Sommer 2009: Noch einmal am Ellbogensee
(Auszüge aus unserem Tagebuch)

Sonntag, 05.07.2009
Der Wohnwagen steht vor der Tür, die wenigen Anziehsachen, die wir im Sommer benötigen, sind schnell verstaut, das Kanu verschwindet im, das Tandem kommt auf's Auto und so sind wir kurz nach 11 Uhr unterwegs nach Mecklenburg-Vorpommern. Um diese Zeit sind die Straßen leer. Auch am Nachmittag, als wir die Gegend um Berlin durchfahren, herrscht auf unserer Seite kaum Verkehr. Dafür stehen die zurückkehrenden Wochenendurlauber in die Stadt hinein in langen Schlangen. Wir sind vor Marianne und Udo am Platz. Der Platzwart erkennt uns sofort wieder und hat auch zwei freie Plätze in dem Bereich vom letzten Jahr. Schnell ist der Wohnwagen aufgestellt. Ich schaffe es sogar, das Faltboot herzurichten, bevor wir uns auf die Räder setzen und zum Haveleck nach Steinförde radeln. Auch dort erkennt man uns wieder. Kommen denn so wenig neue Touristen in die Gegend? Wir genießen ein leckeres Abendessen, später am Abend sitzen wir noch ein Weilchen vor dem Wohnwagen und genießen die laue Sommernacht.

Montag,06.07.2009
Wir verbringen den Vormittag mit Rumtrödeln und Lesen. Udo baut sein Boot auf und am Nachmittag unternehmen wir eine erste Spritztour nach Priepert. Es ist wunderschön, wie das schlanke Boot durch die Wellen gleitet. Nur wenig andere Boote sind auf dem See, das steigert das Erlebnis noch. Nach einer Rast im Yachthafen fahren wir in zügigem Tempo zurück, denn ich will noch ein Wohnwagenrad abbauen, das einen Plattfuss hat. Es ist in der Zwischenzeit etwas kühler geworden aber immer noch angenehm. Udo und ich fahren noch eine kurze Runde mit dem Fahrrad, um einen Weg nach Pelzkuhl zu erkunden, der auf den Karten unterschiedlich ausgewiesen ist. Wir finden ihn und erklären ihn für befahrbar. Pilze lassen sich allerdings keine blicken. Auf dem Rückweg kommen wir an vielen wilden Kirschbäumen vorbei. Die Früchte sind reif und schmecken ausgezeichnet. Über Strasen kehren wir zurück.

Dienstag,07.07.2009
Heute morgen schwimme ich zum ersten Mal im See. Das Wasser ist überraschend warm und ich schwimme ein ganzes Stück hinaus. Danach sitze ich mit einer Tasse Kaffee vor dem Wohnwagen und schreibe im Tagebuch. Udo möchte gerne eine Mahlzeit Pfifferlinge sammeln, er schwärmt von der Stelle am Bikowsee, an der es vor zwei Jahren Mengen davon gab. Wir fahren gern mit, aber mehr der Heidelbeeren wegen, die im Moment in Massen wachsen. Durch unsere Erkundung am Vorabend kennen wir den schnellen Weg nach Pelzkuhl, und von dort ist es nur noch eine halbe Stunde über tiefe Sandwege. Aber wie wir bereits vermutet hatten: Kein einziger Pilz lässt ist zu sehen. Es ist einfach zu trocken und wohl auch noch etwas früh im Jahr. Aber die Blaubeeren schmecken!
Vorbei am Camping „Bikowsee“ radeln wir nach Zechliner Hütte. Dort ist der Radweg über die Brücke endlich fertig, so dass wir nicht mehr an zwei gefährlichen Stellen die Straße kreuzen müssen. Wir setzen uns auf die Terrasse am Hotel und lassen uns Kuchen, Brotpudding und Fischsuppe schmecken. Erst als sich der Himmel verdunkelt und einige Regentropfen fallen, denken wir an die Rückfahrt. Auf schnellster Strecke kehren wir zum Pälitzsee zurück, von dort ab werden die Wege wieder sandig und tief und wir benötigen alle Steuerkunst und Kraft, um uns auf dem Tandem zu halten. Bei Pelzkuhl locken die Kirschbäume, danach reicht es aber auch für heute mit der Vitaminzufuhr. Pünktlich vor dem ersten Regen sind wir zurück am Platz. Schnell in den See gesprungen, der inzwischen bestimmt 23 Grad warm ist, dann wird Abendbrot gegessen. Auf einer abendlichen Runde über den Platz erfreuen wir uns über die neue Kletteranlage hinter dem Waschhaus, die wir, obwohl für Kinder gedacht, auch gleich ausprobieren. Der Platzwart führt uns durch das neue Empfangsgebäude, er will es wirklich in einer Woche fertig haben.

