Aus unserem Tagebuch:
Toskana 2008


Sonntag, 27. April 2008
Nun endlich sind wir auf dem Weg in den Süden. Es wird aber auch Zeit, dass wir ein wenig Wärme abbekommen, denn nach ein paar schönen Tagen im Februar herrschte bei uns bis vorgestern Winter. Für die Toskana sind angenehme 20 Grad vorhergesagt, und dort wollen wir hin. Wir lassen uns allerdings Zeit, sind heute nur bis Rothenburg o. d. Tauber gefahren und haben dort wieder einmal den Campingplatz "Tauberidyll"angefahren. Hier hatten wir vor drei Jahren unsere Kabeltrommel stehen lassen, die Uwe inzwischen abgeholt hat und bei sich im Wohnmobil spazieren fährt. Der Campingwirt konnte sich noch gut daran erinnern. Wir bauen den Wohnwagen auf und gehen danach sofort in die Stadt. Es wird uns warm beim Anstieg obwohl wir nur im kurzen Hemd laufen, es ist schließlich auch 21 Grad warm. In Rothenburg wird heute Frühlingsfest gefeiert, die Stadt ist auch jetzt am Abend noch brechend voll. Wir lassen uns mit den Massen durch die schöne Stadt treiben und als es nichts mehr zu schauen gibt, machen wir uns durch den Weinberg auf den Heimweg. Wir setzen uns für ein Weilchen auf eine Bank, hören dem Rauschen der Tauber und dem Vogelgesang zu, wir genießen die Sonne und die damit verbundene Wärme und steigen dann vollends hinab ins Tal. Am Lindenhof gibt es ein süffiges Bier, damit holen wir uns den Appetit für unser improvisiertes Abendessen am Wohnwagen. Wir können es sogar draußen zu uns nehmen, so angenehm ist es noch. Erst als die Gnitzen zudringlicher werden, setzen wir uns in den Wagen.
Montag, 28. April 2008
Jetzt steht unser Wohnwagen schon in Füssen, wieder einmal auf dem Platz "Hopfensee". Wir waren auch schon mit dem Tandem in der Stadt und haben den See umrundet, alles noch bei wunderschönem Sommerwetter. Kaum waren wir aber zurück am Platz, fing es an zu tröpfeln und später sogar zu gewittern. Uns ist das aber egal, wir ziehen unsere Badesachen an und gehen in das wunderschöne Hallenbad hier am Platz. Mit uns sind noch vier andere Leute im Wasser, das bedeutet, wir können nach Herzenslust schwimmen und im Wasser tollen. Der Regen hat inzwischen aufgehört, aber die Wolken hängen ganz tief an den Bergen fest. Mal sehen, ob wir morgen trocken weg kommen.
Dienstag, 29. April 2008
Das ist wohl eine Wiedersehenstour in diesem Jahr, denn heute stehen wir in Lana auf dem C-Platz "Aquin", den wir auf der allerersten Tour mit unserem Adria-Wohnwagen schon einmal besucht hatten. Davor lag allerdings die Fahrt über den Reschenpass, vor der Elke so gegraut hatte, besonders, da es in der vergangenen Nacht ununterbrochen geregnet hatte und sie sich ausmalte, dass die Straßen oben am Pass völlig verschneit waren. Aber in der Rezeption nahmen sie ihr schon einmal ein wenig Furcht, da die Recherche im Internet keinerlei Hinweis auf winterbedingte Sperren gab. Als am Fernpass am Straßenrand kein Fetzchen Schnee zu entdecken war, wurde sie noch lockerer und die nachlassenden Regenschauer taten ein übriges. Bei der Zufahrt zum Reschenpass war die Straße gesperrt, nur frei für LKW und Busse. Alle übrigen Fahrzeuge wurden umgeleitet, wohin wurde nicht gesagt. Bei der Schweizer Zollkontrolle wurde Elke allerdings eröffnet, dass auch wir die Sperrung ignorieren dürften, falls unser Wohnwagen länger als 6,50 Meter sei. Die Papiere wiesen 6517 cm aus, also konnten wir wenden und das Sperrschild umfahren. Bald schon erreichten wir die Baustelle, es gab eine ganz kurze Wartezeit vor einer Ampel, danach hatten wir freie Fahrt bis zum Pass. Das Fragen hatte uns viele Kilometer Umweg und viel Kurbelei erspart. Am Reschensee hielten wir unsere Mittagspause ab. Es war kühl hier oben und ein strammer Wind sorgte dafür, dass wir unseren Kaffee im Wohnwagen tranken, doch schon wenige Kilometer weiter war die Landschaft wie verwandelt. Die Apfel- und Birnbäume blühten, der Flieder leuchtete aus den Gärten. Das Thermometer kletterte mit jedem Meter, den wir weiter nach unten fuhren, vor Meran waren die 20 Grad erreicht. Die Sonne schien immer häufiger durch die Lücken der Wolken, die sich an den Berghängen stauten. Im letzten Moment beschlossen wir, nicht ins Passeiertal, sondern nach Lana zu fahren. Das kostete uns zwar eine halbe Stunde Suche nach dem C-Platz, aber wir stehen hier wunderbar. Etwas beengt geht es zu, einen längeren Urlaub möchte ich auf den kleinen Stellplätzen nur ungern verbringen, aber das neue Waschhaus ist äußerst komfortabel, Lana ist mit seinen Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß durch die Obstplantagen schnell zu erreichen, und auf dem nahe liegenden "Schlosscamping" ist es noch enger. Morgen haben wir nur noch Autobahnstrecke zu bewältigen, wir werden sehen, wie weit wir kommen.
Mittwoch, 30. April 2008
Bis zum Lago Trasimeno auf den C-Platz "Polvese"! Die gesamte Nacht über hat es geregnet und am Morgen hängen die Wolken bis tief hinunter ins Tal, so dass uns der Abschied von Meran nicht schwer fällt. Ab Bozen benutzen wir die Autostrada und obwohl die rechte Spur fast vollständig von LKW belegt ist, geht es doch zügiger voran als gestern auf den Bergstraßen. Je weiter wir nach Süden kommen desto stärker reißen die Wolken auf und hinter Verona strahlt die Sonne von einem blauen Himmel. Die Fahrt ist nicht so erholsam wie auf den französischen Autobahnen, die italienischen LKW scheinen keine Geschwindigkeitsbegrenzung zu kennen. Mit 120 rasen sie an uns vorbei, auch wenn Überholverbot herrscht. Mir kommt es auch so vor, als ob die Fahrbahnen schmaler sind als bei uns, außerdem fehlt häufig die Standspur. Hinzu kommen die vielen Baustellen, die den Verkehr noch einmal einengen. Die Autobahn windet sich spektakulär über den Appenin, immer rechtwinklig zur Faltung des Gebirges. Das bedeutet, dass Tunnel und Brücken dicht aufeinander folgen, fast wie bei der Eisenbahn. Vor Florenz senkt dich die Straße hinunter in das Tal des Arno und dann ist auch Schluss mit der bis hierher recht flotten Fahrt. Für die nächsten 20 Kilometer ist eine Zeit von 25 Minuten angegeben, für die 50 Kilometer bis Arezzo sollen wir weitere 60 Minuten brauchen. Das kann ja heiter werden, so erreichen wir unser Ziel heute kaum noch. Aber die Zeitangaben stimmen überhaupt nicht, der Verkehr läuft nach den großen Baustellen wieder zügig und so kommt es, dass wir gegen 16 Uhr zum ersten mal einen Blick auf den Lago Trasimeno erhaschen können. Die Straße folgt dem Nordufer in einigem Abstand und in einer gewissen Höhe, dadurch können wir auf der Weiterfahrt den See immer wieder fast zur Gänze überblicken. In Sant´Arcangelo fahren wir den Platz "Italgest" an. Elke läuft mit einem Plan über das Gelände, nach 15 Minuten kommt sie tief enttäuscht zurück. Die Stellplätze sind wie Handtücher geschnitten, da war der Platz in Meran noch großzügig. Wir fahren weiter zum nächsten Platz. Der ist nicht ganz so komfortabel und mondän, das Gras ist sehr struppig gemäht und an vielen Stellen wird gebuddelt, aber wir können uns hinstellen wo wir wollen, die Stellplätze sind groß und nur spärlich belegt und das zählt mehr als alles andere. Das holländische Paar, das vor uns auf den Platz fährt, schnappt uns den malerischen Stellplatz direkt am See vor der Nase weg, daher stellen wir uns weiter nach hinten in die vierte Reihe ohne direkte Nachbarn und mit viel Sonne auf dem Gelände. Wir bauen alles auf, essen einen Happen und erkunden danach die Gegend. Den Spaziergang in der Dämmerung entlang der Straße ohne Fußweg ersparen wir uns, wir folgen einem schmalen Weg hinunter zum See und laufen einem überaus kitschigen Sonnenuntergang entgegen. Direkt neben Castiglione versinkt ein glutroter Ball im See. Das reicht für heute, wir wollen es ja nicht gleich übertreiben. Das Wetter soll beständiger werden, auch wärmer, wir werden morgen unsere erste Radtour nach Magione unternehmen können, denn dort ist Wochenmarkt und wir haben viel einzukaufen.
