Aus unserem Tagebuch:
Herbst 2007 - La Palma


Sonnabend, 10. November 2007
Es schneit seit drei Uhr. Vieles erinnert an unseren "Rutschurlaub" vor einigen Jahren. Aber wir haben viel Pufferzeit eingeplant und können deshalb behutsam vom Harz hinunterfahren. Bei strömendem Regen erreichen wir Langenhagen. Vor dem Schalter von Air Berlin verlieren sich einige Reisende, nach zwei Minuten haben wir eingecheckt. Welch ein Unterschied zu den endlosen Schlangen, die wir auf der Australienreise vor und hinter uns hatten.
Im Flugzeug ist nur jeder dritte Platz belegt, wir sitzen in unserer Dreierreihe deshalb auch allein. Wir starten ganz pünktlich, lassen die Wolken bald unter uns und fliegen nun in strahlendem Sonnenschein. Kaum sind die Flugbegleiterinnen mit Snacks und Kaffee durch, beginnt auch schon der Landeanflug auf Zürich.
Die Schweizer sind besonders gründlich, wir müssen noch einmal durch eine Sicherheitsschleuse, zum ersten Mal muss ich sogar den Laptop aus dem Rucksack packen. Da der etwas öde Flughafen nichts zu bieten hat, setzen wir uns nach einem kurzen Rundgang vor unser Abfluggate und schauen hinaus auf nebelig-regnerische Flugfeld. Nach einer Stunde werden wir zum Boarding aufgerufen, wieder mit Passkontrolle. Diesmal ist das Flugzeug voll, aber wir haben wieder einen schönen Fensterplatz in der Mitte der Maschine. Wir überfliegen das Rhonetal, es ist alles gut zu erkennen, bei Biarritz lassen wir die Pyrenäen hinter uns, hinweg über Spanien und Portugal erreichen wir den Atlantik. Inzwischen haben wir mitbekommen, dass wir unsere Uhren eine Stunde zurückstellen müssen, so kommen wir auf vier Stunden Flugzeit. Der Kapitän verkündet, dass uns La Palma mit vierundzwanzig Grad und Wolken erwartet. Als wir den Flieger verlassen, kommen wir uns vor wie in Cairns: Feucht und warm ist es, der Flughafen klein und verträumt. Es gibt keine Kontrollen mehr, draußen erwartet uns Jose von der Firma Yanes. Wir gehen mit ihm zum Parkplatz, er drückt mir einen Autoschlüssel in die Hand, weist auf ein gelbes Auto, einen Hyundai Accent, wünscht eine gute Reise und fort ist er. Nach kurzer Eingewöhnungsholperstrecke habe ich das Schalten wiederentdeckt. Wir tanken für 80 Cent !!! pro Liter und schrauben uns dann eine abenteuerliche Straße nach oben in die Berge. Von einem Parkplatz aus können wir die Ostküste übersehen, das ist ja fast noch grandioser als die Great Ocean Road. Es geht durch einen vorsintflutlichen Tunnel und dann sind wir auf der Westseite der Insel. Aber welche Enttäuschung, auch hier scheint die Sonne nicht, im Gegenteil, es sieht nach Regen aus. Wir steuern unseren Treffpunkt mit dem Verwalter des Hauses an, hier sehen wir auch unseren Autovermieter wieder. Ganz ohne Formalitäten geht es auch auf La Palma nicht, ich muss den Ausweis vorlegen und eine Unterschrift leisten. Danach fahren wir alle zum Haus. Wir sind angenehm überrascht von der Lage, den Räumlichkeiten und der Ausstattung.
Von Herrn Bretschneider erhalten wir viele Tipps, die wir gar nicht alle verarbeiten können. Das liegt zum Einen an unserer Müdigkeit, zum Anderen daran, dass uns Namen und Örtlichkeiten noch zu wenig vertraut sind. Aber er bietet uns an, ihn jederzeit zu kontaktieren, wenn wir Fragen haben. Immer noch sind die Formalitäten auf ein Mindestmaß beschränkt, wir können kaum glauben, dass hier alles auf Vertrauen basiert. Die Miete für das Haus sollen wir irgendwann bezahlen, den Schlüssel beim Auszug von außen stecken lassen, das Auto sollen wir am Flughafen irgendwo abstellen, aber es bloß nicht verschließen. Wird hier nichts entwendet? Wohin sollen Diebe auch entschwinden? Die Insel ist klein und übersichtlich, der Tourismus ist nicht so überbordend wie auf den anderen Inseln. Na, wir werden uns wohlfühlen.
Wir packen aus, ziehen uns leichtere Kleidung an und dann gehen wir zu Fuß zum Supermarkt, nur einige Minuten von unserem Haus entfernt. Wir versorgen uns mit Grundnahrungsmitteln, kehren zurück, trinken einen Kaffee auf unserem kleinen Balkon vor der Küche.
Wir schauen direkt nach Westen aufs Meer, d.h. wenn wir es sehen könnten, denn der Dunst verschleiert heute alles. Im Norden steigen direkt hinter der Stadt die Berge hoch zum Calderarand steil an, da juckt es schon in den Füßen. Unsere Terrasse auf der Ostseite werden wir wohl eher zum Frühstücken nutzen mit Orangen direkt vom Baum als Vorspeise.
Für heute machen wir uns erst einmal zu einer Erkundungstour durch die kleine Stadt auf die Beine. Dabei gewinnen wir erste Eindrücke: Es blühen Blumen und Büsche hier, die wir noch nie gesehen haben, von den Bäumen kann man Walnüsse, Mandeln und Apfelsinen pflücken, unser Haus liegt in einer ruhigen Ecke der Stadt, die Wanderungen werden ganz schön anstrengend werden, denn die Steigungen sind beachtlich.
Mit einem erneuten Abstecher zum Supermarkt kehren wir in der sehr plötzlich einfallenden Dunkelheit zurück. Wir stellen uns schnell den Untermietern vor, die inzwischen von ihrer Wanderung zurück sind, ein junges Paar, das noch eine Woche lang hier wohnen wird. Ich bereite Tacos mit Mojos zu, für mehr reicht es heute nicht.

