Sommer 2008 am Ellbogensee
(Auszüge aus unserem Tagebuch)

Montag, 21. Juni 2008
Es ist kalt in Zellerfeld, 6 Grad, und es schüttet wie aus Kübeln. Trotzdem starten wir in Richtung Meck-Pomm, denn Marianne und Udo warten schon am Ellbogensee auf uns. In Goslar hört der Regen auf, in Wernigerode lugt zaghaft die Sonne durch die Wolken und auf dem Campingplatz scheint sie endgültig.
Wir installieren unseren Wohnwagen auf dem reservierten Platz unter hohen Kiefern und machen uns auf zu einem ersten Erkundungsgang. Der Campingplatz macht einen guten Eindruck. Er ist weitläufig, nicht parzelliert, die Leute sind nett und klönen gern mit uns.

Dienstag, 22. Juli 2008
Mit Udos Hilfe baue ich das neue Faltboot auf. Ich habe den Eindruck, dass es schon einmal besser ging, aber jetzt liegt es hier, schön anzusehen. Als Ulrike und Horst mit ihrem Kanu eintreffen, sind wir bereit für eine erste Einfahrtour. Durch den Ellbogensee paddeln wir nach Strasen. Wir legen eine Kaffeepause im Garten des Restaurants direkt an der Schleuse ein, fahren später noch ein Stückchen weiter in den Großen Pälitzsee und kehren zufrieden zurück. Das Boot läuft gut und Elke sitzt bequem und sicher darin.
Am Abend wird am Strand über einem großen Lagerfeuer Stockbrot gebacken.

Mittwoch, 23. Juli 2008
Beim morgendlichen Bad ist das Wasser im See noch recht frisch, kein Wunder nach der langen Kälteperiode. Der Wetterbericht sagt allerdings eine Hitzewelle voraus und wir können sie auch schon spüren. Mit dem Tandem fahren wir nach Fürstenberg/Havel zum Einkaufen Mit gefüllten Taschen kehren wir über Steinhavelmühle zum Campingplatz zurück. Unsere heutige Kanutour führt uns nach erneut nach Fürstenberg. Es ist wunderschönes Paddeln über weite Seen und durch schmale Engstellen der Havel. In Fürstenberg gibt es wieder Kaffee, später auf der Rücktour in der "Havelperle" ein leckeres Abendessen und ein kühles Bier.

Donnerstag, 24. Juli 2008
Heute liegt unser Ziel nördlich. Durch den Großen Priepertsee paddeln wir zum Fischer am Finowsee. Wir passieren rosaweiße Seerosen und gelbe Mummeln, die Ufer der kleineren Seen sind gesäumt von roten und weißen Häuschen. Wir kommen uns vor wie in Schweden. Das gute Essen beim Fischer, die Luft, die Sonne und das Paddeln macht müde. Wir müssen uns losreißen, bevor wir einschlafen. Wir sehen einen Fischadler und einen Eisvogel, eine ganze Weile werden wir von einer Schwanenfamilie begleitet. Auf dem Großen Priepertsee haben wir den frischen Wind direkt von hinten, wir können den Schirm hervorholen und uns treiben lassen. Der Wind nimmt allerdings ständig zu und wird so stark, dass er den Schirm zum Überklappen bringt. Am Ende des Sees finden wir eine geschütze Stelle, an der wir auf die anderen warten können. Kanufahrer, die nach Norden wollen geben nach kurzer Strecke entkräftet auf und legen bei uns an, um das Abflauen des starken Windes abzuwarten. Wir aber fahren nach kurzer Pause weiter nach Süden in den Ellbogensee. Mit leichtem Rückenwind, der See liegt deutlich geschützter, kehren wir zum Campingplatz zurück.