Donnerstag, 01. Mai 2008
Keine Wolke am Himmel, das tröstet über das nur lauwarme Wasser in der Dusche hinweg und spätestens beim Frühstück auf unserem sonnigen Platz wird auch Elke wieder warm. Auf dem Rad ist es noch etwas kühl, deshalb fahren wir während der ersten Kilometer bis San Feliciano mit der Jacke. Es ist viel Verkehr auf der Straße, das ist verwunderlich, denn hier sollte es eigentlich keinen Durchgangsverkehr geben. Wir sehen uns einige Campingplätze an, aber keiner kann unserem das Wasser reichen. Nach dem Ort steigt die Straße kräftig an, die Jacken verschwinden in der Tasche. Am Straßenrand blühen Lilien und Orchideen, überhaupt kommen wir uns vor wie in der Provence. Die Landschaft, der Bewuchs, die Bauweise, alles erinnert daran. Oben auf dem Hügel, wir sind 200 Höhenmeter geklettert, zweigt eine MTB-Strecke ab. Wer soll hier allerdings fahren? Bisher haben wir nur Massen von Rennradlern getroffen. Sollte Gründonnerstag hier doch ein Feiertag sein? In Magione wird es uns klar, kein Markt, kein Geschäft hat geöffnet, noch nicht einmal die Touristinformation ist besetzt, wir haben heute den 1. Mai, Tag der Arbeit! Wir holen Geld, wenden und fahren hoch nach Montecolognola, ein Ort hinter dicken Burgmauern mit zehn Häusern, einer Kirche und einer Bar. Wir verfolgen von hier oben mit den Augen eine Straße am Gegenhang, sind uns allerdings nicht einig, ob die am Ende auch unter der Autobahn durchführt. Sie tut es und wir stoßen wieder an den See. Hier finden wir auch den ausgeschilderten Radweg, der uns zurück nach Feliciano führt. Ein kleiner Campingplatz am Wege macht einen guten Eindruck, im Sommer mag der sehr angenehm sein, jetzt aber kommt er uns zu duster vor. An der Strandpromenade trinke ich meinen ersten italienischen Kaffee und das Eis schmeckt ganz ausgezeichnet. Von hier geht es auf Feldwegen bis zurück in unser Dorf und auf den C-Platz. Die Duschen sind jetzt warm, die wenigen Wolken, die im Laufe des Tages hochgequollen sind, verschwinden und wir sitzen nach angenehmen 50 km in der Sonne, essen Kuchen und träumen. Der Platz füllt sich immer mehr, aber noch ist es nicht eng.
Freitag, 02. Mai 2008
Diesmal fahren wir die Hauptstraße nach rechts. Gleich auf einer kleinen Anhöhe haben wir einen schönen Blick zurück zum C-Platz und über den See. Eigentlich wollen wir nach Castiglione, aber ein Wegweiser, der links nach Panicale zeigt, zieht uns in eine andere Richtung. Gleich bekommen wir einen Begriff davon, was Radfahren in der Toskana und in Umbrien bedeutet. Wir brauchen den kleinsten Gang, um zu einem Dörfchen hoch zu klettern. Von dort geht es wieder bergab, immer nach Süden. Wir sind umgeben von 600 m hohen Bergen, es ist recht einsam hier oben und wir haben die Straße für uns allein. Dann können wir Panicale sehen, hoch oben an den Berg gebaut, von einer hohen Mauer umgeben und von zwei Kirchtürmen überragt. Die letzten Meter müssen wir schieben, aber das lohnt sich, denn so sehen wir die schönen Olivenhaine mit dem dort blühenden Mohn noch besser. In Panicale ist Wochenmarkt, wir freuen uns schon auf tolle Weine und leckere Oliven, aber Pustekuchen. Es gibt einige Schuh- und Kleiderstände und das war es. Dafür entschädigt das Dörfchen. Die Häuser sind überwiegend aus Ziegeln erbaut, dicht an dicht schmiegen sie sich aneinander, nur hin und wider durch ganz schmale Gassen voneinander getrennt. Durch die wandern wir bis ganz nach oben auf den höchsten Platz mit einer guten Sicht bis zum See und im großen Bogen zurück. In der Tourist Info kaufe ich eine Wanderkarte von der Region und dann genießen wir die lange Abfahrt hinunter ins Tal. Die letzen Kilometer bis Castiglione müssen wir leider auf einer verkehrsreichen Straße fahren, es gibt keine Ausweichstrecke. Aber endlich können wir zum See hin abbiegen und entlang des Ufers erreichen wir auf einem breiten Radweg ein Sträßchen, das fast senkrecht nach oben in die Innenstadt führt. Wir schieben hoch bis zur Stadtmauer, schließen unser Tandem dort an und erkunden die Stadt zu Fuß. Es herrscht ein arger Touristenrummel, überall werden Wein- und Wurstproben angeboten und jetzt um die Mittagszeit sind die Restaurants und Snackbars voll belegt. Beim Blick in den Palazzo della Corgna holen wir uns schon einmal einen Vorgeschmack auf die Renaissance, der Besuch der Löwenburg versetzt uns wieder zurück ins Mittelalter. Unseren Stadtbummel beschließen wir mit Eis und Kaffee, dann lassen wir das Rad zurück an die Uferpromenade rollen. In einem Supermarkt arbeiten wir unseren Einkaufszettel ab, es wird natürlich viel mehr als vorgesehen, aber unser Lastesel schleppt wieder einmal alles klaglos nach Hause. Leider ist der Radweg um den Lago hier im Süden noch nicht angelegt, wir müssen also die Straße benutzen. Es gibt Alternativen, aber die hätten wieder in Berge geführt und das wollen wir uns ersparen.
Sonnabend, 03. Mai 2008
Auf der neuen Kompass-Karte sind auch Rad- und sogar MTB-Touren eingezeichnet, eine startet hier am Ort und führt über die Hügel nach Montecolognola und weiter nach Passignano. Nach kurzem Suchen finden wir bei S. Savino den Einstieg und der gibt uns gleich einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Es geht auf einem Schotterweg so steil bergauf, dass wir schieben müssen. Die Wegränder blühen, die Blumen zwischen den Olivenbäumen leuchten, es ist eine Wonne, hier zu wandern. Nach links gibt es immer wieder schöne Blicke auf den See, rechts unter uns liegt Magione. Ab und zu müssen wir auf der inzwischen ebenen Strecke absteigen, weil tiefe Pfützen von irgendeinem Regen, der hier irgendwann einmal heruntergegangen ist, die Weiterfahrt behindert. Der Weg wird wieder breiter, vor uns taucht eine gepflegte Anlage einer Ausflugsgaststätte auf. Etwas weiter hin stehen prachtvolle Villen mitten in der Landschaft, es hat den Eindruck, als ob es hier für Leute mit Geld keine Beschränkungen gibt. Oberhalb eines solchen Landguts rasten wir in einer üppig blühenden Wiese mit Blick über den See. Wir rätseln lange, ob der hohe Berg am Horizont der Monte Amiata ist und beschließen, ihn in Ermangelung besseren Wissens so zu nennen. Kurz darauf sind wir auf der Straße bei Montecolognola und müssen wieder einmal die Karte befragen, wo es weitergeht. Erneut geht es kräftig bergan, dann biegt der Weg nach links ab und führt entlang der Höhenlinie nach Westen. Bis hierhin sind wir 20 km gefahren, die nächsten Kilometer stellen alles bisher Dagewesene in den Schatten. Steil geht es über Felsen bergauf, auf dem Scheitelpunkt fahren wir 10 m, denn stürzt der Weg so steil bergab, dass es schwierig wird, das Rad in den tief ausgefahrenen und ausgewaschenen Rinnen hinabzuschieben. Über eine Stunde geht das so, der Begriff Radwandern füllt sich für uns mit Bedeutung. Aber wieder werden wir entschädigt. Wir finden verschiedene Orchideen, Zistrosen in rot und weiß, Schopfhyazinthen und viele andere große und kleine Blumen, die wir nicht bestimmen können. An einem größeren Anwesen hat die Hitzeschlacht ein Ende, auf einer verkehrsfreien glatten Straße rollen wir hinunter zum See. Wir wundern uns zwar, dass es nach Passignone noch 3 km sein sollen, legen diese Strecke aber in einigen Minuten zurück. Bei Kaffee und Eis an der Promenade zeigt uns ein Blick auf die Karte, dass wir uns oben in den Bergen an einer völlig falschen Stelle gewähnt hatten. Bei der Rundfahrt durch das Städtchen treffen wir unser C-Platz-Nachbarn aus Holland, Sie haben sich die volle Seeumrundung vorgenommen, haben bis hier mit einem Plattfuß die Hälfte geschafft. Wir folgen dem Radweg nach Osten, in Monte del Lago befahren wir wieder bekanntes Gebiet. Wir freuen uns schon auf das zweite Eis in S. Feliciano, es schmeckt wieder ganz lecker. Und dann erwischt es uns doch noch. In Sant´Arcangelo spüre ich beim Abbiegen plötzlich ein weiches Gefühl am Vorderrad: Plattfuß. Während Elke im Alimentari 2 Flaschen Bier für das Stillen unseres großen Durstes kauft, pumpe ich, soviel nur in den Reifen passt, und damit kommen wir auch bis zum Platz. Dort wechsele ich vorbeugend gleich Schlauch und Mantel, so sind wir wohl für die weiteren Ausfahrten gerüstet.