Mittwoch, 08.07.2009
Waren wir gestern mit dem Rad am Pälitzsee, so wollen wir heute mit dem Kanu dort hin. Wir packen alles ein, auch Regenschutz, denn im Westen tauchen immer wieder dunkle Wolken auf. Bei frischem Wind durchfahren wir den Ellbogensee, Richtung Strasen bläst uns der Wind direkt entgegen. Dann müssen wir auch schon nach einem günstigen Steg Ausschau halten, um uns dort die Regensachen anzuziehen, denn jetzt rückt eine Regenfront immer näher. Wir können gerade noch den Schirm aufspannen, da schüttet es auch schon wie aus Kübeln. Unterm Schirm steigen wir in wasserdichte Jacken und Hosen, Elke zieht sich außerdem noch eine Spritzdecke über. Das alles führt aber nicht dazu, ihre Laune zu heben und an der Schleuse will sie unbedingt umkehren. Der Regen hat fast aufgehört, aber ihr Rücken ist nass und bei der Vorstellung, irgendwo anders aus dem Kanu zu steigen als am Wohnwagen, fängt sie schon an zu frieren. Also wende ich notgedrungen, Hausdörfers kommen auch mit zurück und nach einer guten halben Stunde laufen wir bei strahlendem Sonnenschein im Hafen des Campingplatzes ein.

Donnerstag, 09.07.2009
Mein Reifen ist fertig, die Reparaturwerkstatt hat keinen Schaden feststellen können. Elke und ich fahren nach Fürstenberg, ich bezahle 10 Euro für die Untersuchung und ein neues Ventil und wir nehmen den Reifen wieder mit. Wir nutzen die Gelegenheit, um gleich noch einige Einkäufe zu erledigen. Als wir zum Platz zurückkommen, hat sich die Diskussion darüber, was wir heute machen wollen, erledigt, denn es beginnt zu regnen. Außerdem ist es kühl geworden, nur noch 15 Grad zeigt das Thermometer an. Wir rätseln, essen einen Happen, Elke legt sich hin und schläft.
Weil wir heute noch nichts getan haben, verdingen wir uns bei unseren Campingwirten und schrauben dort zwei Stunden lang Tische und Stühle zusammen. Jetzt haben wir morgen beim Grillfest mit Musik wenigstens Sitzgelegenheit. Die Leute auf der Baustelle arbeiten alle mit Hochdruck, das Haus soll fertig werden.