Freitag, 25. Juli 2008
Heute ist Fahrradtag. Wir fahren auf dem bekannten Weg nach Fürstenberg, dort orientieren wir uns nach Ravensbrück. Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Ravensbrück besuchen wir die Mahn- und Gedenkstätte. Die Anlage wirkt wie Auschwitz, Bergen-Belsen oder Buchenwald stark bedrückend, die Ausstellung vermitteln einen tiefen Einblick in das Grauen, das sich hier abgespielt hat. Auf der Weiterfahrt stellen wir die unermessliche Ausdehnung des Lagerkompexes fest, kilometerweit fahren wir durch KZ-Gelände. Und dann plötzlich der Gegensatz: In Himmelpfort grüßt fröhlich der Weihnachtsmann vom Straßenrand. Die ehemalige Klosteranlage ist heute ein Park mit ganz vielen fröhlichen Menschen. Wir suchen uns einen schattigen Platz zum Rasten, bei 30 Grad auch eine Notwendigkeit. Die spätere Weiterfahrt nach Bredereiche erinnert an Dänemark: Sonnenüberflutete Getreidefelder, duftende Straßenränder und ein makelloser Radweg, der das Ganze durchzieht. Dazu die Seen, die ab und zu durch die den Wald blitzen, und alles ohne Autoverkehr.
Ulrike und Horst sind heute mit dem Kanu nach Zechlinerhütte zu ihrem Hotel gepaddelt, ich lade mein Rad in deren Auto, stelle dies am Hotel ab und stiebe auf dem Rad in einer guten halben Stunde durch den Wald zurück. Elke hat inzwischen gekocht, heute schmeckt es besonders gut.

Sonnabend, 26. Juli 2008
Heute sind wir nach der Paddeltour ganz schön zerschlagen. Auf den offenen Seen macht sich die Hitze nicht so bemerkbar, kaum ereichen wir aber in eine windgeschützte Stelle, so fließt uns der Schweiß in Strömen über den Körper. Beim Austeigen am neuen Anleger in Kleinzerlang stelle ich fest, dass meine Hose klitschnass vom Schweiß ist. Während der Rückfahrt frischt der Wind kräftig auf und bläst uns direkt entgegen. Stoppen wir mit dem Paddeln, werden wir sofort zurück geschoben. Also müssen wir ununterbrochen arbeiten, 3 1/2 Stunden lang. Jetzt sind die Arme lahm und der Nacken ist steif, ein Bad im See entspannt den Körper allerdings. Auf dem Campingplatz haben sie am Nachmittag Neptunfest gefeiert, am Abend gibt es für die Kinder wieder Stockbrot und in der Nacht, als wir schon lange im Bett liegen, brennen sie bei Havelfest in Priepert das Schlussfeuerwerk ab. Wir sind aber viel zu faul zum Aufstehen.

Sonntag, 27. Juli 2008
Schon früh am Morgen ist es sommerlich heiß. Der See hat inzwischen eine angenehme Wärme, so dass es keine Überwindung mehr kostet, nach dem Aufstehen ins Wasser zu steigen. Heute wollen wir noch einmal mit dem Tandem nach Himmelpfort zum "Klostergeflüster". Im Klosterpark sind einige Buden aufgebaut, aber außer einem guten Kaffee gibt es dort nichts Besonderes. Wir holen uns ein kühles Getränk, setzen uns in den Schatten eines großen Baumes und hören ein wenig der Blasmusik zu, die zum Frühschoppen aufspielt. Während Ulrike und Horst, Marianne und Udo hier im Ort noch Mittagessen gehen wollen, werden wir in einer größeren Runde zum Platz zurück kehren. Vorher besuchen wir allerdings den Kräutergarten des Klosters mit seinen vielen jetzt in voller Blüte stehenden Gewürzpflanzen. Auf schönen schattigen Wegen fahren wir dann nach Neuthymen und weiter nach Dabelow. Wir legen eine kurzen Halt an der niedlichen Dorfkirche mit einem ausgefallenen Fachwerk ein, ehe wir wieder durch den Wald nach Altthymen und von dort zur Schneidemühle radeln. Diese Orte sind, man mag es glauben oder nicht, nur über Sandwege erreichbar, wir befinden uns im Outback Deutschlands. Wir überqueren die B 96 und rollen, nun wieder auf Asphalt, über Priepert und Straßen nach Großmenow.

Montag, 28. Juli 2008
Der Vormittag vergeht mit Einkaufen in Fürstenberg. Wir besuchen dort auch die Stadtkirche mit dem großen Batikteppich hinter dem Altar, dann kehren wir über Steinhavelmühle zurück. Am Nachmittag paddeln wir nur eine kurze Tour nach Strasen, anschließend lassen wir uns im Jachthafen in Priepert ein Eis schmecken. Die Hitze lässt die Aktivitäten schrumpfen, für morgen ist der Höhepunkt der heißen Tage angesagt.