Sonntag, 04. Mai 2008
Heute ging es mehrfach an die Grenze, dabei wollten wir nur eine MTB-Tour aus der Karte nachfahren, die ruhiges Dahinrollen über die Hügel versprach. Auf der schon bekannten Straße fahren wir Richtung Panicale, biegen allerdings vor dem letzten Anstieg nach rechts ab, nur um die mühsam erklommenen Höhenmeter wieder zu verlieren. Kurz bevor es richtig nach unten geht, biegen wir ab nach Paciano und fahren in ein wunderschönes Dorf mit trutzigen Mauern und erhaltenen Stadttoren. Die Straßenzüge verlaufen rechtwinklig zueinander, allerdings ist alles etwas enger als in Zellerfeld. Nach eingehender Besichtigung des Zentrums fahren wir außen an der Mauer entlang weiter nach oben. Der letzte Turm ist ganz eindrucksvoll mit Balkonen und Söllern ausgestattet. Oberhalb des Städtchens legen wir eine Rast ein, hier geht der Blick weit über den See. Mit einigem Auf und Ab erreichen wir Panicale, diesmal von Westen her und da wirkt die Befestigung noch viel mächtiger als im Osten. Die Gassen sind hier noch enger, die Häuser noch höher als in Paciano, heute ohne die Marktbuden ist der Dorfplatz auch viel größer und es gibt einen schönen Blick auf die Stadtkirche. Unseren Kaffee wollen wir heute am Wohnwagen trinken, deshalb fahren wir ohne Pause gleich weiter. Direkt gegenüber der Stadtausfahrt beginnt unsere Strecke durch die Berge, hier auch gut ausgeschildert. Wie bisher überall fehlen die Schilder aber an den entscheidenden Kreuzungen. Ich vermute, dass der Trail, der geradeaus ins Gebüsch führt, unsere Strecke ist. Elke möchte aber nicht noch einmal eine solche Schiebetour wie gestern machen. Deshalb folgen wir dem Hauptweg, der sich auch prompt ins Tal senkt, allerdings nach Süden hin. Wir überfahren fast ein 1,5 m lange Äskulapnatter, der wir zuschauen, wie sie hoch in einen Busch klettert, vor dem Rad flitzen Hunderte von Smaragdeidechsen über den Weg, der immer ausgefahrener und steiler nach unten führt. Bald müssen wir absteigen, wir können aber schon eine Straße sehen, auf die unser Weg später führt. Hier stehen wir zwischen Panicale und Tavernelle und müssen nun umdisponieren. Ich schlage vor, in der nahe gelegenen Villa Rey nach einem Weg zu fragen, Elke möchte am liebsten wieder hoch nach Panicale fahren, schließlich einigen wir uns darauf, dem Haupttal einige Kilometer nach Osten zu folgen, um dann über den Kamm nach Sant´Arcangelo zu gelangen. Der Weg ist breit, gut ausgeschildert, aber er steigt an: Von 235 m müssen wir auf 520 m hoch, das Ganze auf knapp 7 km und mitten in der stechenden Sonne. An vielen Stellen fahren wir im kleinsten Gang, immer in der Hoffnung, dass nach der nächsten Biegung wieder eine Flachstelle kommen wird, die aber häufig auf sich warten lässt. Unsere Wasservorräte sind schon aufgebraucht, Elkes Stimmung sinkt mit jedem Höhenmeter, da sie nur schnell aus diesem Wald wieder heraus will. In allen Ländern der Erde führen die Wege von einem Tal zum anderen durch möglichst tiefe Sättel, hier wird keine Bergkuppe ausgelassen, denn dort stehen die prachtvollen Villen, zu denen man auf diesen Zufahrten gelangt. Endlich haben wir den Kamm erreicht. Von nun ab müsste es eigentlich schnurstracks zu unseren Dorf hinunter gehen, aber weit gefehlt. Wir befahren ja eine MTB-Strecke, und die windet sich für die nächsten 3 km in ständigem Auf- und Ab am Südhang der Hügel entlang. Immer denke ich, dass wir im nächsten Moment über ein steiles Gefälle wieder unten im Ausgangstal sein werden. Aber diesmal hat Elke den richtigen Riecher. In einer scharfen Kurve geht es nach links und danach in flotter Fahrt zu unserem Platz. Das waren 48 anspruchsvolle Kilometer, morgen will Elke eine Flachetappe rund um den See fahren.
Montag, 05. Mai 2008
Wolkendecke mit wenig Lücken, Tröpfeln schon beim morgendlichen Kaffee und Frühstück unterm Zeltdach, das wird wohl ein Tag ohne Fahrrad werden. Deshalb setzen wir uns am späten Vormittag ins Auto, fahren zuerst zum Sparmarkt in Panicarola und dann noch weiter zum Coop nach Castigliano, kaufen für mehrere Tage ein und bringen alles in den Kühlschrank. Das Auto fahre ich danach gleich wieder vor die Schranke, denn wir wollen später noch einmal eine Tour nach Sarteano machen, um den dortigen C-Platz anzuschauen. Unsere Kaffeepause mit frischen Erdbeeren dauert bis 15.15 Uhr, dann brechen wir auf. Über Chiusi, leider sehen wir nicht viel von der Stadt, denn es regnet eigentlich ununterbrochen und wir haben deshalb keine Lust, auszusteigen, erreichen wir die Toskana. Gleich geht es kräftig berghoch, sollte es sich bewahrheiten und Sarteano liegt dort oben auf dem Berg, dann ist ein Umzug hierher sowieso außerhalb jeder Diskussion. Ein Tag auf dem Rad in diesen Bergen und dann zum Schluss noch hoch, nein danke. Und es ist wirklich so, die Stadt und auch der C-Platz liegen ganz oben auf einem größeren Plateau, nach mindestens drei Seiten geht es hinunter ins Tal. Da wir nun schon einmal hier sind, schauen wir uns den Platz trotzdem an. Die sanitären Anlagen sind Spitze, die Stellplätze genügend groß, die Auswahl ist zu dieser Jahreszeit riesig, kein Wunder bei 750 Plätzen, die zur Verfügung stehen, und ein Schwimmbad mit Thermalwasser ist zur Benutzung freigegeben. Soweit die positive Seite, beim Betrachten der Preisliste schrecken wir allerdings kräftig zurück. Ein Tag auf diesem Platz würde für uns beide 41 Euro kosten. So viel könnte ich gar nicht abbaden, zumal das Schwimmbad nur bis 18 Uhr genutzt werden darf. Schnell verabschieden wir uns und fahren auf einer anderen Strecke aus der Stadt hinaus. Uns kommt eine Gruppe MTB-Fahrer entgegen, so kaputt würden wir auch aussehen, sollten wir hier Station machen. Die Landschaft ist wunderschön, ein dauerndes, kurvenreiches Rauf und Runter durch viel Wald mit tollen Ausblicken von den Höhen. In Chiusi biegen wir nach Citta della Pieve ab. Eigentlich wollen wir nur an diesem Ort vorbei fahren, dann gibt es aber genau neben einem Stadttor einen freien Parkplatz und so kommt es, dass wir unter einem kleinen Regenschirm gemeinsam in die Stadt laufen. Ganz eng sind die Gassen, wie in Panicale, nur sind die Häuser hier noch höher und die Straßenzüge auch deutlich länger. Wir gehen in eine Kirche hinein, üppiger Barock, eigentlich untypisch für die Gegend. Gleich nebenan steht an einer unscheinbaren Pforte ein Hinweis, dass der Eintritt nur mit Billett gestattet sei. In Elkes Führer steht, hinter dieser Tür verberge sich das bedeutendste Kunstwerk der Stadt. Wir treten ein, mit uns ein weiterer Herr, der sich dann als der Kassenwart herausstellt. Wir stehen in einem kleinen Raum, rechts und links Betstühle und dahinter aufgehängt die weißen Kutten den Mönche. Die gesamte Stirnseite des Oratoriums nimmt ein eindrucksvolles Gemälde "Anbetung der Heiligen drei Könige" von Pietro Vannucci, genannt Perugino, ein. Dieses im Jahre 1504 entstandene Werk des Begründers der umbrischen Schule versetzt die Anbetungsgeschichte mitten in die hiesige Landschaft mit den hier ansässigen Menschen. Es gibt viele Einzelheiten auf dem Bild zu entdecken, die Feinheiten kann man auf einer Diashow verfolgen, die nebenbei läuft. Wir haben 4 Euro dafür bezahlt, es hat sich gelohnt. Beim Verabschieden bekommen wir noch eine große Postkarte mit dem Gemälde geschenkt, verbunden mit dem Hinweis, den Dom einige Straßen weiter zu besuchen. Das tun wir auch, allerdings fallen uns diese Meter schwer, denn inzwischen hat der Regen wieder kräftig eingesetzt und kalt ist es noch dazu. Wir schauen uns im Dom ein weiteres Werk von Perugino an, beschließen, für heute die Erkundung der Stadt abzubrechen und ein andermal bei Sonne fortzusetzen und laufen schnell zurück zum Auto, das in Windeseile warm ist und in dem wir unsere nassen und kalten Füße trocknen können. Über Tavernelle und Mugnano kehren wir zum See zurück. Hier ist es trockener, unser Abendessen können wir schon wieder vor dem Wagen einnehmen und ab morgen soll wieder die Sonne scheinen.