Sonntag, 11. November 2007
Um halb sieben ist für mich die Nacht zu Ende. Ich setze mich in die Küche, koche mir einen Kaffee, öffne die Balkontür und lasse mir die warme Meerluft um die Nase wehen. Der Wind hat stark aufgefrischt, ich hoffe, dass er auch die gestrigen Wolken vertreibt. Viel sehen kann ich noch nicht, denn draußen ist es stockduster. Vor mir liegen Wanderkarte und Führer, schon gestern haben wir eine moderate Tour hier ganz in der Nähe herausgesucht. Sie soll 4 bis 5 Stunden dauern und schöne Blicke sowohl auf die Ost- als auch auf die Westküste bieten. Wir werden sehen.
Es ist doch anders gekommen. Während des Frühstücks ist der Himmel bedeckt, da ist es sinnlos, zu einem Ziel zu wandern, für das man gute Sicht braucht. Der Führer schlägt noch weitere Ziele in der näheren Umgebung vor, wir entscheiden uns für die Besteigung des Vulkans San Juan. Schon die Fahrt nach San Nicolas ist die Entscheidung wert. Es blüht hier überall, die Straße führt durch breite Lavaströme, der Dunst gibt immer mehr Sicht auf den Ozean frei. In San Nicolas steigen wir in die Wanderstiefel, schultern die Rucksäcke und beginnen den Aufstieg. Nach fünfhundert Metern zweigt links ein Sträßchen zur "Virgin de la Fatima" ab. Da wir viel Zeit haben, die gesamte Wanderung soll viereinhalb Stunden dauern, machen wir den kleinen Abstecher. Und er lohnt sich. Die winzige Freiluftkapelle ist direkt am Ende eines noch jungen Lavastroms errichtet worden. Ein Bauer hatte das Gelübde abgelegt, eine Kapelle zu stiften, sollte sein Haus beim Ausbruch des San Juan im Jahre 1949 verschont bleiben. Der Lavastrom teilte sich, das Haus blieb stehen und die Kapelle wurde mit seinen geringen Mitteln errichtet. Dass die Lava noch nicht alt ist, sieht man sofort. Es gibt kaum Bewuchs darauf, höchstens einige Flechten und Kakteen haben Fuß gefasst. Sonst ist der Strom, der hier eine Breite von mehreren hundert Metern hat, pechschwarz und unberührt. Für uns ist es das erste Zusammentreffen mit den Naturgewalten aus dem Erdinneren, es soll heute aber nicht das letzte sein. Der Weg steigt zwischen den Häusern und später den Weingärten steil an. Die Wolken haben sich verzogen, die Sonne kocht uns. Nach einer Stunde haben wir den Wald erreicht. Der Schatten kühlt ein wenig, dafür wird der Weg aber alpin. Schmal windet sich der Pfad im Zickzack den Hang empor, allerdings gibt es auch brauchbare Unterbrechungen.
Links locken reife Feigen, sie wollen unbedingt gepflückt und verspeist werden. Der Kastanienbaum gleich nebenan hat mir seine Früchte vor die Füße geworfen. Die Rosetten des Hauswurz in allen Spielarten müssen fotografiert werden und immer wieder gibt es beeindruckende Blicke ins Tal. Nach zweieinhalb harten Stunden haben wir die Hoyo de la Sima erreicht, das ist unser höchster Punkt für heute. Außerdem haben wir hier wieder einen Kontakt mit dem Erdinneren. Ein furchterregendes Loch führt steil in die Tiefe. Wir können uns richtig vorstellen, wie hier die Magma an die Erdoberfläche tritt und dann zu Tal fließt.
Es ist angenehm auf 1250 m Höhe. Es geht ein leichter Wind und im Halbschatten lassen wir uns zu einer längeren Pause nieder. Der Weiterweg führt auf einem Forstweg nach Norden. Unzählige Spuren künden von Mountainbikern, wir sehen aber keinen. Trotzdem kann ich mir vorstellen, auf solchen Wegen unterwegs zu sein, in diesem Jahr laufen wir allerdings. Und das jetzt bergab. Unser Führer sagt, wir sollen die Hinweise "privado" ignorieren, trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl, als wir die Absperrung unterkriechen und uns einer Hütte nähern. Kommt jetzt ein schwarzer Hund herausgerast? Nichts regt sich. Der Bauer will wohl nur die Passanten davon abhalten sich an seinen Kastanien und Feigen zu laben. Wie überall ist der Weg gut ausgeschildert, deshalb haben wir auch keine Mühe, den Abzweig zum Lavastrom zu finden.
Ist das ein Anblick. Wir stehen einige hundert Meter unter der Austrittsstelle in einer anderen Welt. Fast prüfen wir, ob das Gestein nicht noch fließt, so sieht es jedenfalls aus. Die bizarrsten Gebilde hat die hier oben schnell fließende Lava modelliert. Mal ist der Boden glatt wie eine Asphaltstraße, wenige Meter weiter hat das geschmolzene Gestein Tropfen gebildet, die von Höhlenwänden hängen. Bei jedem Schritt klirrt es leise, als ob wir über Glas laufen, später hört sich unser Tritt hohl an. Die Oberfläche des erstarrten Gesteins glitzert blauschwarz, wenn man einen Stein lösen kann, sieht die Unterseite aus wie Schlacke. An der Wetterseite haben sich erste Flechten festgekrallt, ansonsten gibt es keine Anzeichen von Vegetation in diesem Bereich. Bei der Pause muss Elke noch nicht einmal eine Unterlage aus dem Rucksack ziehen, das schwarze Gestein ist deutlich wärmer als 40 Grad. Lange sitzen wir hier und schauen und staunen.
Wir entschließen uns, den im Führer vorgeschlagenen Abstieg durch das Bachbett zu wählen. Hier ist es steil und rutschig, gut, dass Elke ihre Stöcke mitgenommen hat. Immer wieder kommen wir an eindrucksvollen Stellen der Vulkantätigkeit vorbei, erst weiter unten hat die Kultur die Natur besiegt. Wir steigen auf einem schmalen Weg, der zwischen zwei Mauern, die ehemalige Weinfelder begrenzen, verläuft, ins Tal hinab. Nach fünf Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt.
Den Schweiß der Tour waschen wir uns im Atlantik ab. Dazu fahren wir Puerto Naos, ein für palmerische Verhältnisse mondäner Badeort. Am schwarzen Sandstrand springen wir ins Wasser, die Wellen halten zwar keinen Vergleich mit Australien aus, aber es erfrischt und duschen können wir anschließend dort auch gleich noch. Das Hinterland ist erschreckend. Steil bricht hier die Küste über mehrere hundert Meter zum Meer hin ab. Man schaut nur auf nackte Felsen, ab und zu unterbrochen von den Planen der Bananenplantagen, die man hier angesiedelt hat. Als wir um sechs auf unserem Balkon sitzen und unser erstes Glas Wein trinken, sind wir froh, diese Wohnung ausgesucht zu haben.

Montag, 12. November 2007
Wieder sehe ich vom Himmel gar nichts, weil es noch dunkel ist, als ich mir um halb sieben den ersten Kaffee koche und anfange, Bilder zu sortieren. Aber als es langsam dämmert, stellt sich heraus, dass wieder solch ein schöner Tag wie gestern zu erwarten ist. Deshalb ist unsere heutige Tour schnell klar: Wir werden nach El Pilar fahren, dort das Auto parken, den Birigoyo besteigen und anschließend einen Teil der Vulkanroute laufen. Höhepunkt wird der Nambroque mit 1924 m sein. In einer großen Kurve geht es von dort zurück zum Ausgangspunkt. Nicht sehr spektakulär von dieser Beschreibung her, was wir heute aber alles sehen, stellt den gestrigen Tag in den Schatten. Es fängt schon mit der Fahrt nach El Pilar an. Acht Kilometer weit windet sich das Sträßchen durch Lavafelder und lichte Pinienwälder bis auf 1440 m Höhe. So hoch waren wir gestern nicht, als wir den höchsten Punkt erreicht hatten. So ist es auch entsprechend kühler, als wir quer über den Rastplatz mit unzähligen Grillstellen und einem Super-Klo zum Einstieg der heutigen Route gehen.
Der Weg steigt moderat an, führt dauernd im Schatten entlang und gibt immer wieder fabelhafte Blicke in die Caldera de Taburiente frei. Den ersten Abzweig zum Birigoyo ignorieren wir, wie es im Führer steht, an dem zweiten laufen wir, ohne ihn als solchen zu erkennen, vorbei. So stehen wir schließlich an der Südseite des Berges, allerdings gibt es hier einen Wegweiser. Es geht im Zickzack einen steilen Hang empor, dann stehen wir auf einem Kraterrand und bekommen den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Vor uns, zum Greifen nahe erhebt sich unser erstes Ziel, ein Gipfel, wie man ihn malen würde, ebenmäßig, baumlos, völlig freistehend. Wir müssen noch eine kleine Senke durchqueren, dann stehen wir oben am Vermessungspunkt. Es gibt eine fast 360 Grad Sicht. Im Norden erheben sich die Ketten der Caldera, an deren Fuß sind die Häuser von El Paso und Los Llanos hingetupft, im Osten liegt unter uns Santa Cruz, fast schon in den Wolken, aus denen am Horizont der Teide auf Teneriffa herausragt. Im Westen schauen wir auf den blauen Atlantik, davor liegen allerdings noch die überdachten Bananenplantagen. Nur nach Süden ist die Sicht eingeschränkt durch die noch höheren Gipfel der Cumbre Vieja, die unser nächstes Ziel sein werden. Inzwischen sind noch weitere Wanderer eingetroffen, jene, die offenbar den direkteren Weg gewählt haben, den wir nicht gefunden haben. Nach der ausgiebigen Pause gehen wir auf dem uns nun schon bekannten Weg zurück bis zu der steilen Schneise, rutschen diese hinunter und finden diesmal den richtigen Abzweig . Elke ist es zu verdanken, dass wir an einer kleinen Lichtung die nächste Hürde nehmen. Zwischen zwei Steinhaufen führt ein Pfad direkt in den Wald hinein, kaum sichtbar unter dem dichten Teppich von Nadeln der Pinien.
In der Diretissima stapfen wir durch feinen Lavasand nach oben, zwei Schritte vor, einen zurück. Oben angelangt dürfen wir nach einer kurzen Verschnaufpause auch gleich wieder auf der anderen Seite absteigen. Und das wird unser Rhythmus während der nächsten Stunden, Gipfel, Sattel, Gipfel, Sattel. Dabei ist der Weg so abwechslungsreich. Mal queren wir tiefschwarze Hänge, mal sind sie ockergelb bis rot. Mal ist der Untergrund felsig, mal haben wir feinen Sand unter den Stiefeln. Mal liegt ein Hang völlig unbewachsen wie eine Riesendüne vor uns, mal bedeckt lockerer Pinienwald die Flanken. Am Hoyo Negro erwartet uns der nächste Höhepunkt. Wir schauen in einen 1949 zum letzten Mal aktiven Krater hinein. Schwarz sind die Abbrüche, wir schätzen sie auf 300 Meter. Ein wenig gruselig ist dieser Blick schon, eigentlich fehlt nur noch ein wenig Grollen aus der Tiefe.
Von hier zum Nambroque sind es nur wenige Minuten. Der Führer hat nicht zu viel versprochen, die Sicht von hier nach Süden ist fantastisch. Zwischen den Doppelgipfeln der Deseada lugt sogar die Nachbarinsel Hierro hervor. Natürlich würden wir am liebsten auch noch auf diese Gipfel steigen, aber die Zeit ist fortgeschritten durch unsere vielen Pausen und die Fotostopps, wir müssen uns auf den Heimweg machen. Auf der Vulkanroute geht es eine Viertelstunde lang zurück, dann biegen wir ab in Richtung auf Las Moscas. Noch einmal müssen wir einen breiten Lavastrom überqueren, danach taucht der Weg in dichten Wald ein. Wir laufen und laufen, das sind Wege, die wir beide nicht besonders mögen, aber nun müssen wir durch. Nach zwei Stunden erreichen wir El Pilar. Sieben Stunden waren wir auf den Beinen, das reicht.