Freitag, 10.07.2009
Das war mal eine richtige Radtour, und sogar mit Einlagen. Wir fahren nach Klein Trebbow. Dort wollen wir herausfinden, wann und wo das Hofkonzert am Sonnabend stattfindet. Durch Ahrensberg, diesmal blühen die Brombeeren noch, im vergangenen Jahr haben wir sie hier geerntet, kommen wir zum Teerofen und folgen dann dem ausgeschilderten Radweg in das Dörfchen. Davor hatten uns Einwohner damals abgeraten, der Weg sei kaum befahrbar. Wir haben allerdings hier in der Gegend schon schlimmere Sandwege erlebt, es ist ganz moderat. Nach Fragen im Dorf finden wir den Hof und erfahren dort, dass das Konzert morgen zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr stattfinden soll. Unsere Neugier ist damit gestillt und wir können im weiten Bogen zurück nach Fürstenberg fahren. Wir kommen durch Drewien, überqueren die B 96, suchen im Wald Pilze und sammeln Blaubeeren und vergessen dabei, zum Himmel zu schauen. Ohne Vorwarnung entlädt sich der, Elke kann gerade noch den kleinen Schirm aus der Tasche ziehen und ich schnappe mir einen Anorak. Dann stehen wir aneinandergepresst im dürren Kiefernwald und schauen zu, wie das Wasser in den Spurrillen steigt und steigt. Nach zehn Minuten ist das Schlimmste überstanden, wir flüchten uns unter eine 200 Meter entfernte Schutzhütte und entledigen uns der nassen Überzüge. Bei der Weiterfahrt werden wir zwar von unten nass und schmutzig, aber wir schaffen es ohne neuen Schauer bis zur Godendorfer Papiermühle. Mit den ersten nächsten Tropfen finden wir eine kleine Kneipe und schlüpfen dort ins Trockene und Warme.
Ich hatte vorher unsere Route ins Garmin eingegeben und das ist gut so, denn ohne diese Hilfe hätten wir die Strecke nicht gefunden und wenn, wären wir sicher umgedreht, als der Weg zwischen mannshohem Gras und Brennnesseln verschwindet. Aber er bleibt befahrbar und führt zu einer kleinen Brücke. Hier weichen wir von der geplanten Route ab und fahren weiter in den Wald hinein, treffen später aber wieder auf die ursprüngliche Strecke. Am Draisinenbahnhof erkunden wir die Möglichkeit einer Fahrt mit dieser Art von Tandem.
In Fürstenberg holen wir Brot und Fleisch, denn heute wird es auf dem Campingplatz einen Grillabend mit Musik geben. Der Wesenberger Chor ist schon eingetroffen. Die Wirtsleute haben mehrere Schalen Kartoffelsalat bereitgestellt, wir lassen uns unser verdientes Abendessen, es waren immerhin 51 km, schmecken.
Als der Chor seine Lieder beginnt, stellen Udo und ich uns mit in den Bass und verstärken diesen zur Freude des Chorleiters. Alle, Gäste wie Sänger haben viel Spaß beim Singen der gängigen Volkslieder und Gassenhauer. Erst als es sehr kühl wird und wieder zu nieseln beginnt, beendet der Chor nach zwei Zugaben sein Programm. Unterm Schirm gönnen wir uns noch eine Flasche Bier und unterhalten uns eine ganze Weile mit Nick, dem Campingplatzbesitzer.