Dienstag, 06. Mai 2008
Der gestrige Regen hat den Himmel blau gewaschen, ach, hört sich das kitschig an, ist bestimmt aus einem Roman, trifft es aber. Keine Wolke ist zu sehen, als wir zu unserer Tor in die Berge südöstlich von uns aufbrechen. Wir haben keine ordentliche Karte von dieser Gegend, deshalb müssen wir uns etwas auf unser Gefühl verlassen. Und das gelingt, um es gleich vorab zu sagen, sehr gut an diesem Tag. Unser erstes Ziel ist Agello, ein winziges Dorf abseits der großen Straßen. Ganz oben steht trutzig eine alte Burg und in einem restaurierten Teil davon ist eine Grundschule untergebracht. Wir umrunden das Gebäude auf einem schmalen Pfad, auf der Rückseite hat sich in einem kleinen Häuschen ein englischer Bildhauer niedergelassen. Sein Garten und das Grundstück daneben ist ein einziger Skulpturenpark. Von der südlichen Stadtmauer reicht der Blick sehr weit in das umbrische Hügelland, im Osten dehnt sich in der Ebene von Perugia aus. Im Ort gibt es nur zwei Wegweiser, der eine zeigt nach Perugia, das liegt uns zu weit weg, der andere nach Corciano. Bei der Planung der Tour hatte ich diesen Ort als Zwischenziel angedacht, als wir in das Tal hinunterrollen und ihn auf der anderen Seite weit oben sehen, ändern wir unser Vorhaben schnell. Die Denkpause verbringen wir auf einem außergewöhnlichen Fleckchen Erde. In einem aufgelassenen Olivenhain wachsen auf dem trockenen Boden nie gesehene Arten von Orchideen. Ich komme aus dem Fotografieren gar nicht heraus. Ingo hätte seine helle Freude und würde hier wahrscheinlich übernachten. Das haben wir allerdings nicht vor und so verlassen wir diesen schönen Ort und schlagen die Richtung nach Magione ein. Plötzlich entdecken wir ein Schild "Monte Melino". Das ist der Berg, auf den sich nach der Karte ein schmales Sträßchen windet. Und da wir keinen Berg auslassen wollen, nehmen wir auch diesen in Angriff. Bis ganz nach oben kommen wir nicht, wir machen Schluss bei der Kirche der Jungfrau von Lourdes von Melino. Zwar können wir nicht in die Kirche, aber die gesamte Anlage hier am Berg mit dem schönen Park lädt zur Rast ein. Während wir unser Brot verzehren, fahren mehrer Autos auf den Parkplatz, Kinder, Nonnen und Pater steigen aus und rüsten sich für eine Wanderung. Vielleicht weiß jemand von ihnen, ob wir dem Waldweg nach Osten folgen können. Ich frage also laut, ob jemand Englisch oder Deutsch spricht und sofort kommt die Rückmeldung, ja, Deutsch. Ein junger Priester, er kennt sich zwar hier in der Gegend überhaupt nicht aus, macht uns Mut, den Weg zu fahren. Andernfalls, wenn er irgendwo enden würde, wäre dies durch das Sachgassenschild angezeigt. Das haben wir auch schon anders erlebt, aber wir vertrauen dem jungen Mann und fahren den Weg in den Wald. Er entpuppt sich als moderater MTB-Trail, und nach kurzer Zeit erreichen wir auch schon wieder Asphalt. Nur, weit gekommen sind wir nicht, denn das Kloster können wir immer noch sehen und von Perugia haben wir uns auch nicht groß entfernt. Wieder geht der Weg bergauf, wieder wartet oben ein Dorf auf uns. Das rot-weiße Zeichen für den Wanderweg weist noch weiter nach oben, dazu gibt es ein Hinweisschild auf einen "Ort der Ruhe und der Harmonie". Obwohl die Straße fast senkrecht in den Himmel führt, lässt sich Elke überreden, ihr zu folgen. Nach einer harten Viertelstunde stehen wir vor einer rustikalen Hotelanlage mit Meditationsecken und Glasflaschen zwischen den Bäumen. Nur von Ruhe ist nichts zu spüren, denn bis hierher dröhnt der Motorenlärm einer Rennbahn nahe Perugias, der uns seit langer Zeit verfolgt. Der Weg ist hier definitiv zu Ende, wir kehren um und rollen ins Dorf zurück. Hier wählen wir einen Kiesweg ins Tal, eine junge Frau, der wir begegnen, bedeutet uns, dass er zwar steil wird, aber nach Magione führt. Wenige Minuten später sind wir im Tal, kaufen bei Lidl einige Sachen ein und spurten dann auf der Hauptstraße zurück zu unserem Platz. Ich gehe schwimmen im herzhaft frischen Pool, einem von dreien hier auf dem Platz, allerdings der einzige der im Moment geöffnet hat. Neben uns steht inzwischen ein französisches Ehepaar, wir unterhalten uns halb auf Deutsch und halb auf Französisch, es fehlt eigentlich nur noch ein Holländer im Bunde, dann würden wir so richtig den Durchschnitt auf einem italienischen Campingplatz verkörpern.
Mittwoch, 07. Mai 2008
Wie geplant starten wir heute mit Auto und Tandem in die südtoskanischen Berge. Wir stellen das Auto in Cervognano am Straßenrand ab, heben das Rad vom Dach und starten eine kurze aber ansteigende Tour hoch nach Montepulciano. Im Führer wird dieser Ort als Perle der Renaissance gerühmt, wir erfreuen uns erst einmal an der Lage der Stadt hoch oben auf einem Felsen, umgeben von mächtigen Mauern und nur zugänglich durch mehrfach gestaffelte Tortürme. Inmitten eines Touristenstroms schieben wir vorbei an Läden und Kellereien, die zu überhöhten Preisen den Wein aus dieser Gegend anbieten. Für den Nobili verlangen sie 30 Euro und mehr, selbst den einfachen Rosso wollen sie für 8 Euro verkaufen. Die Hauptstraße ist gesäumt von Palazzi, einige sind gut in Schuss, bei vielen bröckelt die Fassade. Bei einigen sind etruskische Grabplatten und Urnen im Sockel eingemauert, andere übertreffen sich in der Ausgestaltung der Eingangstore. Mächtig und eindrucksvoll sind sie alle. Wir schließen unser Rad an, da es sehr mühsam ist, die steilen Gassen hinauf zu schieben, und wandern ganz nach oben zum Piazza Grande. Hier gipfelt nicht nur der Ort sondern auch die Architektur: Stadthaus, Dom und mehrere Palazzi in allen möglichen Stilrichtungen umstehen den im Fischgrätmuster geklinkerten Platz. Im Dom gibt es ein schönes Altarbild zu sehen, sonst ist er sehr schmucklos. Die anschließende Via Rienzi führt zu einem kleinen Platz, von dem aus wir einen ganz weiten Blick nach Osten über den Trasimenischen See und nach Westen und Norden ins Bergland der Toskana haben. Von hier sehen wir auch unser nächstes Ziel, die Kirche von S. Biagio vor den Toren der Stadt. Sie ist ein kleiner Petersdom mit einer eindrucksvollen Kuppel und schönen Fresken. Aber ein Rummel herrscht hier! Dauernd werden Busladungen voller Menschen ausgekippt, die in Windeseile das Bauwerk anschauen müssen, bevor die weiterfahren. Auch wir machen uns davon und suchen uns außerhalb der Stadt in einem Olivenhain ein ruhiges und warmes Plätzchen für unsere Mittagspause. Gestärkt und ausgeruht machen wir uns den letzen Teil unserer Runde. Von jetzt ab sollte es überwiegend bergab gehen. Nach kurzer Orientierungsschwierigkeit finden wir die richtige Abzweigung und sind urplötzlich in einer anderen Welt. Keine Autos mehr, keine Menschenseele, nur noch blühende Hecken und Straßenränder mit wieder neuen Orchideen um uns herum. So rollen wir viele Kilometer unserem Auto entgegen. Kurz vor dem Ziel steigt der Weg noch einmal steil an, dann sind wir am Wagen, packen schnell auf und fahren zurück zum C-Platz.