Dienstag, 29. Juli 2008
31 Grad sind es nur, allerdings heiß genug, um am Nachmittag nur bis zur Schleuse nach Steinhavelmühle zu paddeln, dort zu wenden und uns in der "Havelperle" zu Bier und Essen niederzulassen. Früh am Vormittag sind wir allerdings schon eine 30 km lange, schöne Radtour rund um den Stechlinsee gefahren. Es ging immer auf dem holprigen Uferweg entlang, der lag wunderbar im Schatten, einmal haben wir in dem kristallklaren Wasser gebadet.

Mittwoch, 30 Juli 2008
Heute sind wir beide ganz allein mit unserem Tandem unterwegs. Über Strasen erreichen wir Ahrensberg, nicht ohne vorher ausgiebig Brombeeren gegessen zu haben. Wir machen einen Abstecher zum Campingplatz am Drewensee, dann geht es auf einem schnurgeraden Sandweg weiter nach Norden. Einige Male müssen wir absteigen, so tief versinken wir im Staub. Und dann endet der Weg an einem Gatter. Links steht eine große Kuhherde. Elke folgt mir nur zögerlich durch das Gatter auf die Weide, wir halten uns rechts und erreichen nach einigen Kilometern Fahrt entlang des Zaunes wieder einen Weg. Später stehen wir in Drewien. Da wollten wir eigentlich nicht hin, da wir nun schon einmal hier sind, überqueren wir die Bundesstraße und fahren durch das Naturschutzgebiet am Keetzsee nach Fürstensee und von weiter nach Neustrelitz. Gerade als wir das Zentrum erreichen, beginnt es zu tröpfeln. Auf dem schönen Marktplatz wird heute wirklich Markt abgehalten, für uns die Gelegenheit, mecklenburgischen Honig einzukaufen. Nachdem der Regen spärlicher geworden ist, fahren wir zum Schlosspark. Die Terrasse an der Orangerie ist leider geschlossen, wir müssen unser Eisessen also verschieben. Wir werfen einen Blick in die Schlosskirche und schieben dann zurück ins Zentrum. Endlich finden wir auch ein Eiscafé, in dem wir den wieder stärker werdenden Regen abwarten können. Wir müssen langsam zurück, denn vor uns liegen noch 40 Kilometer. Also machen wir uns trotz des Tröpfelns auf den Rückweg. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, fahren wir auf schönen Feldwegen zuerst nach Klein Trebbow, später nach Ahrensberg und von dort auf dem bekannten Weg zurück. Unser Gepäckträger will sich verabschieden, ich hänge die Packtasche an die andere Seite, so geht es. 73 Kilometer zeigt der Tacho am Ende der Fahrt an.

Donnerstag, 31. Juli 2008
Mit dem Rad fahren wir zum Augustablick oberhalb des Peetschsees. 30 Meter stehen wir hier oberhalb des Sees, es ist wirklich ein schönes Plätzchen. In Dagow machen wir einen Abstecher zum historischen Friedhof, im Luisenhof in Neuglobsow schlemmen wir einen Eisbecher. Am Ostufer des Stechlinsees geht es zurück. Leider sind alle schönen Badestellen belegt, wir hoffen auf ein Bad im Großen Glietzensee. Hier ist das Ufer allerdings stark verschilft, den Kleinen Glietzensee finden wir nicht, so kommt es, dass wir nach der Radtour in unseren Ellbogensee springen. Nach einem zeitigen Abendessen setzen wir uns ins Boot und paddeln hinaus auf den See. Es ist eine eigentümliche Stimmung hier draußen auf dem Wasser in den Abendstunden. Der Wind ist fast eingeschlafen, nur noch ganz wenige Motorboote sind zu sehen und zu hören. Die tief stehende Sonne taucht die Uferbereiche in ein ganz warmes Licht. Wir paddeln über den Ziernsee bis in die hinterste Ecke, erreichen dort den Einlauf eines schmalen Baches, dem wir ein wenig folgen bis es uns zu mückig wird. Bei der nun endgültig verschwindenden Sonne kehren wir zurück. Es ist immer noch so warm, dass ich auf mein Hemd verzichten kann, das ziehe ich erst über, als wir vor dem Wohnwagen beim Wein sitzen, aber nicht der Kälte, sondern der Mücken wegen. Dabei haben wir in diesem Jahr Glück. Wegen der anhaltenden Trockenheit sind die Plagegeister sehr zurückhaltend, im vergangenen Jahr am Bikowsee war es deutlich unangenehmer.