Dienstag, 13. November 2007
Das waren eigentlich zwei Tage. Schon um 10 Uhr befinden wir uns auf der Strecke zur Cumbrecita, ein Aussichtspunkt oberhalb El Pasos im Nationalpark der Caldera. Die Straße wird für bergauf fahrende Autos von 11 bis 14 Uhr gesperrt, damit die vielen Besucher in Ruhe und ungefährdet wieder nach unten fahren können. Durch einen lichten Pinienwald geht es wie gestern nach oben, nur dass die zwei Parkplätze am Ende der Straße sehr klein sind und wir von einer Rangerin auf Handbreite an eine Mauer heran gelotst werden. Ich muss sogar über die Beifahrerseite aussteigen. Heute haben wir nur die leichten Schuhe angezogen, denn der Weg zu den Aussichtspunkten soll fast eben verlaufen. Auf einem breiten Forstweg gelangen wir zum ersten Punkt "Lomo de las Chozas". Hier schaut man tief in die Caldera hinab.
Die gegenüber liegenden Südwände brechen von 2426 m senkrecht auf 750 m herab. Wir bekommen ein wenig Grand Canon Gefühl. Auch auf dem Weiterweg, der einige Meter tiefer am Hang jede kleine Einbuchtung mitnimmt und auch nur ein schmaler Wanderweg ist, gibt es immer wieder Tief- und Weitblicke in die Caldera. Am "Mirador de los Roques", der nächsten Aussichtskanzel, ist der schöne Waldweg zu Ende.
Allerdings haben wir schon vorher einen Pfad erspäht, der sich durch die östlichen Steilabbrüche windet. Und tatsächlich, er ist hier auch ausgeschildert. Er führt später bis hinunter bis in den Talgrund, ist aber mit Vorsicht zu begehen. Wir folgen ihm einige hundert Meter, dann wird er für Elke zu schmal und ausgesetzt. Sie setzt sich auf ein Mäuerchen, ich laufe noch ein Stück weiter, um einige Fotos vom weiteren Verlauf zu machen, die ich ihr später zeigen kann. Der Führer hat nicht übertrieben. Wer hier nicht schwindelfrei ist, sollte umkehren. Dabei haben wir die mit Ketten und Seilen versicherten Stellen noch nicht einmal erreicht.
Wir essen unsere Jause und machen uns dann auf den Rückweg. Im Aufstieg überholen wir ein älteres Paar, mit denen wir uns eine ganze Weile unterhalten. Sie sind schon zum dritten Mal auf La Palma, wandern jeden Tag und kommen immer wieder ins Staunen über die Vielfalt dieser Insel. Wir sind jetzt drei Stunden hier oben herumgestiegen. Der Parkplatz hat sich sehr geleert, die Autos, die hier jetzt noch stehen, gehören den Wanderern, die von hier aus den Pico Bejenado besteigen, ein Berg, der auch auf uns wartet. Wir rollen gemütlich nach unten, machen einen Absteche zur Kapelle "Ermita Virgen del Pino" zum Fotografieren und fahren auf Nebenstraßen zurück nach El Paso. Erst später stellen wir fest, dass wir nun doch nicht die Besucherinformation besucht haben.
Da liegen wir aber schon am schwarzen Strand von Puerto Tazacorte und ich habe auch schon mein erstes Bad hinter mir. Die Sonne, die von einem wolkenlosen Himmel scheint, die drei Stunden Wanderung am Vormittag und das monotone Rauschen der Brandung sorgen dafür, dass wir beide in einen kurzen aber tiefen Schlaf fallen.
So gestärkt machen wir uns auf, um das Fischrestaurant zu suchen, das man uns empfohlen hat. Aber leider hat es geschlossen. Macht nichts, es gibt noch mindestens zehn weitere hier. Wir laufen gar nicht weit, denn gleich am Beginn der Promenade lockt eines mit einer Fischgrillplatte mit Salat, Kartoffeln und Mojo für 2 Personen. Elke trinkt ein Bier dazu, ich eine Cola, am Ende bezahlen wir 22 Euro. Kann man nicht meckern, auch wenn wir beide uns eigentlich eine größere Auswahl an verschiedenen Fischen erhofft hatten. Es gab nur zwei Sorten, die waren aber lecker und reichlich.
Nun sitzen wir am Tisch und wälzen Wanderführer.

