein Hinweisschild, dass man ein Land verlässt und ein anderes betritt.
Das ist schon großartig, was hier zusammenwächst.
Der Weg ist von nun an asphaltiert, folgt weiter einem kleinen Bach und bleibt dadurch gemäßigt in der Steigung. Aber dann muss doch irgendwo die Wasserscheide überwunden werden. Das bedeutet ein kleines Stückchen Schiebestrecke, die abgelöst wird durch eine längere Pause auf einem Schattenplatz. Den wählen wir aus, weil es selbst hier in der Höhe noch ordentlich warm ist, unten herrschen bestimmt an die 30 Grad. Wir machen bei der Weiterfahrt noch einen Abstecher auf die Höhe, dort endet der Radweg allerdings und leider gibt es auch nichts zu sehen. Da könnten sie den Wegweiser eigentlich abbauen.
Also zurück und bergab. Mezni Louka ist eine Touristenstation mit Hotel, Gaststätte und Hüttenunterkunft. Hier beginnt der Weg zum Prebischtor, das größte Felsentor Europas. Leider ist der Weg für Fahrräder gesperrt. Wir werden es weiter unten probieren. Als wir an der nächsten Weggabelung ankommen, haben wir schon so viele Höhe verloren, dass wir auf einen Aufstieg zum Tor verzichten. Außerdem ist auch dieser Weg für Räder gesperrt. Wir sind ja wohl nicht zum letzten Mal in dieser Gegend, heben wir uns diesen Höhepunkt also für später auf.
Einige Minuten später fahren wir nach Hrensko hinein.
Die gesamte Stadt ist ein großer Vietnamesenmarkt. Du kannst alles kaufen, vom Gartenzwerg bis zum Nachbau einer Rolexuhr. Und ich dachte, so etwas gibt es überhaupt nicht mehr. Aber Tschechien hat noch keinen Euro, da ist das Preisgefälle spürbar.
Während Elke einige Schritte in den Markt hineingeht, versuche ich wieder einmal die Bremse zu entschleifen. Wir folgen der Elbe bis Schmilka, setzen dort mit der kleinen Fähre über, um nun auf dem Elberadweg abseits vom Verkehr zu fahren.
Leider sind wir so schnell, dass wir die einzige Gartenkneipe in Krippen verpassen. In Bad Schandau holen
wir uns ein Eis und fahren anschließend ins Kirnitzschtal hinein. Am Alten Forsthaus gibt es endlich Kaffee und Kuchen, wenn auch durch Wespen gestört. Wir haben schon wieder die Tasche in der Hand, da kommt das Paar aus Ingolstadt die Treppe herauf. Die treffen wir nun schon zum dritten Mal. Wir setzen uns noch einmal hin und quatschen miteinander. Da sie den selben Rückweg haben nehmen wir uns den gemeinsam vor. Für mich ist das gut, habe ich doch Schiebeunterstützung auf den steilen Wegabschnitten. Oben im Dorf trennen wir uns, sie wollen vor ihrer Abreise noch einmal vorbeikommen. Während des Abendessens beschließen wir, das morgige Konzert in Bad Schandau sausen zu lassen und mit zum Essen nach Losdorf zu fahren. Wir spazieren deshalb in der Dämmerung zu der Pension oben auf dem Berg, um diese Nachricht zu überbringen. Das Haus ist allerdings verschlossen, so klemme ich eine Nachricht hinter den Scheibenwischer, mal sehen, ob sie die finden.
Der Abend ist wieder so mild, dass wir noch lange vor dem Wohnwagen sitzen. Unten am Häuschen brennt das Lagerfeuer und die Kinder backen Stockbrot, hin und wieder leuchtet irgendwo eine Taschenlampe auf, sonst nur Ruhe, Sterne und Wärme. Wir haben ein wirklich himmlisches Plätzchen hier gefunden.