Freitag, 1. August 2008
Früh am Morgen fahre ich allein mit dem Rad nach Fürstenberg zum Einkaufen. Ich wähle allerdings nicht den direkten Weg, sondern fahre erst durch den Wald zum Stechlinsee. So zeitig am Tag ist hier noch alles menschenleer. nach Neuglobsow wird der Weg noch verwunschener, ich schlage mich auf unterschiedlichen Forstwegen bis Fürstenberg durch. Schwer beladen kehre ich zurück. Elke wollte schon eine Suchmeldung aufgeben, da ich überhaupt nicht wieder kam. Nach dem Frühstück baue ich das Vorzelt ab, unser Urlaub neigt sich dem Ende entgegen, und so bekomme ich es trocken ins Auto. Es riecht nämlich nach Gewitter, kein Wunder nach einer solch langen Hitzeperiode. Damit wir weiter einen Schutz haben, ziehe ich das Sonnensegel ein. Elke und ich paddeln eine Abschiedsrunde über den Ellbogensee, danach wird auch das Faltboot abgebaut. Am Abend haben wir drei Familien uns in Strasen zum Abschlussessen verabredet. Da es beginnt zu tröpfeln, fährt Elke mit Marianne und Udo im Auto dorthin, ich nehme mein Fahrrad. Im "ars vivendi" hat man einen Tisch auf der Terrasse für uns gedeckt. Das Essen schmeckt, der Service ist gut. Draußen wird es zwischenzeitlich immer dunkler und bevor das Gewitter richtig loslegt, setze ich mich aufs Rad und fahre durch den Wald zum Platz zurück, um trocken zu bleiben. Aber die dunklen Wolken verziehen sich, kein Tröpfchen fällt vom Himmel.

Sonnabend, 2. August 2008
Erst während der Nacht hat es ein wenig geregnet, abgekühlt hat sich Luft trotzdem nicht. Marianne und Udo reisen gegen zwölf Uhr ab, wir setzen uns aufs Tandem und fahren ein letztes Mal durch den schattigen Wald. Vorbei am Peetschsee, Stechlinsee und Neuglobsow erreichen wir Menz. Dies ist unser südlichster Punkt für heute. Über Altglobsow geht es nach Fürstenberg und von dort zurück. Es ist eine feuchtwarme Tour, da tut das abschließende Bad bei uns im See sehr gut.

Sonntag, 3. August 2008
Wir bezahlen, verabschieden uns, hängen den Wohnwagen an und kommen mit Hilfe schiebebereiter Nachbarn von unserem sandigen Platz weg.
Der Campingplatz "Naturcamping Ellbogensee" hat uns ausgesprochen gut gefallen. Es war nicht eng auf dem Platz, die im Ausbau begriffenen sanitären Anlagen machten einen ordentlichen Eindruck, die Platzbesitzer, Holländer übrigens, waren immer nett und hilfsbereit. Es herrschte ein zwanglose Atmosphäre auf dem Platz, es gab ganz viele Kinder hier in allen Altersstufen, die nett miteinander spielten, am Abend wurde es trotzdem früh ruhig und während der Nachtstunden war es genau so leise wie in Zellerfeld. Über die Havel erreichten wir Seen in allen Himmelsrichtungen, wenn wir einige Touren zweimal gepaddelt sind, dann, weil uns diese Partien so beeindruckt haben. Ausgedehnte Wälder luden zu langen Radtouren ein, es war in dieser heißen Zeit sehr schattig unter den Bäumen. Es herrschte kaum Autoverkehr auf den Straßen und langweilig wurde es wegen des dauernden Auf und Ab auch nicht.