Mittwoch, 14. November 2007
Der Pico Bejenado ist sozusagen unser Hausberg, wir sehen von unserem Balkon auf ihn. Und es soll ein sehr schöner Aussichtsberg sein, mit besten Blicken in die Caldera. Beim gestrigen Besuch der Cumbrecita hatten wir auch schon den Einstieg gesehen, es gibt allerdings noch eine andere Route, die weiter unten beginnt und sich lange durch den Wald zieht. Elke vermutet das Schlimmstes, denn der neue Weg ist in keiner Karte, in keinem Führer vermerkt.
Wir fahren trotzdem hoch zum Parkplatz, lassen uns auch von dem Hinweis "schwindelerregender Aufstieg, nicht für Ungeübte und Übergewichtige" schrecken und steigen den Weg, der sich in Serpentinen durch einen steilen Waldhang zieht, nach oben. An einer Stelle ist sogar ein massives Geländer angebracht, danach zwei Meter Kette, ansonsten ist es nirgendwo schwierig oder ausgesetzt.
Nach einer Stunde erreichen wir den Zusammenschluss der Wege, von nun an geht es durch den Südhang auf den Gipfel hinauf. Der Weg ist weiterhin in einem vorzüglichen Zustand, an den steilsten Stellen hat man sogar komfortable Treppen angelegt. Hin und wieder ist ein Blick in die Caldera zu erhaschen, ansonsten ist es hier der Blick nach Süden ins Aridanetal, der uns immer wieder anhalten lässt.
Kurz vorm Gipfel kommt uns die erste Wanderin entgegen, wir sind also doch nicht die ersten heute hier oben. Und oben stehen noch zwei spanische Paare am Gipfelkreuz.
Der Blick in die Caldera übertrifft den von gestern bei weitem. Wir stehen auch westlicher und höher und ausgesetzter, wenn ich bis vor an den Absturz gehe, kann ich fast senkrecht nach unten sehen, 1000 m tief.
Das kleine Gipfelplateau füllt sich inzwischen, ich habe aber ein Plätzchen fünfzig Meter weiter ausgemacht, zu dem wir hingehen. Hier sind wir eine halbe Stunde ganz allein mit Eidechsen und Raben und einem Blick, der vom westlichen Calderarand bis Puerto Tazacorte und weiter nach Amerika reicht. Wir fragen uns, warum wir Pullover (Elke) und Anorak (ich) mitgeschleppt haben, denn inzwischen ist kaum noch ein Wölkchen am Himmel zu sehen und die Sonne setzt uns gewaltig zu.
Während des Abstiegs überholen wir das Paar, das wir beim Aufbruch getroffen haben. Sie wundern sich, dass sie uns am Gipfel nicht angetroffen haben und wir klären sie auf. Der Weg durch den Wald ist ein wenig ruschelig, aber Elke meistert auch diese Schwierigkeit souverän. Gegen halb drei stehen wir am Auto, rollen schnell nach unten zur Besucherinformation, erhalten dort Gewissheit, dass die Caldera während der Woche gesperrt ist und dass auch am Wochenende keine Autos fahren können, und kurze Zeit später schwimmen wir in Puerto Tazacorte im Meer. Das ist schon eine tolle Kombination, Bergsteigen und Baden im Ozean.

Donnerstag, 15. November 2007
Die Tour zum Roque de Los Muchachos haben wir erst einmal verworfen, die Caldera kommt später wieder dran. Im Süden soll es einen schönen Vulkan geben, den Vulkan Martin, sozusagen der südliche Eckpunkt der Vulkanroute. Dorthin fahren wir. Kaum sind wir auf der Straße, bietet sich uns DAS La Palma-Bild dar: Der Wolkenwasserfall schwappt über die Cumbre.
Das muss im Foto festgehalten werden. Ich wende, wir fahren bis zur Kapelle beim Infozentrum, aber so richtig will sich die Cumbre von hier nicht zeigen. Ich denke, wir müssen zu diesem Foto auf die Cumbrecita fahren. Aber nicht heute.
Auf streckenweise spektakulärer Straße fahren wir nach Los Canarios, früher hieß das Fuencaliente. Hier hole ich die Landkarte hervor. Trotzdem finden wir auf der Weiterfahrt den Forstweg, den wir einschlagen sollen, nicht. Im Führer lesen wir nach. Bei Kilometer 25,5 sollen wir abbiegen. Wir wenden. Kilometer 25,5 ist mitten im Ort, das kann es nicht sein. Wir fahren wieder zu dem Weg, der ausgeschaut hat wie unsere Forststraße und wirklich, bei Kilometer 23,5 auf der LP 2 müssen wir abbiegen. Ein abgeblättertes Schild weist auf "Fuente de Los Roques" hin. Hinter ein paar Häuschen steigt ein Betonweg steil an. Kaum sind wir drauf, sehen wir von oben zwei Autos kommen. Es sind Kleinlastwagen, die Kiefernadeln geladen haben. Elke wird nervös, ich kann aber nach links ausweichen, die LKW passieren und wir können, nachdem wir auf den Beton zurück gerollt sind, weiterfahren. Das ist aber auch die einzige Aufregung, höchstens ist noch zu sagen, dass die Piste sehr ruppig ist, kein Ende nehmen will und immer höher in die dichten Wolken führt. Doch endlich sind wir am Parkplatz angelangt und wir sind nicht die einzigen Gäste hier oben. Mit uns rollt ein weiteres Auto auf den Platz. Ihm entsteigt ein Paar in unserem Alter. Sie wollen auch unsere Tour gehen und beglückwünschen uns zu der Entscheidung, hierher zu kommen. Sie sind schon zum dritten Mal auf La Palma und lieben den Vulkan Martin besonders. Fast im gleichen Tempo steigen wir nach oben, erst durch lichten Kiefernwald, später über ausgedehnte schwarze Aschefelder. Der Grus unter unseren Füßen knirscht wie frisch gefallener Schnee, man sinkt auch so tief ein und bei jeden Schritt nach oben rutscht man ein Stückchen wieder zurück.
Es gibt kaum Vegetation auf den Hängen, Regen hat tiefe Rinnen ausgewaschen. Der Weg ist gut markiert mit Steinmännchen, er wäre aber auch sonst kaum zu verfehlen, ist er als Teilstück der großen Vulkanroute doch ausgetreten, weil reichlich begangen. Auf einem kleinen Sattel grübeln wir an einer Abzweigung über den Weiterweg nach. Wir entscheiden uns, links zu gehen, gelangen dort aber nur zum Kraterrand. Der endgültige Aufstieg zum Gipfel beginnt unten rechts. Es sind noch zehn Minuten bis ganz nach oben. Sind wir bis hierher nur im Sonnenschein gelaufen, ziehen inzwischen die Passatwolken über den Sattel. Es geht ein frischer Wind und wir müssen die Jacken überziehen. Aber immer wieder reißen die Wolken auf und geben Blicke auf die um uns liegenden Vulkankegel frei. Bis zur Deseada können wir nach Norden schauen, im Westen liegen weiße Wolken unter uns und aus dem Osten kommen die Nebel auf uns zu gewalzt.
Von den Nachbarinseln ist heute nichts zu sehen. Wir essen unser Brot, das bekommt eine neugierige Blaukehleneidechse mit. Aber ganz heran traut sie sich doch nicht. Wir lesen im Führer, dass man vom Kraterrand gegenüber in den Krater hinabsteigen und dort eine Tropfwasserhöhle besuchen kann. Wir sehen von hier oben auch Wanderer, die den Weg suchen und nicht finden. Ich merke mir die Stelle genau, wir wandern hinüber, ich verlängere meine Stöcke und schon rutsche ich auf dem Geröll in die Tiefe. Auf der Gegenseite ein kleiner Anstieg, dann stehe ich tatsächlich in einer kleinen Höhle, von deren Decke Wasser tropft. Und das bei dieser Trockenheit! Es füllt sogar einen ausgehöhlten Baumstamm. Hier ist ein ideales Versteck für Fledermäuse, die den Boden dick vollgekotet haben. Ich will Elke nicht zu lange warten lassen, obwohl sie Gesellschaft durch das deutsche Ehepaar hat. In zehn Minuten bin ich wieder bei ihr. Ich war im Krater eines Vulkans!
Der Abstieg ist mehr ein Abrutsch, je steiler das Gelände, desto weiter rutschen wir mit jedem Schritt und desto mehr Steinchen fallen in die Schuhe, denn wir versinken tief in der grauschwarzen Asche. Elke leert sich zweimal die Schuhe aus.
Wir durchlaufen im unteren Abschnitt des Weges einen Kiefernwald mit viel hundert Jahre alten Bäumen. Irgendwann hat die Hitze und Trockenheit den oberen Austrieb geschädigt und nun sind sie in die Breite gewachsen, Prachtexemplare. An einer Weggabelung entscheiden wir uns, die gesamte Tour zu laufen. Wir durchqueren den unteren Teil des Lavastroms, der deutlich älter ist als der des San Juan, denn überall haben sich Pionierpflanzen in den Felsritzen festgekrallt. Einen Kilometer misst die Breite des Lavafeldes hier, dann sind wir am Waldrand und nach sechshundert weiteren Metern am Parkplatz angelangt. Ich erkunde das Ausflugsgelände, während Elke die Schuhe wechselt. Für die Grillstellen liegt sogar gehacktes Feuerholz bereit, die Toiletten sind blitzsauber und das frische Quellwasser schmeckt.
Wir verabschieden uns von unseren Mitwanderern, rollen gemächlich nach unten und sind in einer Stunde in El Paso. Aufs Baden im Meer verzichten wir heute, es ist auch bei uns bewölkt. Deshalb lässt Elke die Badewanne volllaufen und wir befreien uns darin von Staub und Schweiß. Anschließend bummeln wir durch den Ort, kaufen ein, denn wir haben beschlossen, bei uns zu kochen und sitzen nun um neun Uhr gesättigt am Tisch und schmieden Pläne für morgen.