Sonnabend, 11.07.2009
Der Himmel zeigt sich wieder überwiegend in Grau, wir allerdings sind tapfer und packen die Kanus. Mal sehen, wie weit wir heute kommen. Elke hat von Beginn an die wasserdichte Hose angezogen, sie fühlt sich wohler, weil wärmer, darin. Wir können eine ganze Strecke mit dem Schirm segeln, erst als wir bei Priepert nach links abbiegen, bläst uns der Wind voll entgegen. Aber wir kommen heute trocken nach Strasen. Wir schleusen und landen beim „Löwen“ an, um uns dort eine Tasse Kaffee zu gönnen. Gerade als wir einen Platz gefunden haben, beginnt es zu regnen. Wir müssen sogar die Boote umdrehen, damit sie trocken bleiben. Als es zu ungemütlich wird, verziehen wir uns in die Gaststätte. Mit einer längeren Tour wird es wieder nichts, denn die Regenwolken werden dichter. Deshalb schleusen wir erneut, wir sind fast die einzigen Boote im Becken, spannen den Schirm auf und lassen uns vor dem Wind nach Osten treiben. Erst später auf dem Ellbogensee packen wir unser Segel weg und paddeln kräftig, um noch vor dem nächsten Schauer ins Trockene zu kommen.
Am Abend fahren wir nach Klein Trebbow zum Hofkonzert. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir gegen 19.30 Uhr ankommen, gibt es auf der gesamten langen Dorfstraße keinen Parkplatz mehr. Wir müssen bis über den Ortausgang hinausfahren, um unser Auto abzustellen. Schon dort können wir die Musik hören: Rockige Klänge, mal sehen, was das wird. Wir bezahlen 8 Euro Eintritt pro Person, das ist heute Stehplatz, denn die Scheune mit ihren 100 Sitzplätzen ist brechend voll und die zusätzlich auf dem Innenhof aufgestellten Bänke sind auch alle belegt. Zusätzlich drängen sich weitere 50 Personen im Hof, um neben den Klängen einen Blick auf die Akteure zu erhaschen. Musikschüler im Alter von 12 bis ... bieten auf der Bühne meist poppig-rockige Musik dar. In einem Nebengebäude gibt es eine Theke, hier kann man sich Bier, Wein, Cola, Kaffee, Bockwürste und Schmalzbrote kaufen. In der Pause wird diese Örtlichkeit entsprechend belagert. Hinter der Scheune öffnet sich das Grundstück über einen großen Garten mit Gänsen in die freie Landschaft hinein. Hinten vor dem Wald grast in der untergehenden Sonne das Damwild. Familie Pohland hat sich dieses Paradies, so erfahren wir in einem Gespräch mit dem Besitzer, seit 1981 hier aufgebaut. 15 Jahre lang veranstalten sie die Hofkonzerte, in diesem Jahr stehen deshalb 15 Darbietungen auf dem Programm. So viel Besucher wie heute gibt es selten, das liegt wohl an dem Effekt, dass die jungen Musiker ihre Fans und Angehörigen mitgezogen haben. Übers Jahr gesehen besuchen 100 Interessierte die Veranstaltungen, die meisten aus der Umgebung, 20 Prozent Touristen. Hut ab vor diesem Engagement und dem langen Atem der Pohlands.

Sonntag, 12.07.2009
Der See wird kälter statt wärmer, ist aber immer noch wärmer als die Luft, denn beim morgendlichen Bade schwimmt man in einer Nebelschicht, die sich über dem Wasser bildet. 13 Grad zeigt das Thermometer im Vorzelt, ein bisschen wenig für Hochsommer. Da müssen zwei dicke Jacken äußerlich und ein heißer Kaffee innerlich wärmen, wenn ich um 8 Uhr vor dem Wohnwagen sitze und Tagebuch schreibe. Gegen Mittag haben wir endlich die Entscheidung getroffen, mit dem Kanu zum Fischer nach Ahrendsberg zu paddeln. Es ist wolkig mit blauen Abschnitten dazwischen, Regen ist nicht zu erwarten. Mit Hilfe des Schirms geht es zügig über den Großen Priepert See, auf der Rückfahrt werden wir hier unser Tun haben. Auf der Havel stehen die Großen Mummeln und die Seerosen in voller Blüte. Diese schmalen Durchfahrten zwischen Seen haben einen ganz besonderen Reiz, vor allem, wenn so wenig Motorboots unterwegs sind wie heute. Dabei ist Sonntag. Auch beim Fischer herrscht kein großer Andrang. Wir verspeisen einen geräucherten Saibling, ganz lecker. Bevor wir uns auf die Rücktour machen, fahren wir noch ein Stück in den Drewensee hinein, um uns das schön restaurierte Schloss Ahrensberg vom Wasser aus anzusehen. Es ist nicht so prächtig wie das in Rheinsberg, ist ja auch kein Königsschloss gewesen, aber die Lage am See, die weiten gepflegten Rasenflächen, der alte Baumbestand, das macht schon was her.
Wie erwartet, müssen wir uns auf dem Priepert ganz schön anstrengen, denn der Wind hat aufgefrischt und bläst uns direkt entgegen. In dem Café an der Südseite bekommen wir, obwohl es schon 17.15 Uhr ist und eigentlich um 17.00 Uhr geschlossen wird, ein Eis und Elke darf sogar die Toilette benutzen. Dann kommen auch schon Hausdörfers angepaddelt. Sie fahren gleich weiter durch den Kanal nach Priepert, wir aber kehren direkt zurück zum Campingplatz. Am Abend beginnt es zu regnen. Da verziehen wir uns erst ins Vorzelt, später ins Bett. Es regnet fast die gesamte Nacht hindurch. Wenn es jetzt wärmer wird, werden bald die Pilze herausgucken.