Freitag, 09. Mai 2008
Heute wollen wir nach Siena, allerdings mit dem Auto, uns auf dem Rückweg den Platz in Murlo ansehen und danach entscheiden, ob wir noch einmal in diese Gegend umsetzten oder hier bleiben, um später direkt San Gimignano anzusteuern. Schnell aber noch den gestrigen Tag festhalten. Es war eine große Seeumrundung mit Abstecher zu Hannibals Schlachtfeld. Über Castiglione, dort trinken wir unseren ersten Milchkaffee und schauen wir uns einen sehr schönen C-Platz an (auch der folgende ist ansprechend) fahren wir durch ein weites Sumpfgebiet bis Tuoro. Der Weg wird hier fabelhaft durch Gebüsche geführt, entlang von Wasserläufen, die er an einigen Stellen auf kleinen Holzbrücken überquert. Sonne wechselt mit Schatten ab, die Blumen blühen, es duftet und eine Vielzahl von Vogelstimmen ertönt aus dem Schilf. Das sind 10 Kilometer für die Seele. Am Nordende des Sees biegen wir auf die Straße ab. Dort steht auch bald eine erste Hinweistafel auf das Schlachtfeld. Sie erläutert den Hinterhalt, den Hannibal hier den Römern gelegt hat. Auf der folgenden Strecke rund um die Senke, in der der endgültige Kampf stattgefunden hat, sind weitere Tafeln aufgestellt. So bekommen wir einen guten Überblick über das damalige Geschehen. Aber auch ohne den historischen Bezug ist es wertvoll, hierher zu fahren. Hinter weiten Olivenhainen erstreckt sich der See. Die Bergketten im Süden sind differenzierter als die im Norden, auf die unser Blick sonst fällt. Die Wegesränder sind von rotem Mohn überwuchert, der einen malerischen Vordergrund für die Fotos bildet. In Tuoro schauen wir uns die kleine Dorfkirche an, wieder einmal eine Kuppelkirche, dem Petersdom nachempfunden. Dann geht zügig hinab ans Seeufer. Eine Besichtigung des C-Platzes schenken wir uns, hier ist zu viel Rummel. Allerdings gibt es doch eine angenehme Stelle hier unten auf der Halbinsel: einen "Steingarten" mit vielleicht 20 verschiedenen Säulen unterschiedlicher Künstler. Auf den folgenden Kilometern folgt der Radweg mehr oder weniger der Bahnlinie, das stört aber nicht, ist er doch dadurch vom Verkehrslärm der Autostraße abgeschirmt. Wir kommen schnell voran und können endlich unser Eis in S. Feliciano essen. Auf dem Tacho stehen letztlich 70 km, die Angaben in den Prospekten stimmen also. Siena! Was es hier alles zu sehen gibt, kann man in jedem Führer nachlesen, das spare ich mir hier. Elke leitet uns gut hin, wir landen in einem Parkhaus in der Nähe der Porta Fontebranda. Als wir aus dem Kellergeschoss ans Tageslicht treten werde ich von einer jungen Frau begrüßt. "Sie sehen deutsch aus. Brauchen Sie Hilfe? Zur Stadt geht es dort entlang. Hier ist die Karte meines Gasthauses." Na, wenn das kein Empfang ist. Wir gehen trotzdem nicht zur Rolltreppe sondern steigen zur Basilika S. Domenico empor, eine riesige Hallenkirche, deren Besichtigung noch nicht einmal etwas kostet. Wohin nun? Wir brauchen nur einer der vielen Gruppen nachzulaufen, Japaner, Engländer, Franzosen, Deutsche, alle haben Siena auf dem Programm. Neben dem Heiligtum der Katharina ist die Straße mit einem transportablen Altar versperrt. Es wird gerade das Patronatsfest der Heiligen gefeiert, deshalb auch der Fahnenschmuck an den Häusern, und am Pfingstsonntag gibt es hier einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Zum Dom geht es wieder eine Etage höher auf einen anderen Hügel. Wir laufen durch handtuchbreite Gassen und bleiben plötzlich mit offenem Mund stehen. Vor uns erhebt sich die Unterkirche des gestreiften Domes. Feinste Steinmetzarbeiten, wohin das Auge reicht. Das schauen wir uns in Ruhe an, von einem Stuhl eines Cafés aus. Den Blick bezahlen wir mit unserem Kaffee, 3 Euro pro Stück. Dabei ist dies nur das Baptisterium, ein ganz kleiner Teil des Komplexes, wie muss erst das Hauptgebäude wirken. Eine Treppe führt hoch zum eigentlichen Domplatz und dort gehen uns wirklich die Augen über. Der Kölner Dom ist mächtig, das Freiburger Münster fein proportioniert, dies hier stellt aber alles in den Schatten. Es ist nicht Größe, die so imponiert, es ist die Harmonie, die diesen Dom von allen Seiten wirken lässt. Und drinnen steigert es sich noch. Ein Kirchenschiff, von oben bis unten angefüllt mit Kunstschätzen. Allein hier könnte man Tage verbringen. Später wandern wir weiter zur Piazza del Campo, dem, so behaupten viele, schönsten Marktplatz der Welt. So viele kenne ich nicht, schließe mich aber ganz bescheiden diesem Urteil an. Wir umrunden den gesamten Platz, ich unternehme den Versuch, den Turm zu besteigen, gebe dieses Vorhaben aber wegen der langen Warteschlangen schnell wieder auf. Stattdessen bummeln wir über die Banchi die Sopra, Sienas Einkaufsmeile, werden Zeugen eines Polizeieinsatzes anlässlich eines Überfalls auf ein Juweliergeschäft, essen ein leckeres Eis und kehren nach 5 Stunden wieder zu unserem Auto zurück. Auf der Staatsstraße 2 fahren wir nach Süden, biegen nach 20 km nach Murlo ab, klettern bis auf über 500 m hoch in einer Gegend, die nur aus Wald zu bestehen scheint und finden endlich den Campingplatz, allerdings weit entfernt von dem eigentlichen Ort. Schon bei der Anfahrt wird uns klar, dass dies kein Platz für uns ist, dagegen lag Sarteano ja fast noch im Tal. Trotzdem bummeln wir über den Platz, er ist sehr schön angelegt, die Terrassen zeigen nach Süden und bieten einen weiten Blick über das umliegende Bergland. Unser Rückweg führt uns über Pienza durch Toskana pur. Eigentlich müssten wir an jeder Biegung stehen bleiben, aussteigen und fotografieren, so viele Motive gibt es. Für uns ist es allerdings schon spät geworden und so müssen wir uns auf einige Halte beschränken, überlegen allerdings auch gleich, ob wir hierher nicht noch einmal mit dem Tandem kommen.
Sonnabend, 10. Mai 2008
Nach langem Rumgetrödel am Platz starten wir, um in das Hügelland zwischen Lago di Chiusi und Lago di Montepulciano zu fahren. Der kräftige Rückenwind treibt uns mit Tempo 30 durch die Ebene, auch die Berge spüren wir kaum, so werden wir hochgeblasen. Hoffentlich schläft der Wind im Laufe des Tages ein, sonst haben wir auf der Rückfahrt ein richtiges Problem. Schon kurz nach Sanfatucchio fahren wir durch eine Bilderbuchtoskana. Es gibt weite Hügel, schöne Linienführungen durch die gerade bestellten Äcker, lange Zypressen- und Pinienalleen und im Hintergrund erhebt sich der M. Amiata. Während der nächsten Stunde werden wir von keinem Fahrzeug gestört. Wir fahren natürlich wieder einen holprigen Feldweg entlang, doch dann haben wir den Lago di Chiusi erreicht. Die 5 km bis Porto sind anstrengend, denn der Weg ist frisch geschottert und es ist hier schwierig zu steuern, Doch dann haben wir wieder Asphalt unter den Rädern. Über einen Hügel geht es hinab zum Lago di Montepulciano. Dieser See ist ganz anders geartet. Die Ufer sind verschilft, die Ränder ausgefranst. Die westliche Sumpfzone ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. An unserer Seite haben wir allerdings Zugang zum Wasser und hier rasten wir auch. Im Röhricht werden kleine Vögel gefüttert, die Alten können wir sehen, das Nest allerdings entdecken wir nicht. Es ist nicht gut, an einer niedrigen Stelle einer Tour zu pausieren, denn mit vollem Bauch gestalten sich die anschließenden Anstiege noch schwieriger. Aber auch die bezwingen wir. Bei 337 m Höhe haben wir das heutige Maximum erreicht, nicht gerade viel, aber der immer noch blasende starke Wind macht uns doch zu schaffen. Außerdem stinkt es auf vielen Kilometern infernalisch nach Schweinegülle. So schön die Grundstücke und Häuser hier auch sind, in solch einer Umgebung möchte ich nicht wohnen oder Urlaub machen. Wir haben Glück mit unserer Route, denn einmal auf der Höhe, rollen wir ohne erneute Anstiege nach Sanfatucchio hinunter. Hier beginnen die anstrengendsten Kilometer des Tages. Der Wind hat Mistralstärke erreicht, nur mit Mühe können wir eine Geschwindigkeit von 15 km/h halten. Zweimal müssen wir pausieren und trinken, dann endlich haben wir unseren Platz erreicht. Zur Belohnung gibt es ein erfrischendes Bad im Pool, frische Erdbeeren und ein ausgiebiges Abendessen.
Pfingstsonntag, 11. Mai 2008
Da heute auch Muttertag ist, beschließe ich, dass sich Elke unbedingt schonen muss. So steht einer Tor mit dem MTB nichts im Wege, Nachdem ich zugesagt habe, keine abseitigen Wege zu fahren und Elke die grobe Route kennt, starte ich in Richtung Mugnano. Auf der Straße komme ich schnell voran. Von Mugnano steigt der Weg leicht nach Fontignano an. Eigentlich wollte ich von hier wieder ins Tal fahren, aber ein breiter Schotterweg führt immer am Hang entlang genau auf die Villa de Montesolare zu. Das ist eine schöne Strecke, wenig Steigungen und schöne Wegränder mit ganz vielen blühenden Zistrosen. Als ich die Straße in der Nähe von Porta Materna erreiche, ist erst 1 1/4 Stunde vergangen, seit ich vom Platz weggefahren bin. Fahre ich jetzt nach oben über den Kamm, bin ich in einer halben Stunde wieder zurück. Ich habe also noch Zeit genug, die Gegend hier zu erkunden. Oberhalb der Hotelanlage führt der Wanderweg durch Gebüsch auf den nächsten Fahrweg. Hier halte ich mich rechts. Sehr steil steigt der Weg an, er ist gerade noch fahrbar. Die Sonne brennt mir auf den Rücken, der Durst nimmt zu. An einer Abzweigung beschließe ich anzuhalten und mich auf der Karte zu orientieren. Ich bin auf der falschen Route. Nicht nach oben hätte ich fahren dürfen, sondern nach unten. Jetzt bin ich fast auf dem M. Solare, mit 567 m der höchste Berg in der Umgebung. Na, wenn ich schon hier bin, dann schaffe ich die letzten Meter auch noch. An der nächsten Gabelung fahre ich erst einmal zu einer kleinen Anhöhe, von der ich einen guten Überblick haben werde. Das ist eine schöner Platz! Es gibt eine Rastbank mit Tisch, eine Grillanlage und einen fast 180 Grad Rundblick. Im Süden liegen die Berge der Süstoskana vor mir, nach Norden schaue ich über die Gipfel auf den See und im Osten sehe ich die Strecke, die ich heute gefahren bin und die ich noch fahren werde. Nur nach Westen ist mir der Blick versperrt durch den noch höheren M. Solare. Auf einer ausgefahrenen Bergstrecke quälen sich dort unter vollem Motoreinsatz gerade zwei Crossfahrer hinauf, für mich ist klar, dass ich dort nicht weiterfahren werden. Nach kurzer Essenpause erkunde ich das Gelände, dabei wird deutlich, dass es nur einen Weg für mich gibt: In einer großen Kurve zurück zum Hotel. Dort unten wartet offenbar schon eine deutsche Wandergruppe auf mich, um sich von mir den weiteren Weg nach Panicale erklären zu lassen. Ich kann ihnen wenigstens sagen. dass sie nicht den Weg nach oben nehmen dürfen. Ich fahre weiter bis hoch zur Burg Montali, eine Ruine, die sich allerdings in Privatbesitz befindet und dann geht es nach unten zum See, allerdings nicht auf der schon bekannten Strecke, sondern links ab über einen schönen MTB-Weg, der aber auf einigen Passagen für mich nur schiebbar ist. Halb zwei bin ich wieder zurück, 25 km waren das. und die vom Feinsten.
