Aus unserem Tagebuch:
Herbst 2008 - Noch einmal La Palma


Mittwoch, 05.11.2008
Ohne Probleme gelangen wir zum Flughafen nach Hannover. Gegen 7 Uhr erfolgt der Abflug nach Nürnberg, von dort geht es nach nur kurzem Aufenthalt weiter nach Santa Cruz de la Palma. Ankunft dort gegen 13.00 Uhr. Yanes empfängt uns am Flughafen mit dem Auto, der Schlüssel steckt an der Haustür, wir können es uns bequem machen. Nach dem obligatorischen Einkauf im Supermarkt unternehmen wir heute nichts mehr.

Donnerstag, 06.11.2008
Eigentlich wollen wir nach El Pilar, aber der Wolkenwasserfall umschließt die Höhen dort. Also fahren wir nach La Valencia, stellen unser Auto am Straßenrand ab und wandern in Richtung Pico Bejenado. Am Sattel La Rodeo beschließen wir, ganz bis auf den Gipfel zu steigen, so schön ist es und so fit fühlen wir uns. Oben sitzen wir lange an der Vermessungssäule, ehe wir uns auf dem roten Weg nach unten begeben. Er führt auf einer Felsrippe steil ins Tal und trifft nur unweit des Parkplatzes auf die Straße. Das war ein guter Start!

Freitag, 07.11.2008
Wir fahren auf der kurvigen Straße hoch zum Calderakamm beim Roque de los Muchachos. Bei Degollada de Franceses parken wir das Auto und laufen auf einem streckenweise recht ausgesetzten Weg zur Fuente Nueva. Wir stehen weit über den Wolken, die sich rings um die Insel gelegt haben. Außer unserem Gebirgszug schaut nur noch die Deseada heraus. Die Felsen leuchten in allen Farben, die Wände stürzen steil in den Calderakessel hinab. Drei Stunden laufen wir hier oben herum, ehe wir über die 433 Kurven hinab nach Santa Cruz fahren. Hier stecken wir im Nebel, erst nach dem Tunnel wird es wieder klar.

Sonnabend, 08.11.2008
Der Himmel ist blau, der Pico Birigoyo frei. Wir stellen das Auto unterhalb von El Pilar ab und wandern über die Westseite auf den Vulkan. Am Gipfel sind wir lange Zeit die einzigen Menschen, erst als wir weiterlaufen, kommen noch andere Wanderer. Vom Nachbargipfel aus können wir sehen, wie der Berg immer wieder in den Wolken verschwindet, wir laufen bei unserem Weitermarsch allerdings immer in der Sonne. Wir ersteigen die Montana de los Charcos und kehren von dort in einem großen Bogen wieder zum Auto zurück. Am Abend essen wir in der Tasca Barbanera die Vorspeisenplatte für zwei Personen.

Sonntag, 09.11.2008
Wir fahren nach Las Tricias und wandern von dort zu den Cuevas de Buracas. Da wir sehr früh dran sind, beschließen wir, weiter in Richtung Küste zu laufen, um einen Blick auf die Lomada Grande zu werfen. Lange Zeit geht es durch niedrigen Buschwald, es ist sehr heiß. Dann stehen wir plötzlich an der Steilküste. Tief unter uns rauscht die Brandung gegen die Felsnase der Lomada Grande an. Das Wasser ist smaragdgrün, jeder einzelne Stein darin ist von hier oben zu sehen. Über eine Stunde würde der Abstieg von hier noch dauern, das ist zu viel für heute. Deshalb treten wir einen sehr schwitzigen Rückweg an und fahren am Abend sogar in Puerto de Tazacorte noch zum Baden.

Montag, 10.11.2008
Der Cubo de La Galga soll eine der eindrucksvollsten Schluchten an der Ostküste sein. Wir allerdings sind anfangs ein wenig enttäuscht, denn der Forstlehrpfad führt immer auf einer kleinen Straße entlang ohne besondere Höhepunkte. Im Talschluss allerdings wird es ganz anders. Hier wird der Weg ganz schmal und verschwindet gänzlich unter meterhogen Farnwedeln. Überall tropft und rinnt das Wasser von den Felswänden, die immer enger zusammentreten. Sie sind bedeckt von Farnen und Pilzen, kein Wunder, hier unten kommt kein Sonnenstrahl hin. Immer höher steigen wir in diesem Urwald, weiter oben lichtet sich der Wald und wir sammeln die schönsten Esskastanien. Am Rastplatz Mirador de la Somada Alta haben wir einen guten Blick über die unter uns liegende Ostküste. Danach geht es durch eine rutschigen Hohlweg steil bergab. Den Rückweg in den Cub bewerkstelligen wir auf dem normalen Wanderweg obwohl es eine Alternative für Schwindelfrei gibt, das will Elke aber nicht. Den anfangs geplanten Besuch einer Badebucht verschieben wir, es ist zu spät geworden.