Mittwoch, 02. September 2009
Obwohl der Himmel im Westen sehr bedrohlich aussieht, steigen wir hinab in Kirnitzschtal. Beim Alten Forsthaus überqueren wir das Flüsschen, um von hier aus dem Flößersteig gegen die Stromrichtung bis zum Beuthenfall zu gehen. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen, es ist warm geworden, dazu feucht und schwül.
Schon auf diesem ebenen Stück unseres Weges schwitzen wir kräftig. Beim Beuthenfall verlassen wir den Fluss, um von hier ab durch den Wald auf den Kuhstall zu steigen. Unser Ziel ist die zweitgrößte Naturbrücke in der Sächsischen Schweiz. Es geht wieder eine Treppe in einer schmalen Schlucht hoch, dann stehen wir vor diesem Naturwunder.
Fast 20 Meter in der Breite und mehr als 10 Meter hoch wölbt sich ein riesiger Felsbrückenbogen.
Das allein wäre schon spektakulär, der Höhepunkt allerdings ist, dass das Tor einen wunderschönen Blick auf die Felsen der Affensteine umrahmt. Toll ist das, da stören noch nicht einmal die vielen Menschen, die wie wir diesen Punkt angesteuert haben. Wir streifen ein wenig im Gelände umher und, kaum zu glauben, es kommt noch besser.
Durch eine schmale Höhle kriechend, einige Eisenklammern ersteigend, stehe ich im Schneiderloch, unter mit geht es 100 Meter senkrecht in die Tiefe.
Später klettern wir in den Felsen herum, ein Aussichtspunkt übertrifft den anderen. Der Blick von der Seiseralm auf die Türme der Dolomiten ist nicht eindrucksvoller. An solch einem Fleck rasten wir und essen unser Brot. Ich habe den Eindruck, dass sich Elke heute nicht so unwohl auf den ausgesetzten Stellen fühlt wie in den vergangenen Tagen. Doch beim Abstieg über die Himmelsleiter streikt sie. Eine ganz schmale Eisentreppe führt, ohne dass ein Ende sichtbar ist, steil in einem schulterbreiten Kamin hinunter. "Nur Aufstieg" soll unten stehen, oben gibt es einen entsprechenden Hinweis nicht.
Also laufen wir auf dem Normalweg zurück, machen uns aber den Spaß, die Schlucht von unten zu durchsteigen. Ein Pärchen oben auf dem Plateau staunt nicht schlecht, als wir innerhalb kurzer Zeit schon wieder bei ihnen vorbeikommen.
Nun wird es aber Zeit, sich von hier loszureißen.
Auf dem Normalweg laufen wir zum Lichtenhainer Wasserfall, setzen uns ganz faul in die Straßenbahn und lassen uns zum Forsthaus kutschieren. Dort gibt es Kaffee und Kuchen für mich, Suppe für Elke, ehe wir wieder zurück nach Mittelndorf hoch laufen. Während des ganzen Tages haben sich die Ingolstädter nicht gemeldet, eine halbe Stunde, nachdem wir wieder am Wohnwagen eingetroffen sind, stehen sie plötzlich da. Sie waren auf der Hohen Liebe, sind aber ganz enttäuscht. Umso mehr freuen sie sich, dass sie bei uns einen Espresso bekommen und wir mit zum Essen kommen wollen. Gegen sieben Uhr wollen sie uns abholen. Da bleibt für uns noch gut Zeit zum Duschen. Außerdem muss ich nach Bad Schandau fahren und Geld holen.
Der Abend im "Schwarzbachtal" ist gelungen. In gemütlicher Atmosphäre werden wir nett bedient, erhalten schmackhafte Gerichte ohne viel Brimborium aber von hervorragender Qualität und sitzen lange und erzählen.