Montag, 12. Mai 2008
Wir waren in Assisi und haben dort alle Orte, die zum Leben des Heiligen Franziskus und der Heiligen Klara Bezug haben, intensiv besucht und studiert. Nach einer hektischen Fahrt durch Perugia fahren wir in Assisi direkt zum Kloster S. Domianus. Dort gibt es freie Parkplätze in genügender Anzahl, denn nur wenige der Besucher kommen hierher in diese abseitige Lage. Dabei hat hier alles angefangen. Hier hat Franziskus den Auftrag von Jesus bekommen, seine Kirche wieder aufzubauen, was er ganz wörtlich nahm und dieses Kloster errichtete. Wir sehen uns die gesamte Anlage an, die kleinen Kapellen, das alte Refektorium, den Garten der Klara. Das Kloster wird immer noch benutzt, überall laufen Mönche herum, führen und erklären. Wir steigen anschließend zur Stadt hinauf, immer wieder begegnen und Gruppen von Priestern, Nonnen und viele Jugendliche, die die heiligen Stätten besuchen. In der Stadt angekommen, schlägt es gerade 12 Uhr, das heißt, die Kirchen schließen erst einmal für 2 1/2 Stunden. Diese Zeit nutzen wir, um die weltlichen Seiten Assisis zu erkunden. Wir laufen zum alten römischen Theater und steigen ganz hoch zur Festung. Wir sind überrascht von dem Blick ins Bergland östlich der Stadt, so tiefe Täler und hohe Berge hatten wir hier nicht erwartet. Von hier oben sehen wir auch, dass S. Francesco nicht geschlossen ist. Also steigen wir hinab, um unsere Tour fortzusetzen. Elke meint, dass in der Grabeskirche in Jerusalem weniger Aufhebens gemacht wird, zumindest alles weniger prachtvoll zugeht. In der Oberkirche ist auch der letzte Winkel mit Fresken ausgemalt. Die Wege sind genau vorgeschrieben, damit es keinen Stau geben kann. Wir haben sicher wieder Glück, in der Vorsaison hält sich der Ansturm noch in Grenzen, ich kann mir aber vorstellen, was hier an besonderen Feiertagen oder während der Reisesaison los ist. Über eine schmale Stiege geht es hinab in die Unterkirche zum Grab des Heiligen. Wer hier eine kleine Gruft erwartet, wird eines Besseren belehrt. Genauso groß wie die Kirche darüber, nur kleinräumiger unterteilt mit vielen Kapellen an den Seiten, aber genauso prachtvoll ausgestaltet ist dieser Teil der Kirche, wobei das eigentliche Grab fast unscheinbar an den Rand gedrängt ist. Die Außenanlage des Klosters ist pompös gestaltet, die unangenehmen Nebenerscheinungen wie Verkaufsräume, Buden und Restaurants gibt es natürlich auch hier. Vielleicht müsste mal wieder einer kommen und aufräumen. Die Kirchen in der Stadt haben inzwischen wieder alle geöffnet. Eine davon ist von außen besonders bemerkenswert. Hinter die Fassade eines prächtigen römischen Minerva Tempels, die völlig erhalten ist, hat man eine kleine Kirche gebaut. Die Kirche der Heiligen Klara ist unsere letzte Station für heute, ehe wir uns auf den Rückweg zum Kloster S. Domianus machen. Hier sind nur noch 4 oder 5 Gläubige anzutreffen, der Parkplatz ist völlig leer und der Kräutermann, der am Morgen noch gut verkauft hat. steht ein wenig verlassen herum.
Dienstag, 13. Mai 2008
Unser letzter Tag in S. Arcangelo. Uns hat es hier gefallen: Stellfläche, so viel wir haben wollten, immer saubere sanitäre Anlagen, ein attraktiver Pool, den ich zwei Mal genutzt habe und eine wunderschöne Wiese am See, von der aus wir mehrmals die Sonnenuntergänge bestaunt haben. Elke zeigt mir noch den Platz Italgest, den wir am Anfang angefahren hatten. Hier ist alles eng und parzelliert und eingekästelt, kein Vergleich zu Polvese. Vorher aber fahren wir nach Castiglione del Lago, um bei Terra Trasimeno Olivenöl zu kaufen. Das ist ein Zusammenschluss örtlicher Bauern, die hier ihre Produkte vermarkten. Das Olivenöl schmeckt uns so gut, dass wir gleich 6 Liter davon mitnehmen, dazu Nudeln Wurst und Honig. Der Rest des Tages vergeht mit Einräumen, Campingführer wälzen und Kochen. Am Abend verabschieden wir uns vom See. Morgen geht es ganz langsam Richtung Heimat.
Mittwoch, 14. Mai 2008
Während der gesamten Nacht hat es geregnet, am Morgen sitzen wir gewohnt im Sonnenschein beim Frühstück. Wir lassen uns ganz viel Zeit, denn unsere heutige Etappe ist kurz. Wir schätzen, dass wir in 2 bis 3 Stunden in San Gimignano sein werden. Dann ein letztes Händeschütteln, unser Aufenthalt am Trasimenischen See ist beendet. Die Entscheidung zuerst hierher zu fahren, war gut. Radstrecken gab es von flach bis hoch anspruchsvoll, gerade das Richtige, um nach dem Winter wieder in die Gänge zu kommen. Unsere Ausflüge von hier mit dem Auto waren nicht zu lang und der Platz war wirklich ansprechend. St. Jimmy! Als wir über die Hügel kommen und die Stadt vor uns liegt, da staunen wir schon. Wir haben ja inzwischen viele toskanische Städte gesehen, aber dieser Anblick schlägt alles. Erst einmal müssen wir aber den Campingplatz finden. Nach einer umständlichen Anmeldeprozedur können wir unseren Wohnwagen auf dem Stellplatz 78 installieren. Es ist der Eckplatz auf einer kleinen Terrasse. einer der geräumigsten Plätze überhaupt. Beim Aufbau kommen wir ins Schwitzen und ein Grollen im Hintergrund kündigt auch ein Gewitter an. Trotzdem setzen wir uns aufs Tandem und fahren die kurze Streck in die Stadt. Riquewihr, Ribeauvillé und Les Baux noch dazu, die Menschenmenge, die sich durch die Straßen schiebt ist anders nicht zu beschreiben. Wir lassen uns mitschieben, vorbei an Läden mit allem Nippes der Welt und wir lassen uns trotzdem gefangen nehmen von der Atmosphäre dieser mittelalterlichen Stadt. Die hohen Wohntürme, die Palazzi mit ihren romanischen und gotischen Fenstern, die engen Gassen und die weiten Plätze, jetzt wissen wir, warum alljährlich 8 Millionen Menschen diese Stadt besuchen. Doch für heute reicht der erste Eindruck, wir werden an einem der nächsten Abende hierher zurück kommen, wenn die meisten Touristen verschwunden sind und der Zauber der Stadt dann noch größer wird. Unsere Entscheidung ist auch aus einem anderen Grund noch gut, denn es wird kühl, die ersten Blitze gehen nieder und wir erreichen den Wohnwagen gerade noch trocken. Das Essen kochen wir unter dem Vordach, als die Sonne wieder vorkommt laufen wir noch eine Runde über den Platz und bestaunen von verschiedenen Stellen die Sicht auf die Stadt, später am Abend versuche ich sogar, einige Nachtfotos von der angestrahlten Stadt zu schießen.