Dienstag, 11.11.2008
Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Terasse beschließen wir, heute keine große Unternehmung mehr zu starten. Am Nachmittag fahren wir nach Puerto de Tazacorte zum Baden, Dösen, Schlafen im warmen Sand. Später machen wir uns auf nach Los Llanos, bummeln die durch die bunte Stadt, trinken Kaffee unter riesigen Lorbeerbäumen und schauen uns ausgiebig die Kirche an. Das Thermometer zeigt um 18 Uhr immer noch 26 Grad an.

Mittwoch, 12.11.2008
Heute wollen wir in die Caldera de Taburiente. Lange habe ich schon gedrängelt, jetzt ist Elke mental soweit. Wir stellen unser Auto nach abenteuerlicher Anfahrt am Parkplatz am Ausgang der Schlucht ab, bezahlen 25,50 Euro für uns beide und werden dafür nach Los Brecitos gefahren. Gut, dass Elke hinten sitzt und so nicht sehen kann, wie der Fahrer den Wagen nach oben steuert: Ein- oder freihändig, beim Ausweichen ohne Sichtkontakt zum Abgrund. Vom Parkplatz führt ein recht gemütlicher Wanderweg immer durch Wald entlang der steilen Felsabbrüche der Nordseite der Caldera. Nach eineinhalb Stunden haben wir den Rio de Taburiente und damit den Zeltplatz und das Informationsgebäude erreicht. Aber jetzt geht es erst richtig los. Wir müssen wieder nach oben, um von einem Sattel aus in ein Nebental zu steigen. Der Weg wird hochalpin. Als wir den Talgrund erreichen, müssen wir im Bachbett weiterlaufen. Ich mache einen Abstecher zum Wasserfall Cascada de Colores. Das eisenhaltige Wasser hat die Felsen gelb und braun gefärbt, zusammen mit dem Grün des Mooses und der Algen ein schöner Anblick. Von Stein zu Stein hüpfend geht es weiter. Einige Male umgeht der Weg Engstellen in der Schlucht, bei dem geringen Wassersatnd hätten wir aber auch im Flussbett bleiben können. Mal treten die Felswände ganz eng zusammen, mal weitet sich das Tal, immer ist die Szenerie grandios. Gerade als die Beine schwer werden, erreichen wir den Ausgang des Barrancos de Angustias und damit unser Auto. Ein grandioser Tag!

Donnerstag, 13. 11.2008
Unseren Regenerationstag verbringen wir am Meer in Puerto de Tazacorte. Damit wir aber nicht ganz einrosten, besteigen wir eben mal den El Time, die nahezu senkrecht Felswand, die das Tal nach Norden hin begrenzt. Das ist ein Gang zwischen Himmel und Erde, fast eine Stunde lang nach oben und fast so lange auch wieder nach unten. Aber Elke hat sich inzwischen an ausgesetzte Stellen gewöhnt, sie meistert den Gang bravourös.

Freitag, 14.11.2008
An der Cumbre dichte Passatwolken, vor uns blauer Himmel: An solch einem Tag wollen wir zur Piratenbucht laufen. Das Auto parken wir in Tijarafe, nach einigem Suchen finden wir den richtigen Weg zum Barranco del Jorado. Durch diesen felsigen Canon steigen wir wieder nach El Jesus hinauf. Von hier ab geht es auf gemütlichem Pfad (mit Feigenbaum) bis zur schroffen Felsküste. Hier wird der Weg steiler und rutschiger. Am Gegenhang sehen wir schon unseren Weiterweg, vorher allerdings rasten wir an der Playa del Jorado. Die Poris de Candelaria, die Piratenbucht, kann man von hier nicht direkt erreichen, zu steil stürzen die Felsen ins Meer ab. Wir müssen also 160 Höhenmeter hoch, auf der anderen Seite wieder nach unten. Doch die Anstrengung lohnt sich. Das Meer hat eine domgroße Grotte in die Felswand gewaschen und dort drinnen ducken sich kleine blauweiße Sommerhäuser an die Wand. Wir sind fast allein hier unten in dem Dämmerlicht des Felsüberhangs, eine gespenstische Szenerie. Am Wochenende wird es anders aussehen, da sind die Hütten bewohnt. Wir machen uns auf den Rückweg, erst einmal 300 Höhenmeter durch eine Felswand, ehe wir das sanftere Gelände erreichen. Das strengt an, immer die Sonne im Nacken, kein Schatten und kein Lufthauch. Der Schweiß rinnt uns in Strömen über den Körper. Auch weiter oben wird es kaum weniger beschwerlich. Erst als wir die ersten Fincas bei Tijarafe erreichen, wird der Weg bequemer. Das war ein anstrengender, aber sehr eindrucksvoller Tag.