Freitag, 16. November 2007
Heute ist die Route 53 aus dem Rother dran. Sie ist uns gestern von dem Ehepaar empfohlen worden, im Führer ist sie als "Wanderung der Extraklasse" beschrieben. Allerdings verlängern wir sie, denn wir starten schon bei der Ermita Virgen del Pino. Durch einen Wald mit mächtigen Kiefern steigt ein kaum erkennbarer Weg zügig an. Dort, wo er beginnt felsig zu werden, stellen wir fest, dass wir uns auf dem alten Verbindungsweg von der Ost- zur Westküste bewegen. Der gut ein Meter breite Weg, der sich auf einem Felssporn in Serpentinen nach oben windet, ist durchgehend gepflastert.
Wir stellen uns die Mulitreiber vor, die hier barfuß ihre Tiere hochgetrieben haben. Auch für uns mit unserem ordentlichen Schuhwerk, ist der Königsweg, der "camino real" eine arge Plackerei. Immer steiler wird es, doch plötzlich stehen wir oben auf dem Reventon-Pass. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es hier auch Leute, die sich den Anstieg erspart und mit dem Auto hochgefahren sind. Zu sehen gibt es nicht viel. Von Osten steigen die Passatwolken auf und hüllen uns bald ein.
Durch einen schönen Wald mit Kiefern, Lorbeer und Baumheide laufen wir auf einem anfangs bequemen und breiten, später schmaler und steiler werdenden Weg nach Norden.
Genauso schnell wie wir steigen auch die Wolken, so dass wir in einem leicht gespenstisch-diffusen Licht gehen. Nebelfetzen wabern durch den Wald, vom Wind immer höher getrieben.
Von den Bäumen hängen meterlange Flechten, die Büsche glänzen vor Nässe. Der Weg folgt bald dem Kamm und zu unserem Erstaunen dreht der Wind. Die Wolken kommen jetzt aus der Caldera geschossen. Aussicht haben wir nirgendwo. dazu ist die Suppe zu dicht. Jetzt ist es nur noch der schöne Weg, der zum Weitergehen reizt, der Nebel, der durch den Wald treibt und die Höhe von 200o Metern, die vor uns liegt. Wir haben sie am Pico Corraleho erreicht. Und, als ob Mühe und Ausdauer belohnt werden, die Wolken reißen auf, geben schöne Blicke auf die weiteren Berge im Verlauf des Kammes, den Pico Bejenado und den Osthang unter uns frei. Wir ziehen zwar die Jacken über, aber es ist nicht unangenehm hier oben. Wir essen und schauen und beschließen, als die Wolken wieder dichter werden, umzukehren. Von unserem eigentlichen Ziel, der Punta de los Roques aus, können wir heute auch nicht in die Caldera gucken. So sparen wir uns die zusätzliche halbe Stunde Laufzeit und steigen ab. Immer, wenn wir einen kleinen Sattel überschreiten, an dem der Wind besonders heftig weht, beginnt es zu regnen. Die langen Kiefernadeln kämmen die Feuchtigkeit aus der Luft, es bilden sich Tröpfchen, die von den Böen abgeschüttelt werden. Elke legt ein zügiges Tempo vor, sie will nicht zu nass werden. Im Nebel, in dem wir gekommen sind, kehren wir auch wieder zurück, erst zum Reventon-Pass scheint die Sonne wieder. Sie begleitet uns bis ganz nach unten.
Der Weg über die "Pflastersteine" ist steil und wegen der vielen Nadeln auch rutschig, aber wir geben gut acht und kommen heil unten an. Wir sammeln Esskastanien, damit ist auch klar, dass wir wieder selbst kochen.
Nach dem Einkauf machen wir uns an das Menu:
- Tacos mit Mojo rosso picon
- gemischter Salat
- Thunfisch mit Oliven
- Paprikaeier
- Käse
Dann machen wir uns auch noch über die Kastanien her, von denen ich einen Teil geröstet habe. Leider sind trotz vorheriger Auslese viele madig.

Sonnabend, 17. November 2007
Ich stehe gegen halb sieben auf, trete im Dunkeln auf den Balkon und habe nasse Füße. Später als es hell wird, das heißt, so richtig hell wird es gar nicht, sehe ich und kann auch hören, dass es regnet. Wir stecken in dickstem Nebel, das Nachbarhaus ist nur zu ahnen, der Oberharz lässt grüßen. Na, das wird einen Ruhetag geben. Den verbringen wir allerdings nicht im Bett. Schon um zehn Uhr sind wir in der Stadt, geben unsere Postkarten auf und erledigen den Einkauf fürs Wochenende. Es ist ein ungewohntes Bild. Das Wasser kommt die Straßen herunter geschossen, die Menschen ducken sich an den Hauswänden entlang. Wir haben Schirme, da bleiben wir wenigstens von oben trocken. Dabei ist es so warm, dass wir im T-Shirt laufen können.
Wir fahren zur Markthalle in Los Llanos. Als wir dort aus dem Auto steigen, trifft es uns wie ein Schlag, 24 Grad und Schwüle.
Die Halle hat zwar nicht das Flair eines provencalischen Marktes, aber es gibt viele unbekannte Obstsorten zu sehen und Gewürze zu bestaunen. Wir kaufen einige Kleinigkeiten, Gewürz für Mojo und palmerischen Safran (die Staubfäden der Färberdistel). Wir statten der Fußgängerzone einen Besuch ab, bestaunen die riesigen Lorbeerbäume (oder sind es Benjaminos?), ich fotografiere alte Holzfenster und Elke kauft sich zum Andenken eine Halskette aus Lavasteinen.
In El Paso holen wir uns Kuchen, dazu gibt es Kaffee und Tee und nun hören wir dem Plätschern des Regens zu. Das macht müde. Nach einem kleinen Nickerchen fahren wir mit dem Auto nach Las Manchas. Dort hat der Künstler Luis Morrera die Plaza La Glorieta gestaltet.
Der Boden des Platzes ist mit feinen Mosaiken ausgelegt, die die Fauna und Flora La Palmas in ihrer Vielfalt zeigen. Schwarze Kiesel sind zu traditionellen Kreisen und Schleifen zusammengefügt, Sitzbänke gibt es in abwechslungsreichen Farben und Formen. Auf den Beeten dazwischen wachsen viele verschiedne Sorten von Kakteen und bunte Büsche begrenzen den kleinen Park. Uns gefällt es.
In El Paso besuchen wir die Tasca Barbanera, um dort einen Happen zu essen. Herr Bretschneider hatte uns empfohlen, eine Vorspeisenplatte für zwei Personen zu bestellen. Wir folgen dem Rat und erhalten zehn verschiedene Kleinigkeiten: Tintenfisch, Gemüse, Fleisch, alles lecker zubereitet und ausgezeichnet schmeckend. Dazu ein großes Bier und hinterher einen Espresso für zusammen 21 Euro. Gut zufrieden verlassen wir die Kneipe, in der wir ohne Tipp nie gelandet wären. Bekocht hat uns der kanarische Fernsehkoch.