Montag, 13.07.2009
Der Wetterbericht sagt immer noch Unbeständigkeit voraus, aber uns kümmert das nicht, denn außer einigen weißen Wölkchen ist der Himmel blau. Erst gegen 13.30 Uhr kommen wir zu unserer Paddeltour los. Aber die verbleibende Zeit nutzen wir gut. Weit über Strasen hinaus durchfahren wir den Großen Pälitzsee bis zum dortigen Campingplatz. Es gibt zu unserer Enttäuschung zwar keinen Kaffee dort, aber wenigstens ein Eis haben sie für uns. So gestärkt machen wir uns auf den Rückweg. Dabei hätten wir überhaupt keiner Stärkung bedürft, denn der Wind bläst uns ohne Anstrengung über den gesamten See zurück zur Schleuse. Dort liegen mehr als 10 Schiffe auf Wartestation, in der Gegenrichtung gab es überhaupt keine. Wir setzen uns auf die Terrasse des Löwen und schauen zu, wie langsam die Durchfahrt vonstatten geht. Da haben wir Kanufahrer es schon besser. Mit jeder Schleusung kommen alle Boote mit. Wir sind bei unserem Durchgang sowieso die einzigen Sportboote. Auf dem Ellbogensee herrscht wieder starker Gegenwind. Es wäre ja auch zu schön, sich hier auf dem letzten Stück mal ausruhen zu können.

Dienstag, 14.07.2009
Wir radeln am Nachmittag nach Neuglobsow. In dem netten Café mit Seeblick essen wir Eis und frischen Kirschkuchen. Hier beschließen wir auch, nicht direkt, sondern in einem großen Bogen über das AKW und Strasen zum Platz zurückzukehren. Auf der Fahrt durch die schattigen Wälder erspäht Elke vom Rücksitz aus sogar einige Pfifferlinge und Ziegenlippen. Udo hatte schon am Vormittag sein Glück versucht und wenige Pilze gefunden. Auf der Höhe hinter Pelzkuhl plündern wir den großen Kirschbaum. Jetzt rumpelt es im Bauch von den vielen Früchten. Der Fischer in Strasen hat schon geschlossen, es ist ja inzwischen auch 19 Uhr geworden. So werden wir also auf den Fisch verzichten und die paar Pilze braten.

Mittwoch, 15.07.2009
Fürstenberg ist wirklich eine Wasserstadt, wenn man die Stadt mit dem Kanu durchfährt. Bei Hitze und Gegenwind sind wir über die Seen und durch die Havel gefahren. Diesmal wollen wir allerdings nicht vor der Schleuse Schluss machen, sondern noch in die östlichen Seen paddeln. Kurz vor der Schleuse weist ein Hinweisschild auf eine Kanu- und Fischtreppe hin. Es geht kreuz und quer durch die Hinterhöfe von Fürstenberg bis zur alten Mühle. Jetzt wird es richtig spannend, denn wir stehen vor der Treppe. Nicht wie in Hameln mit Tor und Schwall, sondern eine mit Kunststoffborsten bestückte, lange, schräge Rutsche, die das Gefälle vom Ober- zum Unterwasser überwindet. Unten geht es auf einem schmalen Bächlein weiter, es beginnt zu tröpfeln. Aber unter den dichten hohen Bäumen spüren wir es kaum. Erst als sich der Bach in den Schwedtsee weitet, merken wir mehr vom Regen. Aber wir sind an der richtigen Stelle gelandet: 200 Meter entfernt von hier befindet sich das Hafenrestaurant. Schnell die Boote umgedreht und wir ins Trockene geflitzt. Wir essen Kirschkuchen, Gemüsesuppe und Kartoffelpuffer. So vergeht der Schauer auf angenehme Art. Als es Zeit ist zum Weiterfahren, scheint schon wieder die Sonne. Wir fahren über den gesamten See bis zur Mauer des Lagers Ravensbrück, verbringen hier einen schweigenden Moment und kehren zurück in den Baalensee. Das Schleusen geht flott, leider haben wir auf dem Röblinsee kräftigen Gegenwind, der uns ab jetzt auch nicht mehr verlässt. 24 Kilometer sind wir heute gefahren.