Sonnabend, 15.11.2008
Auf dem Mond herumlaufen und anschließend im Meer baden, gibt es so etwas? Auf La Palma schon. Wir fahren nach Los Canarios, um den noch fehlenden Vulkan in unsere Sammlung aufzunehmen: San Antonio. Der Parkplatz ist teuer, die Information bietet wenig, der Weg zum Krater ist wegen seiner Ebenheit von vielen Stöckelschuhtouristen bevölkert. Das ist nicht unsere Welt. Wir gehen weiter durch weite Aschefelder auf den Teneguia zu. Hier haben wir es wieder mit "normalen" Wanderern zu tun. Wir steigen auf den Gipfel, erschnuppern ein wenig Schwefelduft und laufen weiter zu unserem Parkplatz. Aber nicht auf dem direkten Weg, das wäre zu einfach. Wir erklimmen den San Antonio von der Südseite her, immer im prallen Sonnenschein auf einem Weg, der immer wieder unter uns wegrutscht. Nach einer ganz heißen Stunde sind wir oben. Jetzt tut ein erfrischendes Bad gut. Wir fahren schnell hinunter zu der schönen Badestelle auf der Lavazunge und schon können wir den Schweiß abwaschen. Heute rollt nur eine sanfte Brandung auf die Kiesel, im vergangenen Jahr habe ich hier in meterhohen Wellen herumgetobt. Auf dem Rückweg gibt das Auto den Geist auf, nach kurzer Wartezeit springt es aber wieder an und wir können den schönen Tag ohne Probleme beenden.

Sonntag, 16.11.2008
Wieder ist keine Wolke am Himmel zu sehen, auch die Cumbre im Osten ist frei. Das ist ein Tag für eine Wanderung dort oben. Wir fahren nicht mit dem Auto zum Reventonpass, sondern starten direkt an der Ermita Virgen del Pino. Der Weg ist steil, allerdings verläuft er zu einem guten Teil im Schatten. Am Pass angekommen, trauen wir unseren Augen kaum. Im Osten ist alles zu, dicke Wolken steigen bis auf wenige Meter zu uns herauf. Dann allerdings stoppen sie und so können wir heute den ganzen Tag lang im Sonnenschein laufen. Der Kammweg ist seit 2008 ins Europäische Weitwandernetz integriert, eine Gedenksäule macht darauf aufmerksam. Der Weg verläuft von nun an flacher, allerdings müssen wir immer noch 600 Höhenmeter überwinden, ehe wir die magische Grenze vonn 2000 Metern erreicht haben. Das Ziel ist die Punta de los Roques, allerdings müssten wir vom Corralejo noch einmal tief hinunter und drüben wieder hinauf. Diese zusätzliche Stunde sparen wir uns. Stattdessen setzen wir uns auf den Gipfel und genießen die Rundsicht: Cumbre und Vulkane im Süden, Bejenado im Westen, Caldera im Norden und Teide im Osten. Obwohl es auf dem Rückweg nur noch bergab geht, zieht sich der Weg doch und die letzten 500 Höhenmeter auf dem camino real zurück zum Kirchlein setzen unseren Knien und Oberschenkeln noch einmal kräftig zu. Der Tag war so heiß, wie er sich angekündigt hatte, wir haben dennoch eine anstrengende Wanderung mit 1150 Höhenmetern Anstieg in einem Rutsch hinter uns gebracht.