Sonntag, 18. November 2007
In der Badewanne liegt heute Abend nach dem Duschen viel schwarzer Sand . Wo kommt der her? Ich habe nach der Besteigung des Teneguia doch ausgiebig im Meer gebadet.
Als wir am Morgen aus dem Fenster sehen, liegen wieder dicke Wolken über dem Meer. Also ist eine Wanderung in die höheren Regionen ausgeschlossen. Wir fahren deshalb in den Süden, den Vulkan Teneguia kann man sich auch bei trübem Wetter ansehen. Kaum sind wir aus El Paso raus, wird der Nebel immer dichter. Nur selten erhaschen wir einen Blick auf das rechts unter uns liegende Meer. Doch ganz unerwartet verschwinden die Wolken und an der Südspitze der Insel scheint die Sonne von einem tiefblauen Himmel. Es weht ein heftiger Wind, der sorgt dafür, dass sich die Wolken nach Norden verziehen. Wir fahren hinab zum Leuchtturm, stellen das Auto an einer Stelle, an der der Wanderweg die Straße kreuzt, ab, ziehen unsere Wanderstiefel an und laufen auf einem gut markierten Weg in Richtung Vulkan. Wir befinden uns hier im Bereich des letzten Vulkanausbruchs auf La Palma im Jahre 1971.
Hier wächst noch keine Kiefer, ganz vereinzelt hat sich erstes Grün festgesetzt, ansonsten herrscht rings um uns Öde und Wüstenei. Die Farben wechseln von tiefschwarz über grau und ockergelb bis zu zinnoberrot. Im Lavastrom erheben sich haushohe, scharfkantige Blöcke, dann wieder folgt kilometerweit feiner Grus, der oben in die Stiefel fällt.
So geht es eine Stunde lang immer höher, bis links der Krater und dahinter der Gipfel ins Blickfeld treten. Hier oben ist ein Parkplatz, entsprechend viele Menschen bevölkern den Weg. Doch wo ein wenig zu klettern ist, kehren die ersten schon um, so sind wir auf dem Gipfel fast allein. Von hier kann man gut den Lavastrom verfolgen, wie er sich mehrfach geteilt hat und dann über den Steilabbruch ins Meer gerutscht ist.
Unten am Ufer haben sie schon Bananenterrassen auf den schwarzen Felsen angelegt, weiter oben wächst auf den Aschefeldern der erste Wein. Beim Abstieg nehmen wir an mehreren Stellen den Schwefelgeruch wahr, der in der Luft hängt.
Wir kehren nicht auf dem selben Weg zurück, den wir aufgestiegen sind, sondern folgen einem Wasserkanal in westliche Richtung, picknicken im Windschatten und steigen anschließend auf Nebenwegen durch die schwarze Sandwüste nach unten. Am Auto wechseln wir die Schuhe, rollen ganz hinunter zum Faro, stellen fest, dass man hier schlecht baden kann, fahren ein Stück zurück und schlagen eine Nebenstraße nach Norden ein. Gleich hinter der nächsten Kurve entdecken wir links eine Traumbucht. Links und rechts wird sie von hohen Klippen begrenzt und die Brandung rollt direkt hinein. Es sind auch einige Menschen am Strand und im Wasser zu entdecken. Wir stellen das Auto ab, folgen einem bequemen Weg über die Felsen und Kiesel, suchen uns ein nettes Plätzchen und schon bin ich im Wasser. Australische Brandung gibt es hier, meterhoch, dazu einen recht feinsandigen Strand. Da tut es nicht so weh, wenn einen die Brecher darauf werfen.
Mit weiteren Badenden vergnüge ich mich bestimmt eine halbe Stunde in den Wellen, nach einer Pause kann ich einem erneuten Bade nicht widerstehen. Und seitdem habe ich in allen möglichen und unmöglichen Körperöffnungen schwarzen Sand.
Auf dem Rückweg fahren wir über Sta. Cruz. Das Aridanetal nach dem Tunnel ist leicht verhangen, in der Abendsonne sieht das sehr schön aus. Ich habe eine Rindfleischsuppe vorbereitet, die ich mit Schinken und Chorizo anreichere, bevor ich das TK-Gemüse hineingebe. Welche Überraschung - Tintenfisch, Langustenschwänze und Krabben rutschen mit dem Gemüse aus der Tüte in den Topf. Nun denn, schnell noch etwas grünen Mojo dazu, fertig ist ein Gericht "Wasser und Erde" oder "agua y terra", das uns beiden mundet und wert ist, in der Heimat nachgekocht zu werden.

Montag, 19. November 2007
Um sieben Uhr werde ich durch seltsame Geräusche wach. Beim Blick aus dem Fenster bestätigt sich meine Vermutung, es schüttet wie aus Kübeln, ein richtiger Tropenregen kommt herunter.
Jetzt ist es fast zehn Uhr und es gießt immer noch. Also frühstücken wir erst einmal in aller Ruhe. Der Regen wird geringer, später dreht der Himmel die Schleusen ganz zu. Wir fahren hinunter nach Tazacorte, um uns den kleinen bunten Ort anzuschauen.
Schon vor Laguna, können wir sehen, dass der gesamte Küstenstreifen in der Sonne liegt und beim Aussteigen können wir es auch fühlen. Es ist wieder einmal schwül und heiß, wie in den Tropen. Und wir tragen lange Hosen und Unterhemden!
Die schmalen Gassen mit den vielen Treppen lassen wenig Sonnenlicht einfallen, das ist gut, weil wir nicht so stark schwitzen. Wir bummeln durch eine Stadt mit zwei Gesichtern: Ein Teil der Häuser scheint dem Verfall preisgegeben, andere sind mustergültig restauriert. Am zentralen Platz werden wie in Las Manchas wunderschöne Mosaike verlegt, gleich daneben erheben sich vierstöckige Bauruinen.
Für eine Weiterfahrt nach Puerto de Tazacorte ist es mir zu heiß, meinen Kaffee trinke ich lieber im kühlen El Paso.
Am Nachmittag laufen wir zu den Felspetroglyphen von La Fajana. Wir gehen bis ans Ende der Stadt, schlagen dann einen steilen Feldweg ein und steigen durch Kakteenfelder zu den Felsbildern empor. Sie sind gegen Vandalismus durch ein starkes Gitter gesichert, lassen sich aber gut fotografieren. Auf dem Rückweg breche ich drei Kaktusfrüchte ab, nachdem ich sie so gut wie möglich entstachelt habe. Dennoch bleiben einige der feinen Piekser in den Fingern stecken und jucken nun schon eine Weile lang.
Wir besorgen am Automaten Geld, um die Wohnung zu bezahlen, bevor wir zum Haus zurückkehren. Ich koche, Elke blättert in mitgebrachten Prospekten. Gegen sechs Uhr regnet es wieder, die Wolken werden immer dichter.

Dienstag, 20. November 2007
Nebel, Regen, und so soll es auch bleiben, verkündet eine Touristin in Santa Cruz, die sich lauthals über das Wetter beschwert, das auch nicht mehr das ist, was es mal war. Früher hat es nämlich im November nie geregnet!??
Bevor uns die Decke auf den Kopf zu fallen droht wegen des Ausharrens und Wartens auf Sonnenschein setzen wir uns ins Auto und fahren die paar Kilometer durch den Tunnel auf die Ostseite der Insel nach Santa Cruz. Hier gibt es auch Wolken, aber nicht so dicht, und blauer Himmel ist über dem Wasser auch schon zu entdecken. Die Stadt selber liegt im Sonnenschein, wir haben alles richtig gemacht.
Vor dem Stadtbummel liegt als Hürde allerdings die Parkplatzsuche. Nach mehreren vergebliche Anläufen, die im Gassengewühl der Oberstadt enden, fahren wir wieder ein Stück aus der Stadt und stellen uns an die Hafenstraße direkt gegenüber des Kreuzfahrtschiffs "Aida-diva". Und hier holt uns der Regen ein. Gerade als wir uns umziehen, hier ist es deutlich wärmer als in El Paso, kommt ein Schauer herunter, der uns wieder ins Auto flüchten lässt.
Elke entschließt sich für Bergstiefel, ich bevorzuge Sandalen an nackten Füßen, so machen wir uns nach dem Guss auf zur Stadterkundung. Immer unterm Regenschirm klappern wir die Sehenswürdigkeiten ab. Mal nieselt es, mal scheint die Sonne, dann wieder müssen wir vor einem Guss ins nächste Haus flüchten.
Es ist Mittagszeit, es herrscht wenig Verkehr, das hat für uns den Vorteil, dass wir uns die prächtigen Gebäude in Ruhe anschauen können. Fünfhundert Jahre sind sie alt und in einem hervorragenden Zustand.
Wir erreichen die Hafenstraße mit den Balkonhäusern, wir laufen am Nachbau der Santa Maria vorbei, wir schauen in das eine oder andere Restaurant (zu vornehm, zu gammelig), wir kaufen zwei Stückchen Kuchen und essen ihn während des Gehens und erreichen so einige Stunden später wieder unser Auto, nicht ohne auf den letzten hundert Metern noch einmal richtig nass zu werden. Trotzdem war der Bummel schön. Es war warm, windstill und wir haben sicher die bessere Wetterseite erwischt.
Unsere Vermutung bewahrheitet sich, als wir die Rückfahrt antreten. In den Bergen laufen die Scheibenwischer auf höchster Stufe, in Kaskaden kommt das Wasser die Straße herunter geschossen. Unser Hof steht völlig unter Wasser, so doll hat es geschüttet.
Plötzlich reißt der Himmel auf und wir können bis Tazacorte und zum Meer sehen. Ein komisches Wetter ist das hier.