Donnerstag, 15. Mai 2008
Während des Frühstücks verzieht sich der Dunst, wir bereiten das Tandem für eine Runde durch die Hügel östlich der Stadt vor. Die Strecke entpuppt sich als ein Glückswurf, Erst geht es auf einer Hügelkette ohne Steigungen immer mit Blick auf die Türme der Stadt entlang. Nach Poggibonsi geht es steil hinunter, im Elsa-Tal herrscht natürlich etwas Verkehr, den lassen wir aber in Ulignano schon wieder hinter uns. Hier klettern wir aus dem Tal wieder auf die Höhe empor, bald kommt S. Gimignano in Sicht und nun rollen wir fast eben im Norden um die Stadt herum. Kaum zu glauben in einer so bergigen Gegend. Wir verlängern unsere Tour spontan um einige Kilometer, das ist wohl mit der schönste Abschnitt und betreten dann die Stadt durch das nördliche Tor. Elke holt sich Informationen aus dem Büro, wir essen ein Eis vom Weltmeister (lange nicht so gut wie in Feliciano), warten einen Miniregenschauer unter einem Dach ab und schieben anschließend inmitten der Massen durch das südliche Tor wieder hinaus. Am Wohnwagen trinken wir in der Sonne sitzend unseren Kaffee und essen Kuchen dazu, danach nehme ich mein MTB und fahre noch eine kurze Runde nach Montauto. Die entpuppt sich alsbald als ausgewachsene MTB- Strecke mit 400 Höhenmetern auf 10 Kilometern. Ich entdecke am Rande der Stadt den Coop, kaufe dort einige Kleinigkeiten und bin lange vor der verabredeten Zeit wieder zurück.
Freitag, 16. Mai 2008
Strahlender Sonnenschein beim Aufstehen, während des Frühstücks bewölkt es ist zusehends. Trotzdem brechen wir zu einer Tandemfahrt in die Berge nördlich S. Gimignanos auf. Und es wird uns auch gleich warm, denn die Straße steigt mäßig aber stetig an und kurze Pausen machen wir nur, um die vielen unterschiedlichen Blumen am Straßenrand zu bewundern. Flächendeckend wachsen hier verschiedene Ragwurze, daneben viele andere Orchideen, aber auch andere Pflanzen sind hier vertreten, die nicht minder interessant sind. Irgendwann erreichen wir die Höhe von 500 m bei Castagno. Heute sind viele Tourenfahrer auf der Straße, daneben natürlich auch immer wieder Pulks von Rennradlern. Unser Ziel ist Gambassi Terme, das liegt ein ganzes Stück unter uns, deshalb ziehen wir uns auch die Jacken vor der Abfahrt über. Von diesem Stück der Strecke haben wir leider keine detaillierte Karte, wir können deshalb nur ahnen, wohin wir müssen. Aber eine alte Italienerin erklärt uns in einem nicht enden wollenden Redeschwall, wo entlang wir fahren müssen. Und tatsächlich, nach dieser Beschreibung finden wir die richtige Strecke nach Luiano. Wir fahren jetzt auf Schotter abseits des Autoverkehrs. Es geht immer nur bergab, meine Güte, das müssen wir doch auch alles wieder hoch. Aber bevor es so weit ist, endet der Fahrweg erst einmal und verengt sich zu einem schmalen Pfad, der an mehreren Stellen so ausgewaschen ist, dass wir schieben müssen. Später ist es nur noch eine Treckerspur im Getreidefeld, Elke sieht schon schwarz. Zu allem Überfluss fängt es genau an der tiefsten Stelle des Weges ganz unten im Tal an zu regnen. Wenige Tropfen zwar nur, aber genug, um die folgende Schiebestrecke hoch durchs Roggenfeld zur wirklichen Anstrengung werden zu lassen. Der Lehmboden ist rutschig, das Getreide nass, die Schuhe greifen nicht auf dem Boden und die Reifen werden von der sich festsetzenden Erde immer dicker. Gerade als kaum noch etwas geht, hören wir über uns Traktorengeräusche, dann taucht ein erstes Gebäude auf. Wo Häuser sind, sind auch Straßen, dazu ein Bauer, der uns den Weiterweg zeigt. Wir schieben zwar immer noch, so steil ist es, aber der Weg ist steinig und wir wissen, dass wir die richtige Richtung haben. Hier können wir auch die Regensachen ausziehen, denn der alltägliche Schauer ist beendet und oben auf der Höhe ist auch wieder an Fahren zu denken. Und nun folgt einer der Momente im Leben, die man nicht planen kann. Wir fahren an einem Anwesen entlang, über dessen Mauern unzählige Rosen wallen. Wir stoppen, ich hole die Kamera aus der Tasche und will einige Fotos machen, da wird oben am Haus ein Fenster geöffnet und ein Mann lädt mich ein, durch das Tor zu treten und den Garten von innen anzusehen. Elke folgt und wir stehen mitten in einem kleinen Paradies. Hunderte unterschiedlicher Rosen, von klein und zierlich bis üppig und haushoch gibt es hier, alle mit Bedacht angepflanzt, so dass immer wieder kleine Nischen entstehen, in denen Bänke und Tische stehen. Inzwischen hat sich der Hausherr zu uns gesellt und erklärt uns, wie es zu diesem Prachtanwesen gekommen ist. Seit einigen Jahren bewohnt er mit seiner Frau das Grundstück, die Rosen sind zum großen Teil selbst veredelt und auch die Gartenanlage wird immer weiter ausgebaut. Im Haus vermieten sie einige Appartments, er war gerade mit dem Ausbau eines Zimmers beschäftigt, als er unsere Reifen auf dem Kies hörte und neugierig aus dem Fenster sah. Welch Glück für uns, so haben wir ein Stück Toskana gesehen, das eigentlich gar nicht ins Klischee passt. Herr Giubbolini gibt uns noch seine Internetadresse mit, damit wir uns auf seiner Seite weiter informieren können, dann verabschieden wir uns und setzen unsere Fahrt fort. Eigentlich müssten wir doch langsam die Ausgangshöhe erreicht haben, aber die Straße steigt auch in Pancole weiter an. Gut dass mal wieder eine Kirche zur Pause animiert. Es ist eine ganz besondere Wallfahrtkirche hier an der Via Francigena, dem Pilgerweg von Canterbury nach Rom, in der man die Mutter Maria um einen umfassenden Sündenablass bitten kann. Unter der Kirche ist die Weihnachtsszene mit mannsgroßen Figuren nachgebaut, Weihnachten, das ganze Jahr über. Endlich geht es bergab, einer kurzer Anstieg noch hoch nach S. Gimignano, dann sind wir wieder am Wohnwagen. Das waren nur 40 Kilometer, aber die hatten es in sich. Inzwischen brennt die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, genau wie gestern, nur dass wir heute unseren Kaffee ohne Kuchen trinken, weil wir frühzeitig essen wollen, um danach noch in die Stadt zu laufen. S. Gimignano soll laut Reiseführer seinen besonderen Charme in den Abendstunden entwickeln, wenn die Touristenströme sich verlaufen haben. Dass mag vielleicht für warme Sommerabende gelten, wenn man vor den Restaurants sitzen und noch einen Abendschoppen trinken kann, heute wirkt die Stadt einfach nur ausgestorben. Die Geschäfte haben geschlossen, die meisten Sitzgelegenheiten vor den Kneipen sind zusammengeräumt, nur ganz wenige Leute verlieren sich in den düsteren Gassen. Na gut, wir haben auch dieses S. Gimignano gesehen, aber bald machen wir uns auf den Heimweg und sitzen lieber noch ein Weilchen vor dem Wohnwagen.
Sonnabend, 17. Mai 2008
Heute wollten wir uns eigentlich Florenz ansehen, den Fahrplan hatten wir uns schon besorgt und das Fahrkartenbüro schon ausfindig gemacht. Aber selbst Elke hat nicht den richtigen Drang, Außerdem regnet es beim Aufwachen und das alles führt zu der Entscheidung, diese Stadt zumindest heute nicht zu besuchen. Nachdem wir eine Stunde lang unterm Vordach gelesen haben, bessert sich das Wetter. Wir ziehen uns stadtfein an, setzen uns ins Auto und fahren nach Volterra. Den ersten Teil der Strecke über die Berge kennen wir schon von der gestrigen Radtour, später folgt eine 10 Kilometer lange Strecke durch mitteleuropäisch anmutenden Eichenmischwald, ehe wir in eine toskanische Landschaft mit weiten Hügeln und ausgedehnten Getreidefeldern eintauchen. Vor uns liegt Volterra auf einem einzelnen Hügel, der nach allen Seiten hin steil abfällt. Als Radfahrer hätte man hier sein Kämpfen beim Überwinden der 200 Höhenmeter, mit dem Auto sind wir schnell oben. Wir fahren bis zum Campingplatz, den wir uns bei dieser Gelegenheit auch gleich anschauen, parken dort unser Auto und laufen die 20 Minuten in die Stadt. Wir besichtigen die große Wallfahrtskirche Santi Giusto e Clemente, benannt nach den Schutzpatronen der Stadt Volterra, laufen durch eine heruntergekommene Siedlung und betreten die Stadt durch das Westtor. Der Charakter ist ähnlich dem S. Gimignanos, nur treffen wir weniger Touristen an. Die haben sich nämlich alle auf dem Domplatz eingefunden, weil hier eine Vorführung der Polizei anlässlich irgendeines Jubiläums abläuft. Außerdem beginnt hier die eigentliche Stadt erst richtig: Dom, Rathaus mit großem Vorplatz, Paläste und Museen. Hier gibt es genau so viel Pizzerien und Eisläden wie in S. Gimignano, hier wird der gleiche Nippes angeboten, allerdings ergänzt um Krempel aus Alabaster, der hier im Ort in vielen kleinen Betrieben verarbeitet wird. Von der in den Reiseführern beschriebenen Düsterheit des Ortes können wir nichts feststellen, es scheint wohl ein Vorurteil zu sein, dass wie ein roter Faden von Buch zu Buch fortgeschrieben wird. Wir sind ganz begeistert von den weiten Blicken über die südliche Ebene, die wir von der Stadtmauer aus haben und freuen uns an den vielen Blumen, die aus den Mauerritzen wachsen. So kehren wir ganz gemütlich zu unserem Auto zurück. Kurz vor dem Parkplatz kommen wir an einer Alabastermanufaktur vorbei. Der alte Herr lädt uns ein, seine Werkstatt zu besichtigen. Alles ist von einem weißen Staub überzogen, der aber nach seiner Aussage nicht gesundheitsschädlich sein soll, da es sich nur um eine kristalline Form von Kalziumsulfat handelt. Er sei das beste Beispiel für die Unbedenklichkeit, seit kleines Kind arbeitet er mit dem Stein, ist jetzt 77 Jahre alt und immer noch ohne Lungenprobleme. Die Rückfahrt führt uns durch ganz anderen Wald, Steineichen herrschen vor und auch das Grün erinnert uns mehr an die Provence. Ist es anderer Untergrund, hat man hier dem ursprünglichen Bewuchs mehr Chancen gelassen? Der Rest des Tages vergeht mit Lesen, Kochen, Rumkramen, kurz mit allem, was man so bei immer wieder wiederkehrender Schauertätigkeit machen kann. An Radfahren ist heut nicht mehr zu denken, selbst zum Laufen ist es zu feucht.