Donnerstag, 16.07.2009
Das war die bisher längste Fahrradtour des Urlaubs,70 km.
Über Fürstenberg und Ravensbrück erreichen wir Himmelpfort, von dort geht es auf schönen Waldwegen weiter nach Lychen. In der Touristinformation erhalten wir Hinweise, wie wir die Campingplätze erreichen können, die wir in Augenschein nehmen. Auf beiden überwiegen die Dauercamper.
Wir biegen in den Wurlweg ab, denn hier soll sich die Kaffeerösterei befinden, die Marianne so gerne besuchen möchte. Wir finden sie auch, allerdings ist der Besuch nur bis 14 Uhr möglich. Wir trinken wenigstens von dem Kaffee und essen Blaubeerkuchen dazu, dann geht es weiter zum Lindenhof. Auf einer kleinen Halbinsel im Wurlsee ist ein sehr schönes Anwesen entstanden, ruhig, in Stil und Ausstattung ausgesprochen anziehend. Die kleine Kirche in Lychen bietet nichts Besonderes, deshalb verlassen wir den Ort in südlicher Richtung. Auf einem sehr maroden Betonweg fahren wir nach Bredereiche. Elke entdeckt wieder Pfifferlinge, die werden mitgenommen. In Bredereiche erreichen wir die Havel. Der Wanderweg nach Fürstenberg folgt von nun an immer dem Ufer, das bedeutet aber in dieser Gegend ein dauerndes Auf und Ab durch den dem Fluss folgenden Wald. 10 Kilometer Singletrial mit stellenweise heiklen Passagen bringen wir so hinter uns, wir sind völlig durchgeschwitzt, als wir den Ort erreichen. So sollen wir uns ins Haveleck setzen? Aber auf den 3 Kilometern bis Steinförde geht der Puls wieder runter und wir können unser wohlverdientes Essen genießen. Am Platz ein Sprung in den See, ein Bummel durch das abendliche Kindergewimmel, ein Schwatz vor dem Wohnwagen, gegen halb 12 liegen wir im Bett.