Montag, 17.11.2008
Heute soll es wieder in den Süden gehen, aber dort ziehen gerade die Wolken um die Berge. Der Muchachos ist frei, fahren wir als dorthin. Aber auf dem Weg verhüllt sich auch dieser Teil der Insel, nur die Westküste ist jetzt noch frei. Also laufen wir noch einmal zu Lomada Grande, dieses Mal aber bis ganz nach unten. In der Nähe des Eiscafés stellen wir den Wagen ab und laufen auf dem uns schon bekannten Weg zu Küste. Vom Steilabbruch ab wird es schmaler, kurz vor dem Ziel sichert ein Holzgeländer gegen Absturz. Allerdings ist es recht morsch und an einigen Stellen mit Flatterband "verstärkt". Die Häuschen sind richtige Wohnhöhlen, für eine Terrasse ist auch gar kein Platz vorhanden, so steil ist die Wand. Eine flache Felsnase schiebt sich weit ins Meer hinaus. In ihr haben sich schöne Pools gebildet, glasklar mit bunten Fischschwärmen darin. Ich würde am liebsten baden, aber Elke hat Bedenken. Neben uns gibt es noch drei Fischer hier unten, die gerade ihren Fang verarbeiten, umschwärmt von Möwen, die sich schnelle Beute versprechen. Ich habe unser Pausenbrot vergessen, heute müssen ein Müsliriegel und ein Apfel reichen. So gestärkt verlassen wir das unwirkliche Stückchen Erde wieder und steigen nach oben. Anfangs geht es im Schatten der Felswand gut voran, als wir allerdings den baumlosen Bergrücken erreichen, brennt uns die Sonne erbarmungslos auf den Rücken. Elke empfindet diese als die bisher anstrengendste Tour, es liegt wohl an der Hitze. Aber das Café hat geöffnet, bietet ein gemütliches Schattenplätzchen, Kaffee und Eisbecher, und wir wissen, dass es nachher zum Auto nur noch einige Minuten sind. Gegen die untergehende Sonne fahren wir nach Puerto de Tazacorte, es ist noch warm, da kommt ein kühles Bad gerade recht. Wir schwimmen, bis die Sonne fast im Meer versinkt, danach setzen wir uns in das empfohlene Fischrestaurant und lassen es uns gut gehen. Am Vormittag hatte ich schon unser Haus (450 Euro) und das Auto (301 Euro) bezahlt, der Kühlschrank ist auch fast leer, der Urlaub geht dem Ende entgegen.

Dienstag, 18.11.2008
Heute klappt es mit dem Vulkan Martin, denn es zeigt sich kein Wölkchen an den Vulkanen. In Los Canarios biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren die ruppige Piste bis zum Grillplatz Roque de los Fuentes. Drei Autos stehen dort schon, aber Wanderer treffen zum ersten Mal ganz oben am Kraterrand. Deshalb sind wir noch einmal zum Martin gekommen: Weite Sandflächen in allen Nuancen von Schwarz über Rot bis Gelb, dazu als Kontrast der schüttere, noch junge Pinienwald in einem hellen Grün. Darüber spannt sich ein wolkenloser, dunkelblauer Himmel. Immer wieder kann man zwischen den Hügeln das Meer und die Inseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro sehen. Das Laufen ist heute angenehm, denn es geht ein leichter Wind. So sind wir ohne große Anstrengung auch schon bald oben am Gipfel angelangt. Elke findet ein windstilles Plätzchen und als die zwei Paare, die mit uns hier oben sind, absteigen, sind wir ganz allein in dieser fremdartigen Umgebung. Später wählen wir den direkten Weg durch die sandige Westflanke. Mit über 11 km/h rutschen und springen wir hinab ins Tal. Dort müssen wir die Schuhe auslleren, denn es hat sich viel Sand darin gesammelt. Der Weg bleibt sandig, ist jetzt aber nicht mehr so steil. Mit Hilfe von Karte und GPS-Gerät gelangen wir, streckenweise weglos, wieder zurück zum Auto. Wir fahren nicht zu unserer Badestelle auf der Lavazunge sondern nach Puerto Naos, baden dort, lassen uns im Sand wieder aufwärmen, trinken einen Kaffee und schlemmen einen Eisbecher, unterscheiden uns also überhaupt nicht von den übrigen hier lebenden Touristen. Den Abend verbringen wir wieder in der Tasca Barbanera, treffen hier unseren Vermieter und lassen uns von ihm berichten, dass es ab morgen kühler und regnerischer werden soll. Haben wir ein Glück gehabt!

Mittwoch, 19.11.2008
Ich habe schon am Vortag eingecheckt, wir können uns also Zeit lassen. Nachdem alles aufgeräumt ist und wir uns von unseren Untermietern verabschiedet haben, fahren wir durch den Tunnel nach Las Nieves. In der Wallfahrtskirche statten wir der Schutzpatronin der Insel einen Besuch ab, danach fahren wir zum Mirador de la Concepcion. Wir betrachten Santa Cruz aus der Vogelperspektive und atmen noch einmal ganz tief palmerische Sommerluft ein. Unser Flieger startet pünktlich, wir können auf dem Flug viel sehen, in Nürnberg stehen unsere Koffer auf dem Rollfeld und müssen von uns identifiziert werden, gegen zehn Uhr landen wir in Hannover und eine gute Stunde später sind wir wieder im Harz. Es schneit nicht, das ist erst für die nächsten Tage angesagt.