Donnerstag, 03. September 2009
Um zehn Uhr kommen Ellen und Josef, um sich endgültig zu verabschieden. Auch wir haben schon unser Auto gepackt, allerdings nicht, um nach Hause zu fahren, sondern um komfortabel auf die andere Elbseite ins Biealtal zu kommen. Mit dem Tandem ist das etwas weit, außerdem sieht es aus, als ob es immer mal regnen würde. Über eine abenteuerliche Straße erreichen wir den Ort Biealtal, später den Ortsteil Schweizermühle. Hier gab es Anfang der 1900er Jahre einen regen Kurbetrieb. Aus dieser Zeit stammen auch die herrschaftlichen Villen, die allerdings zum größten Teil arg heruntergekommen sind. Bei einer Gastwirtschaft stellen wir das Auto ab und finden auch sofort den Wanderweg mit dem gelben Punkt. Allerdings verflüchtigt sich die Wegmarkierung, als wir die Höhe erreicht haben. Nun laufen wir weiter nach Gefühl, Karte und GPS, das allerdings in dem dichten Wald auch nichts Genaues anzeigt. Aber wir schätzen richtig, nach zehn Minuten haben wir den Wanderweg wieder erreicht.
Ich steige über viele steile Leitern in engen Kaminen auf den Sachsenstein. Hier habe ich zum ersten Mal einen Eindruck von der zerklüfteten Schönheit des Tales. Elke bleibt lieber unten und wagt sich erst auf den nächsten Aussichtsfelsen. Auch hier liegt wieder das gesamte Tal zu unsern Füßen. Auf der Gegenseite ragen die Felstürme der Herkulessäulen empor, dort oben werden wir auf dem Rückweg stehen. Der Weg senkt sich langsam ins Tal zur Ottomühle hinab. Es sieht wieder sehr alpin aus mit weiten Matten und heimeligen Häusern. Allerdings wird unsere Freude ein wenig getrübt, als wir lesen, dass es bis zu unserem nächsten Ziel Ostrov noch eine Stunde Wegs ist und der lange Ziehweg dorthin auch nicht gerade einladend aussieht. Von Ostrov müssen wir noch einmal mindestens eine dreiviertel Stunde bis zu den Thyssaer Wänden laufen und dann kommt auch noch der Rückweg. Das ist zu viel für heute, wir heben uns dieses Wegstück für das nächste Mal auf. Schnell disponieren wir um und steigen zur Eishöhle empor. Dort klettert gerade eine Schulklasse herum. Angeseilt und mit Helm und Lampen versehen kriechen sie zusammen mit ihrem Lehrer in der benachbarten Schwedenhöhle herum. Ich steige in die Eishöhle hinab. Das ist nur ein schmaler Gang und lang ist er auch nicht, aber kalt ist es hier, wie der Name richtig sagt.
Die kleinen Mädchen wollen auch alle mit hinunter, also habe ich eine halbe Stunde richtig zu tun, sie nach unten und heil wieder zurück zu bekommen. Ich habe meine gute Tat für heute erledigt.
Wir laufen weiter zur Verlorenen Wand, eine mächtige, allein stehende Säule. Die Hänge sind hier alle gesperrt wegen der Erosionsgefahr und unser Weg führt uns immer weiter nach Süden. Erst als wir wieder die Höhe erreichen, biegt er nach Norden ab, jetzt haben wir uns allerdings weit von den Felsen entfernt und laufen am Rande eines Ackers entlang. Wir finden ein Wanderschild, das uns Mut macht, denn wir sind doch auf dem richtigen Weg. Es geht hinab an den Fuß der Herkulessäulen. Wir krabbeln durch eine unwirkliche Welt aus Fels, dunklen Schluchten, ausgesetzten Felsbändern und traumhaften Ausblicken. Elke
scheint keine Angst zu verspüren, wie eine Gazelle springt sie von Stein zu Stein und traut sich die steilsten Abstiege hinab. Es fehlt nur, dass sie einen der vielen Bergsteiger bittet, sie mit ans Seil zu nehmen, damit sie ihre Kletterkünste vervollkommnen kann. Wieder oben angekommen, beginnt es leicht zu tröpfeln, zum ersten Mal an diesem Tag.