Mittwoch, 21. November 2007
Welch ein Gegensatz: In El Paso Wolken, Nebel, Regen, in Tijarafe klarer Himmel, Sonne, Hitze.
Gut, dass wir uns nach dem Bezahlen der Rechnungen bei Yanes (450 Euro für die Wohnung in bar, 282,52 Euro für das Auto mit Karte) auf den Weg gemacht haben. Die Fahrt von Los Llanos durch das Tal hoch nach El Time ist schon ein Abenteuer. Man kann die gesamte Strecke über 600 Höhenmeter von unten einsehen - Kurven, Brücken, Durchbrüche, Engstellen. Oben herrscht Nebel, wir müssen ein Weilchen warten, ehe der Blick nach Puerto de Tazacorte frei wird.
In Tijarafe finden wir sofort die kleine Straße, die zum Strand von La Veta führen soll. Wenn ich vorhin von Abenteuer geschrieben habe, fehlt mir jetzt die Steigerung. Anfangs noch gemächlich und fast für zwei Autos in der Breite zu befahren, wird das Sträßchen immer steiler und schmaler. Einmal kommt uns ein Pickup entgegen, aber wir können uns gut ausweichen. Wir lassen die letzte Bananenplantage hinter uns. Auf der Straße liegen Sand und faustgroßes Geröll, alles beim gestrigen Regen auf die Fahrbahn gespült. Elke sitzt auch noch auf der falschen Seite. In ganz engen Kehren, natürlich völlig ungesichert, geht es die Steilwand hinunter, fünfhundert Meter tiefer als der Ausgangspunkt sind wir schon. Auf einer kleinen Ausweichstelle links am Rand steht ein Opel Corsa, nach der nächsten Kehre wissen wir, warum gerade hier. Ein Erdrutsch hat die Straße blockiert, es gibt keine Chance auf Weiterkommen. Die einzige Ausweichstelle ist besetzt, wir müssen rückwärts wieder hoch. Und das bei der schlechten Sicht nach hinten. Elke klappt den Kofferraum auf und läuft vornweg, so kann ich mich an ihr orientieren. Den Rest erledige ich über die Spiegel. Mit zeitweise schleifender Kupplung schleiche ich nach oben. Schließlich gibt es auch für uns eine Stelle, an der sich wenden lässt. Ich stelle das Auto am Rand ab, wir sichern es gegen Abrollen mit Steinen, dann packen wir den Rucksack und wandern gemeinsam die gesamte Strecke wieder nach unten.
Nach dem eigentlichen "Parkplatz" unterhalb der Verschüttung wird der Weg noch enger, außerdem ist er sehr ausgewaschen. Wenig später stehen wir vor einem kurzen Tunnel. Im nächsten Jahr wird er sicher beleuchtet sein, heute müssen wir uns noch durchtasten. Der folgende Abschnitt ist durch einen Zaun gesichert, das ist auch nötig, die Wand fällt hier senkrecht ab. Später folgen viele Treppenstufen, dann können wir die Buden in der Bucht erkennen.
Während des gesamten Abstiegs haben wir tolle Blicke auf die nördlich und südlich von uns liegende Steilküste. Unter uns rollt die hohe Dünung des Atlantiks dagegen an. Je tiefer wir kommen, desto gewaltiger wird das Getöse der Brandung. Ich beruhige Elke schon jetzt: Hier werde ich nicht baden. Die Bucht ist malerisch- Zwar ist der Sandstrand völlig in der Gischt verschwunden, so hoch steht heute das Wasser, aber selbst der Rest des Geröll und Kiesstrandes lässt eine Ahnung davon aufkommen, wie schön es hier im Sommer sein mag.
Nachdem wir einen Schauer unter einem überhängenden Felsen abgewartet haben, gehen wir ganz hinunter ins "Dorf". Bestimmt zwanzig Wochenendhäuser sind hier an und in die Felsen gebaut worden. Die "Plaza" ist von riesigen Gummibäumen beschattet. Bei diesem Wetter ist natürlich niemand der Besitzer anwesend, die Boote sind schon alle hoch in die Felsen gezogen worden, damit sie dort den Winter überstehen. Noch drei Touristen, das müssen die aus dem Corsa sein, steigen mit uns in den Felsen herum. Wir gehen das Stück bis zum Anleger, dort kündigt sich der nächste Schauer an und wir suchen Unterschlupf unter dem Vordach eines Häuschens. Für Regen ist das nicht gedacht, eher als Sonnenschutz, deshalb müssen wir auch hier die Schirme aufspannen. Während der Pause lassen wir das gewaltige Grollen und Schwappen der Brandung auf uns wirken.
Kaum hat sich der Regen gelegt, machen wir uns auf den Rückweg, um trocken oben anzukommen. Am Auto stellen wir fest, dass die Eile unnötig war, wir sind auch so klatschnass, aber vom Schwitzen. Ich kann mein Unterhemd auswringen. Sonne und Feuchtigkeit sorgen wieder einmal für Tropengefühl. Gut, dass wir unsere Badesachen dabei haben, so können wir uns abtrocknen, ehe wir weiterfahren. Bergauf ist die Anspannung nicht so groß, wir wissen ja jetzt, was auf uns zu kommt.