Sonntag, 18. Mai 2008
Es regnet, nein, es schüttet so stark, dass ich Mühe habe, zwischen zwei Schauern zum Duschen gehen zu können. Und dieses Wetter hält den gesamten Vormittag an. Es ist nicht einmal an Einpacken und Wegfahren zu denken. Wir lesen und vertrödeln den Tag, am frühen Vormittag beginne ich, das Essen vorzubereiten. Doch urplötzlich ist alles vorüber. Der Himmel reißt auf, die Sonne kommt durch. Schnell ziehen wir uns um, schultern den Rucksack und machen uns auf zu einem längeren Spaziergang. Wir durchlaufen S. Lucia, folgen dem Pilgerschildchen hinab ins Tal, genießen den Sonnenschein und den weiten Blick. Wir steigen den Gegenhang hinauf, erreichen Torraccia di Chiusi, fragen dort nach dem Weiterweg und ernten sehr viel Unverständnis ob der Tatsache, dass wir zu Fuß nach S. Gimignano wollen. Aber man hilft uns trotzdem und so kehren wir wieder durch ein tiefes Tal mit einer Bachdurchquerung auf streckenweise rutschigen Feldwegen zum C-Platz zurück. 2 1/2 Stunden waren wir unterwegs, sind gut ins Schwitzen gekommen und Elke hat sich sogar einen Sonnebrand geholt. Der Tag hatte so schaurig begonnen, kaum zu glauben wie schön er endete.
Montag, 19. Mai 2008
Sonnenschein, gut, dass wir gestern nicht abgereist sind. Elke fragt beiläufig, ob ich schon eine schöne Wanderung ausgesucht habe, aha, sie will nicht aufs Rad. So starten wir bald zu einem Gang, der uns über Montauto nach San Donato und von dort vornehmlich auf der Straße über S. Gimignano zurück führen soll. Den ersten Teil bis kurz vor Montauto kennen wir schon von gestern her aus der Gegenrichtung. Nach dem Örtchen ist der Weg weiter gut ausgeschildert. Wir kommen an einem Kirschbaum mit reifen Früchten vorbei, ich pflücke dort zwei Hände voll. Der nächste, noch vollere Baum steht allerdings direkt bei einem Haus, dort wage ich mich nicht dran. In den Baum haben sie einen Lautsprecher gehängt, der überlaut Radiomusik dudelt, es soll wohl der Vogelabschreckung dienen. Ist es der Lärm oder die nicht mehr vorhandene Wegweisung, jedenfalls verlieren wir hier den Weg. Über einen klutschigen Acker laufen wir in ein Tälchen, dort finden wir einen Pfad durchs Gebüsch, der führt aber in die falsche Richtung. Also ein Stück zurück und unten entlang am Weinfeld. Die Schuhe werden von den Erdplacken immer schwerer, aber dann sehen wir ein Haus und können uns nach dem Weiterweg erkundigen. Wir sind wohl nicht die ersten, die sich hier verlaufen haben, denn der freundliche Besitzer weiß sofort, wo wir hin wollen: San Donato – Richtung dort, zwei Kilometer. Gracie, und weiter gehts. Hatte Elke kurz zuvor noch festgestellt, dass hier überhaupt niemand wandert, obwohl doch so viele Menschen auf dem Campingplatz sind, wird sie nun eines Besseren belehrt. Kurz hintereinander treffen wir drei Wanderpärchen, wie es sich anhört, alles Deutsche. In S. Donato stehen mehrere Busse, hier werden die Insassen zu einer Weinprobe und zum Essen ausgekippt. Das Ambiente ist sehr schön, wir aber entscheiden uns gegen eine Pause an diesem Ort und wandern weiter. Kurz darauf müssen wir die Schirme auspacken, es beginnt zu nieseln. Das erste Stück Straße haben wir schnell geschafft, jetzt geht es erst einmal wieder querfeldein. Wir finden nach einigem Rätseln den richtigen Weg und erreichen bald darauf die Straße S. Gimignano – Montauto. Vorher aber legen wir unter dem Schirm eine kurze Essenspause ein, ich schleppe doch unseren Proviant nicht umsonst durch die Gegend. Gestärkt entschließen wir uns, auf den Weg entlang der Straße zu verzichten und den Anstieg zum Campingplatz nach der Karte durch die Felder und Haine zu finden. Inzwischen haben wir so viel Erfahrung im Lesen der italienischen Wanderkarte, dass wir auch einen passablen Weg finden. Es geht zwar hin und wider durch hohes Gras, aber die Schuhe sind sowieso schon nass und es ist auch nicht mehr weit bis zum Wohnwagen. Die Schirme können wir zwischendurch immer mal wieder einpacken, kalt ist es während des gesamten Tages nie geworden. Das war ein schöner Rundweg in einer gemütlichen Gegend, nicht spektakulär, eher etwas für die Seele. Morgen werden wir hier die Zelte abbrechen, allerdings habe ich als Alternative schon eine Radtour im Süden ausgesucht.
Dienstag, 20 Mai 2008
Morgens um 10 Uhr Abreise in S. Gimignano. Während der gesamten Fahrt wechseln sich Schauer und Dauerregen ab. Am Nachmittag gegen 16.30 Uhr fahren wir auf den Platz "St. Josef" am Kalterer See. Es hört für einen Augenblick auf zu regnen, so dass wir aufbauen und die paar Schritte zum See gehen können, dann aber setzt der Regen erneut ein. Neben uns steht ein Paar von Trasimenischen See. Auch dort war in den letzten Tagen das Wetter sehr durchwachsen. Morgen soll es besser werden, sagt man uns an der Information.
Mittwoch, 21. Mai 2008
Wenn es nicht vom Himmel oder von den Bäumen tropfte, dann fielen irgendwelche Stängel oder Aststückchen vom Baum über uns auf den Wohnwagen. jedenfalls klapperte es irgendwie die ganze Nacht hindurch. Doch ist überraschenderweise am Morgen alles trocken. Am Himmel zeigen sich zaghaft erste Andeutungen von blauen Stellen, obwohl die Wolken noch recht tief hängen. Dennoch beschließen wir, weiterzufahren. Bei immer mehr Sonnenschein fahren wir über den Brenner und danach wieder in eine dicke Suppe hinein. Dazu wird es in Deutschland auch noch empfindlich kühl. Als wir nach einer Stauumfahrung in München im Altmühltal an der Kratzmühle ankommen, zeigt das Thermometer nur noch 12 Grad. Heute bleibt die Küche kalt und wir gehen zum Essen ins Restaurant am See. Bei einem schönen Blick auf das Wasser gibt es richtig bayerisches Essen: Leberknödelsuppe und Schweinsbraten mit Kraut. Dazu schmeckt natürlich ein herzhaftes Bier am besten.
Donnerstag, 22. Mai 2008
Wir sind wieder in Clausthal-Zellerfeld. Nach einer ruhige Fahrt ohne LKW wegen Fronleichnam rollen wir kurz nach 16 Uhr auf unseren Hof. Alle Blumen blühen, die Sonne scheint, der Harz zeigt sich bei unserer Rückkehr von der allerschönsten Seite. Noch einmal in die Toskana? "Unsere" provencalische Landschaft wirkt mediterraner, aufregender und abwechslungsreicher, die MTB-Wege enden nicht dauernd irgendwo auf einem Gehöft. der Autoverkehr ist geringer, die Besiedlung weniger dicht, die Anreise entspannter. Das Kulturangebot ist in Italien größer, die Lebensmittelpreise sind niedriger, die Pflanzenvielfalt an den Straßenrändern vielfältiger, die Landschaft beruhigender und der Wein schmeckt auch. Vielleicht sollten wir uns aber gar keine Gedanken darüber machen, denn die Benzinpreise verleiten eher dazu, in Deutschland zu bleiben und unser abwechslungsreiches Land von Nord bis Süd und Ost bis West zu durchstreifen.