Schnell sind die Schirme aufgespannt und wir gehen beschützt und trocken weiter. Allerdings verfehlen wir an einer entscheidenden Stelle den richtigen Abzweig. Den selben Fehler begeht auch ein anderes Wanderpaar. Nach kurzem Suchen allerdings finden wir den Abstieg und sind alle nach fünf Minuten wieder auf der Straße im Tal. Zur Belohnung gibt es ein Eis, den Kaffee sparen wir uns, denn obwohl der Regen aufgehört hat, ist es nicht gerade einladend, sich irgendwo auf eine Terrasse zu setzen. Stattdessen fahren wir nach Gohrisch. Dort gibt es auch einen neuen Campingplatz. Er liegt schön, ist ordentlich anzusehen, allerdings ist er nicht mit unserem Kleinod zu vergleichen. In Bad Schandau kaufen wir einige Kleinigkeiten ein, tanken und fahren hoch nach Mittelndorf.
Am Abend zeigt die Sonne noch einmal, was sie alles kann: Die Felstürme der Affensteine erglühen rot, die Wälder sind von einem herbstlich anmutenden Schleier überzogen. Es sieht so aus, als ob uns der Abschied von der Sächsischen Schweiz schwer gemacht werden soll.
Freitag, 04. September 2009
Ich wusste gar nicht, dass ein letzter Urlaubstag so schön und so abwechslungsreich sein kann.
Da es trocken ist, packe ich gleich nach dem Frühstück das Vorzelt zusammen. Das erspart später viel Arbeit. Auch die übrigen Dinge wie Wäscheleinen, Kartons usw. werden schon verstaut. Nun fehlen nur noch die Räder. Aber vorher fahren wir mit dem Auto noch nach Sebnitz. Wir besuchen eine Seidenblumenmanufaktur, statten dem Verkaufsraum im Seidenblumenmuseum einen Besuch ab, halten uns mit dem Kauf aber schön zurück. Erst in einem Laden in der Innenstadt findet Elke einen Hagebuttenzweig für die Vase auf dem Klavier. Offensichtlich hat sie das kühle und inzwischen auch regnerische Wetter, ich habe in der Zwischenzeit sogar den Schirm aus dem Auto geholt, zu einem Herbstgesteck animiert. In einem ganz kleinen und vollgestopften Sportgeschäft sehen wir Hemden und Hosen, die uns gefallen. Bei der Goldschmiedin hält sich Elke nicht lange auf, mir gelingt es während dieser Zeit allerdings, die größte Seidenrose der Welt zu fotografieren. Als Elke wieder einmal in einem Schnickschnackladen verschwindet, kaufe ich eine Freitagswurst und ein Stück Speck, ein Grund, Sebnitz nun zu verlassen und auf dem Campingplatz eine zünftige Vesper zu halten.