Donnerstag, 22. November 2007
Die Sonne scheint, der viele Regen der letzten Tage hat den Himmel blau gewaschen. Nur am Horizont sind im Westen einige Wolkenbänke zu sehen. Wenn wir den Kopf aus der Haustür stecken, können wir sehen, wie die Wolken aus dem Osten über die Cumbre quellen. Ein gutes Zeichen?
Egal, wir packen die Wandersachen ein und fahren nach El Pilar. Elke möchte heute eine Wanderung für die Seele machen, keine Tour auf ausgesetzten Wegen. Da sind die Gipfel der Deseada genau das Richtige.
Durch feuchten Wald, den hin und wieder Nebelfetzen durchziehen, wandern wir am Nordhang des Birigoyo entlang. Als der Weg nach Süden schwenkt, fallen die ersten Sonnenstrahlen durch den lichten Kiefernwald und zaubern ein märchenhaftes Bild. In der Wärme dampft der Boden, später auf den freien Flächen hat die Sonne ihre volle Kraft entfaltet. Sie zwingt Elke immer mehr ihrer Kleidungsschalen abzulegen, ich bin von Beginn an nur in kurzer Hose und Hemd unterwegs.
An der Hoyo Negro haben wir zum ersten Mal den freien Blick nach Osten. Über einer dichten Wolken-Watteschicht erhebt sich der Teide, selbst von Wolken umgeben, die sich an der Insel stauen. Später kommt auch noch La Gomera ins Blickfeld , El Hierro bleibt verborgen, weil sich auch am Südende La Palmas die Wolken auftürmen. Inzwischen haben wir Neuland betreten, bis zum Nambroque waren wir schon einmal gekommen. Wieder staunen wir über die tiefen Krater, die sich hoch auftürmenden Lavaströme und die weiten Aschefelder in allen Farben.
Wir bilden heute eine Art Vorhut, uns folgen bestimmt noch weitere zwanzig Personen. Ich gehe zielstrebig den Aufstieg zur Deseada an, alle anderen folgen. Dabei geht der 131 eigentlich um den Berg herum. Ich komme zum Foto eines Mountainbikers auf einem Vulkan (ob das wohl Spaß macht?), der sich viel Spott von den Nachfolgenden anhören muss.
Da wir als erste ganz oben sind, können wir uns den bequemsten, flachsten und größten Stein mit dem schönsten Blick zum Rasten aussuchen. Es ist schön heute. Unter uns liegt ein Wolkenteppich, der ab und zu aufreißt und Blicke aufs Meer freigibt, weiter hinten gucken daraus die Inseln heraus. Wir sitzen eine halbe Stunde hier, ehe wir uns zur Deseada 2 aufmachen. Der Blick nach Westen ist nahezu dicht, deshalb gehen wir gleich weiter. Wir wählen für den Abstieg eine Alternativroute rechts um den Krater herum, später treffen sowieso alle Wege wieder zusammen.
Die Wolken sind inzwischen höher gezogen, die Sonne macht sich rarer und es fühlt sich feucht an. Trotzdem ist auch der Rückweg eigen und eindrucksvoll. Am Abstiegsweg vom Birigoyo können wir zwei Engländern versichern, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Sie hatten im Nebel die Orientierung verloren und sind froh wieder unter Menschen zu sein.
Der Nebel ist wirklich dicht geworden. Am Parkplatz von El Pilar können wir keine zehn Meter weit sehen. Doch schon einige Meter weiter unten wird es heller und in El Paso scheint sogar die Sonne. Ein komisches Wetter - schrieb ich das nicht schon einmal?
Einen Moment überlegen wir, zum Baden ans Meer zu fahren. Den Gedanken verwerfen wir allerdings, setzen uns auf unseren kleinen Balkon in die Sonne und trinken Kaffee. Nach dem Duschen laufen wir zur Tasca Catalina. Es sind von uns nur tausend Meter dorthin, allerdings müssen wir an vielen kläffenden Kötern vorbei. Und das bei Dunkeln wieder zurück? Nein, wir werden uns ein Taxi rufen und ganz entspannt nach Hause bringen lassen. Die Kneipe ist urig. Wir wählen den letzten freien Tisch auf der Terrasse. Unter uns scharren die Hühner und Elke entdeckt sogar eine Ratte. Es riecht etwas nach Hühnermist, aber der Blick von hier in die untergehende Sonne entschädigt für alles. Das Essen ist vorzüglich, Wein und Bier schmecken und um acht Uhr sitzen wir immer noch draußen. Für 4 Euro bringt uns das Taxi wieder nach oben in die Stadt, wir hatten einen sehr schönen Abend.

Freitag, 23. November 2007
Unser letzter Tag auf La Palma - wir genießen ihn wie die vorangegangenen in vollen Zügen. Das Wetter verspricht wieder schön zu werden, da können wir nach Las Tricias fahren und dort eine gemütliche Wanderung unternehmen. Wieder geht es hoch zum El Time und weiter bis Puntagorda. Leider wird es immer dunkler, schon wollen wir weiter zum Los Muchachos fahren, da werden wir aller weiteren Überlegungen in dieser Hinsicht enthoben. Die Straße dorthin ist gesperrt. Also fahren wir wie alle anderen links hinunter in Richtung Küste. Wir parken unser Auto dort, wo schon andere Leihwagen stehen, ein sicheres Zeichen dafür, dass hier ein Wanderweg beginnt. Mit uns zusammen macht sich ein älteres Ehepaar auf den Weg. Sie sind enttäuscht vom Wetter in diesem Jahr. Na ja, es nieselt auch jetzt ein wenig, aber das wird sich legen. Und es kommt auch so. Als wir den ersten Teil des rutschigen Wegs hinter uns haben, scheint schon die Sonne und die verlässt uns heute nicht mehr.
Der abschüssige Weg führt zwischen bewohnten und verlassene Anwesen hindurch. Schöne Drachenbäume stehen rechts und links. Immer haben wir einen Blick über die weite Gegend aufs Meer. Nach eineinhalb Stunden haben wir den Grund eines kleinen Barrancos erreicht. Hier gibt es Felszeichnungen und alte Wohnhöhlen. Einige der Höhlen sind zu Schebergartenbuden erweitert worden, das wirkt noch viel improvisierter als am Strand von La Veta. Auch beim Wiederanstieg auf einem anderen Weg kommen wir an den tollsten Ansiedlungen vorbei. Den Fahrzeugen nach zu urteilen, haben sich hier Hippies aus den 70er Jahren ein Refugium geschaffen. Dazwischen liegen gepflegte und bewässerte Gärten mit Gemüse und Obst, auch neue Fincas sind entstanden. Mauern werden instand gesetzt, Wege gepflegt.
Bei einer alten Windmühle mit Blick auf den Ozean rasten wir. Als eine dunkle Wolke heranzieht brechen wir auf und gehen die letzten paar hundert Meter zum Auto zurück.
Auf der Rückfahrt machen wir in Tazacorte Halt. Ich bade zwei Mal im Meer, Elke bevorzugt das Sonnenbaden.
So haben wir an diesem Tag noch einmal die vielfältigen Seiten La Palmas erlebt: Traumhafte Pfade durch eine ursprüngliche Natur und Schwimmen im Meer an leeren Stränden, und das Ende November.
Wir genießen von unserem Balkon aus einen glühenden Sonnenuntergang, ich bereite aus unseren Resten ein brauchbares Abendessen, danach packen wir die Koffer. Morgen werden wir in aller Ruhe nach Santa Cruz fahren, unser Flieger soll um 13.40 Uhr starten.

Sonnabend, 24. November 2007
Am Morgen ist es kühler als an den vergangenen Tagen.
Wir räumen die Wohnung auf, stecken den Schlüssel von außen ins Schloss und machen uns auf den Weg.
Ich tanke für fünf Euro, damit der nächste Fahrer den Tank nicht ganz leer vorfindet, dann geht es durch den neuen Tunnel auf die Ostseite. Hier scheint die Sonne, es sind nur wenige Wolken am Himmel. Nach einem Abstecher zum Mirador de La Concepcion, von dem aus wir einen tollen Blick auf die Hauptstadt La Palmas haben, fahren wir in die Innenstadt.
Während der nächsten Stunde sehen wir die Stadt auch noch im Sonnenlicht. Die Zeit vergeht sehr schnell und wir fahren raus zum Flughafen. Er ist eine einzige Baustelle, doch klein genug, um sich orientieren zu können. Ich setze Elke am Eingang ab, fahre zum Parkplatz, stelle den Wagen auf den ersten freien Platz, lasse den Schlüssel, wie uns gesagt, stecken und hole Elke ab. Das Einchecken dauert fast eine halbe Stunde, wir sind schließlich im gemütlichen La Palma.
Der Rückflug gestaltet sich unkompliziert wie der Hinflug. Die Maschine bis Zürich ist ausgebucht, auf der Strecke nach Hannover verlieren sich wieder wenige Passagiere in dem großen Flieger. Pünktlich um 21.40 landen wir, zehn Minuten später bringt uns ein Taxi zu unserem Auto. Es ist kühl in Deutschland, aber im Harz liegt nur noch Schnee am Straßenrand, so dass wir keine Problem haben, Clausthal-Zellerfeld zu erreichen.
Es gibt einen Schlummertrunk, dann liegen wir nach zwei Wochen wieder im eigenen Bett.

PS. Am Sonntag schneit es, am Montag muss ich schon zur Schaufel greifen, auf La Palma sind es 18 Grad.