Freitag, 17.07.2009
Wir nehmen unser Kanu und den Schirm und nutzen den kräftigen Wind aus um zu segeln. Dieser Spaß muss aber erst einmal erarbeitet sein. Kräftig müssen wir paddeln, ehe wir über den Ellbogen und den Ziernsee kommen. Der Wind weht heute aus Osten, eigentlich ungewöhnlich nach dem Westwind der vergangenen Tage. Dann setzen wir „Schirm“ und mit richtigem Rauschen geht es zurück. In Nullkommanix liegt der Ziernsee hinter uns. Das kurze Stück Havel bis zum Ellbogensee paddeln wir wieder. Und dort erleben wir die erste Überraschung des Tages: Wir haben Gegenwind! In der kurzen Zeit hat der Wind völlig gedreht und wir müssen nun wieder arbeiten, um den Campingplatz zu erreichen. Dort wechseln wir das eine Sportgerät gegen das andere aus. Mit dem Tandem fahren wir auf streckenweise neuen Wegen nach Neuglobsow. Dort holen wir uns ein Eis, ehe wir uns zu unserem eigentlichen Ziel aufmachen, der Pfifferlingstelle beim AKW. Und nun die zweite Überraschung: Obwohl wir beide Ausschau halten und ich das Rad schiebe, entdecken wir nicht einen einzigen Pilz. Da können wir uns auch auf den Heimweg machen. Auf dem holprigen Weg entlang des Westufers des Stechlins fahren wir nach Norden. Meine Karte zeigt an, dass parallel dazu weiter im Wald ein breiterer Weg verlaufen muss. Ich mache mich ohne Rad auf die Suche und finde ihn auch. Also wuchte ich wieder einmal das Gefährt das Steilufer hoch. Von nun an kommen wir zügiger voran. Das ist auch nötig, denn im Westen ballen sich Gewitterwolken zusammen und von außen nass werden wollen wir nicht auch noch. Verschwitzt sind wir sowieso genug. Deshalb springen wir, bevor die ersten Blitze hernieder zucken, schnell noch in den See. Dann geht es auch schon los. In wenigen Minuten fällt so viel Regen vom Himmel wie in den letzten Wochen zusammengenommen nicht. Als wir später über den Platz bummeln, sehen wir, was der Guss angerichtet hat. Überall hängen Decken zum Trocknen, Luftmatratzen sind aufgestellt, Zelte hochgeklappt. Auch unser Vorzelt ist nicht verschont geblieben. Unter dem Teppich hat sich ein kleiner See gebildet. So wie das Gewitter gekommen ist, hat es sich nach einer Stunde auch wieder verzogen. Marianne und Udo paddeln ihre Abschlussrunde. Zwei Stunden später kommen sie erschöpft wieder zurück. Sie haben den Himmel nicht beobachtet und zu spät bemerkt, dass sich schon wieder etwas zusammenbraut. Und dann sind sie mit dem erneut aufziehenden Gewitter um die Wette gepaddelt. Aber sie haben es geschafft und wir können den Abend bei uns im Vorzelt bei prasselndem Regen ausklingen lassen.

Sonnabend, 18.07.2009
Wir bauen ab. Der Wetterbericht hat zwei Stunden Trockenheit vorhergesagt, und diese Zeit wollen wir nutzen, um Kanu und Vorzelt ins Auto zu bekommen. Und es gelingt sogar. Zwar werde ich in die Teile noch ein wenig nachtrocknen müssen, aber dies ist erst einmal geschafft. Jetzt steht nur noch ein Fahrrad für sportliche Betätigung zur Verfügung. Ich radle nach Fürstenberg, in der Hoffnung, bei unserem Lieblingsbäcker noch einige Stücken Kuchen erstehen zu können. Aber ich komme zu spät, es ist bereits 13.05 Uhr, als ich in die Stadt einfahre. Der Kuchen im Supermarkt ist zwar lange nicht so gut, aber ich nehme 4 Stückchen mit, denn die Wartenden werden enttäuscht sein, wenn ich ohne Leckereien zurückkomme. Für den Rückweg wähle ich eine andere Strecke, immer am Röblinsee und an der Havel entlang. Marianne kocht Kaffee, wir verzehren unsere Süßigkeiten. Elke und Udo versuchen Pilze zu finden, denn die Nachbarn kommen mit gefüllten Körben aus dem Wald zurück. Aber beide sind enttäuscht, außer Mücken gab es kaum etwas.
Am Abend fahren wir noch einmal nach Klein Trebbow zum Hofkonzert. Wir verbringen zwei ganz erfrischende Stunden bei Rock, Pop, Folk und Latin mit Mara und David, Gesang und Gitarre.
Am Campingplatz brennt noch das Lagerfeuer als wir zurückkehren, denn heute ist Neptunfest, da beginnt die Nachtruhe etwas später.

Sonnabend, 19.07.2009
Ein letztes Mal bade ich im See, ein letztes Mal sitzen wir vor dem Wohnwagen im Sonnenschein beim Frühstück. Dann geht alles wie gewohnt sehr flott. Einräumen, Strom abschalten, bezahlen, den Wagen anhängen und schon sind wir unterwegs. Es gibt zähflüssigen Verkehr um Berlin herum, das kostet uns weit über eine Stunde, bei Halberstadt wollen wir am liebsten wieder umkehren, als wir die schwarzen Wolken am Harz hängen sehen, in Zellerfeld scheint die Sonne (zum ersten Mal an diesem Tag) und in Windeseile sind Wohnwagen und Auto ausgeräumt.