Es ist inzwischen 15.30 Uhr und wir wissen immer noch nicht genau, wann heute Abend das Konzert in Lichtenhain stattfindet. Das ist ein guter Anlass für mich, endlich mal mein MTB, das während des gesamten Urlaubs ein Schattendasein gefrönt hat, zu bewegen. Ich bekomme gut eine Stunde Zeit für eine kleine Tour. Über Lichtenhain (das Konzert beginnt um 18 Uhr) fahre ich ins Sebnitztal hinunter. Ich finde bei Ulrichsdorf den Einstieg in den Wanderweg und folge ihm flussabwärts. Schon nach kurzer Zeit steigt der Pfad steil bergan, fällt danach ebenso steil wieder zum Fluss hinab. Bergauf muss ich schieben, bergab auch, denn die vielen Wurzeln machen ein Fahren für mich unmöglich. An mehreren Stellen ist der Steig mit Ketten gesichert, ich muss das Rad frei schwebend um die Ecken tragen. Mindestens sechs Mal überquere ich auf schmalen Stegen den Fluss, immer wieder geht es hoch und wieder runter. Eine steile lange Treppe zwingt mich, das Rad zu schultern. Oben angekommen stehe ich vor einer Hütte. "Am Tale" heißt sie, welch Hohn. Die Sächsische Schweiz zeigt mir auf dieser kurzen Strecke noch einmal, was sie drauf hat. Erst am Haltepunkt Mittelndorf weitet sich das Tal. Einige hundert Meter geht es jetzt über Wiesen, dann allerdings folgt der steile Anstieg nach Altendorf hoch. Die fortgeschrittene Zeit zwingt mich, die Strecke fahrenderweise zurückzulegen. Als ich oben bin, bin ich am Ende meiner Kräfte. Deshalb verzichte ich auf dem nun folgenden Panoramaweg auch auf eine erneute Abfahrt ins Tal, fahre in einer Treckerspur über ein frisch gepflügtes Feld und bin kurz danach, fast pünktlich, am Wohnwagen. Schnell geduscht, umgezogen und schon sitzen wir wieder im Auto und fahren nach Lichtenhain. Gut, dass wir rechtzeitig gekommen sind, denn die Kirche ist schon fast voll. In einer der hinteren Bänke finden wir noch zwei Plätze. Dann beginnt, unterbrochen von nur zwei kurzen Reden des Bürgermeisters und der Pfarrerin, ein eindrucksvolles Konzert des Sebnitzer Bergsteigerchores. Die Lieder sind gut gewählt und vorgetragen, die Moderation ist erfrischend. Wir sind sehr zufrieden mit der Entscheidung, hierher gefahren zu sein. Und wir machen an diesem Abend auch noch zwei andere Leute glücklich. Unsere Nachbarn sind nämlich zu Fuß gekommen und hätten nun einen Rückweg von eineinhalb Stunden vor sich. Schnell räume ich alles in den Kofferraum, nun ist Platz für weitere zwei Personen. Dankbar nehmen sie unser Angebot an, so dankbar, dass Elke am Wohnwagen ein Glas selbstgekochte Marmelade geschenkt bekommt. Hätten sie laufen müssen, hätten sie ohne Schirm und Jacke auch noch den Regen abbekommen, der kurz nach unserer Rückkehr einsetzt und schon drei Stunden anhält. Schade für die vielen Neuankömmlinge, die nun im Nassen ihre Zelte aufbauen müssen.
Die Fahrräder sind immer noch nicht auf dem Autodach, mal sehen, ob morgen der Regen aufgehört hat und ich ohne klamme Finger arbeiten kann.
Sonnabend, 05. September 2009
7.00 Uhr: Hurra, kein Regen.
7.30 Uhr: Es gießt!
Nach dem Frühstück: Kein Ende des Regens in Sicht! Also Anorak über und Hut auf und die Räder aufs Dach gepackt.
9.00 Uhr: Der Regen hat aufgehört, die Berge werden sichtbar und die Zelter freuen sich auf einen trockenen Tag. Wir räumen den Rest zusammen, lassen den Wohnwagen von dem Aufbau rollen, hängen an und schon sind wir auf dem Rückweg. Der Wind weht kräftig von vorn, mit spritsparender Fahrweise ist heute nichts. Auf dem Harz gießt es, aber in den Pausen räumen wir schnell den Wohnwagen leer. Nun hat uns die Heimat wieder.
Das war ein sehr schöner Urlaub. Wir haben viele nette Leute kennen gelernt und wir haben eine neue Ecke Deutschlands erlaufen und erfahren. Allerdings haben wir nur ein ganz kleines Stück des Elbsandsteingebirges erkundet. Das ruft förmlich nach einem erneuten Aufenthalt dort.